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Paukenschlag am Donnerstag No. 15/2008 vom 10. April 2008
Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

 
Spurlos verschwunden?
945 Milliarden US Dollar
 
Der Internationale Währungsfonds verkündete diese Woche das vorläufige Ausmaß des Schadens der Währungkrise. Mit der gigantischen Zahl von 945 Milliarden US Dollar ging der IWF damit weit über bisherige Annahmen hinaus. Bei bereits "eingestandenen" Verlusten in Höhe von rund 232 Milliarden US-Dollar lautete die bisher höchste Prognose auf eine Schadenssumme von "nur" 600 Milliarden Dollar. Unseren wackeren Peer Steinbrück schreckt das nicht. Das Wirken seiner als KfW bekannten Milliardenversenkungsanlage, das beteuert er mit dem trockenen Charme des professionellen Hütchenspielers, sei ohne Einfluss auf den Bundeshaushalt. Das kann man wohl so hindrehen, aber mit meinem Begriff von Ehrlichkeit hat diese Aussage nichts mehr zu tun.
Nun gut, der heimatlich-provinzielle Schauplatz lenkt nur ab, vom Ausmaß der globalen Katastrophe. Was heißt das denn, wenn von 945 Milliarden US$ Krediteinbußen und Abschreibungsbedarf die Rede ist?
945 Milliarden US-Dollar, das ist fürwahr kein Pappenstiel. Das ist Steinbrücks Bundeshaushalt für 2008, 2009 und die ersten Monate von 2010... Kann so viel Geld eigentlich überhaupt verloren gehen? Müssten die Geldscheine nicht in zentimeterdicken Schichten auf den Straßen liegen?
945 Milliarden US-Dollar, rund 630 Milliarden Euro, das ist so viel Geld, dass der Deutsche Lottoblock - von heute bis in den April des Jahres 2608 n. Chr. - zwei Mal wöchentlich, mittwochs und samstags, einen Jackpot von 10 Millionen Euro ausschütten müsste, bis die Summe verteilt ist, die jetzt, nach Einschätzung des IWF, in der Finanzkrise "verloren" gegangen sein soll.
 
Der Weg der Milliarden ist nachvollziehbar - und sie sind, soviel vorab, keineswegs verschwunden!
Wenn es auch vollkommen unmöglich ist, den Weg jedes einzelnen Dollars in allen Verästelungen nachzuvollziehen, ein summarischer Nachvollzug lässt sich in groben Zügen so skizzieren, dass das Prinzip klar erkennbar wird.
 
Da ist zunächst der Weg des Geldes durch die Realwirtschaft:
 
Von der Quelle
Über etliche Jahre betätigten sich die US-Immobilienfinanzierer als sprudelnde Geldquelle. Sie haben - gegen fragwürdige Sicherheiten - gigantische Mengen Geldes an Immobilienerwerber und Immobilienbesitzer ausgezahlt und damit in einer Art selbsterfüllender Prophezeihung die Preise auf dem US-Immobilienmarkt nach oben getrieben, was es ermöglichte, für ein und dieselbe Immobilie im Lauf der Jahre immer neue Kredite auszureichen.
über den Handel
Die braven US-Bürger, die sich glücklich schätzten, ihre Immobilien immer wieder und immer höher beleihen zu können, haben das Geld, das sie von den Finanzinstituten erhielten, verwendet, um Grundstücke und Häuser, Autos und Mobiltelefone, Kleidung und Spielwaren, Coca Cola und Hamburger zu kaufen. Sie haben das Geld also fast vollständig beim Einzelhandel abgeliefert - und einen Teil vielleicht verwendet, um alte Schulden zu tilgen.
in den Wirtschaftskreislauf
Mit dem Klingeln der Ladenkasse war das Geld endgültig im Kreislauf der US-Wirtschaft angelangt. Fortan bezahlte der Einzelhandel davon seine Lieferanten, seine Mitarbeiter und vielleicht auch Steuern an den Staat. Die Lieferanten wiederum bezahlten damit Material und Fertigprodukte, die sie aus dem In- und Ausland bezogen, sie produzierten und verteilten, zahlten Löhne und Gehälter, Steuern und natürlich die Rechnungen ihrer Vorlieferanten. Weil aber die gesamte Wirtschaft einen Teil ihres Umsatzes als Gewinn aus den hier skizzierten Kreisläufen abzieht, reichen Löhne, Gehälter und Steuern, die aus der Wirtschaft an die Konsumenten und den Staat zurückfließen, alleine nicht aus, um auch in der nächsten Periode wieder genau so viel konsumieren zu können, wie in der Vorperiode.
(Das ist übrigens ein Grundproblem des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Nehmen Sie es nicht zu ernst, unsere führenden Volkswirtschaftler haben auch gelernt, es zu ignorieren)
Also haben die US-Banken, weil es so gut funktioniert hat, wieder Geld verliehen, an Immobilienerwerber und Immobilienbesitzer, und in der nächsten Runde wieder, und noch einmal, und noch einmal... Mit der von den Banken durch stetige Höherbewertung der immer gleichen Sicherheiten in den Markt gepumpten Kaufkraft konnten sich die US-Bürger ernähren und kleiden, sich Autos und Benzin kaufen und ab und zu auch die Zäune rings um ihre geldspuckenden Immobilien neu anstreichen.
auf den großen Haufen
Der kreditfinanzierte Konsum ermöglichte aber nicht nur den bescheidenen Wohlstand der Durchschnittsamerikaner, er ließ auch bei den Eigentümern und Anteilseignern der Unternehmen die Gewinne sprudeln. Alles, was diese aus dem Kreislauf abzweigten und auch das, was für die Importrechnung an das Ausland abgeflossen ist, wurde einfach immer wieder durch neues Geld aus neuen Krediten ersetzt.
Ein schönes Spiel - und so einfach!
So sammelten sich mit der Zeit bei den Gewinnern des Spiels die Dollars an. Aber nicht alleine in den USA. Ein erklecklicher Teil des materiellen Wohlstands, mit dem sich die US-Bürger umgaben, wurde ja gar nicht in den USA erzeugt, sondern importiert. Klar, die Importeure haben daran verdient - aber auch die Exporteure. So sammelten sich weitere Teile der Beute auf Konten auf der ganzen Welt - in Europa, in Japan, in China, auf den Bahamas, in Liechtensteien - und wo sonst auch immer.
zur Endlagerung
Am Ende des Weges des Geldes durch die Realwirtschaft müssen nun also jene 945 Milliarden US-Dollar, die weltweit fehlen, auf den Konten von Menschen gelandet sein, die vor Reichtum kaum noch gehen können und beim besten Willen nicht wissen, was sie mit ihrem Geld noch anfangen sollen. Wäre es anders, hätte das Geld nämlich den Weg zurück zu den Schuldnern gefunden, die ihre Schulden gegenüber den Banken doch eigentlich gerne zurückzahlen möchten, es aber nicht können, weil ihre Einkommen dafür einfach nicht ausreichen.
Dass die Cleveren unter den Reicheren ihr Geld nicht auf dem Konto liegen lassen, sondern es im In- und Ausland in Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Edelmetallen und Rohstoffen anlegen, bringt das Geld auch nicht näher an die Schuldner, denn die verfügen weder über Rohstoffe, noch über Edelmetalle oder Unternehmensbeteiligungen, die verfügen nur über eine einzige, windige Immobilie - und die ist für den renditesuchenden Anleger im zusammenbrechenden Markt nichts wert; jedenfalls deutlich weniger als das, was an Schulden darauf lastet.
Die weniger Cleveren haben sich die Dollars andrehen lassen und sehen jetzt verzweifelt zu, wie ihr Geld zügig an Wert verliert. Da sucht man dann schon einmal nach einer Anlage, die mehr als den Inflationsausgleich verspricht. (...und die Finanzindustrie bringt immer wieder Produkte hervor, die durchaus reizvoll anzusehen sind.)
 
Damit ist der Weg des Geldes durch die Realwirtschaft am Ende angekommen.
Es hat Konsum ermöglicht - und Gewinne. Es hat die Umwandlung von Gewinnen in Sachwerte ermöglicht - und ist da angekommen, wo die Finanzjongleure ihr Rad drehen.
 
Betrachten wir also nun, wie der Weg der Schulden durch die Welt der Finanzanlagen verläuft
 
Wäre nur das Geld von seinem Ausgangspunkt abgeflossen, die komplette US-Finanzbranche wäre längst bankrott und untergegangen... Um zu verstehen, warum es im Gebälk zwar immer lauter knirscht und kracht, warum inzwischen Zigtausende von Jobs an der Wallstreet verloren sind und die Realwirtschaft der USA schwungvoll in die Rezession gleitet, der Zusammenbruch des Finanzsystems aber immer noch auf sich warten lässt, muss man jenen zweiten Pfad untersuchen, auf dem sich, von der gleichen Quelle ausgehend, neben dem Geld auch die Schulden auf den Weg gemacht haben.
Von der Quelle
Über etliche Jahre betätigten sich die US-Immobilienfinanzierer als sprudelnde Geldquelle. Sie haben - gegen fragwürdige Sicherheiten - gigantische Mengen Geldes an Immobilienerwerber und Immobilienbesitzer ausgezahlt und damit in einer Art selbsterfüllender Prophezeiung die Preise auf dem US-Immobilienmarkt nach oben getrieben, was es ermöglichte, für ein und dieselbe Immobilie im Lauf der Jahre immer neue Kredite auszureichen. Das Geld ist über den Einzelhandel in den Wirtschaftskreislauf und von da auf den großen Haufen geflossen, den das Vermögen der Reichen und Superreichen bildet. Es ist in diesem Zusammenhang müßig, darüber zu reden, wo die Banken das Geld hergenommen haben. Wichtig ist, dass sie es nicht verschenkt, sondern als Darlehen ausgezahlt haben, wobei sie mit den Kreditverträgen praktisch Schuldscheine in der Hand hatten, die ihnen erlaubten, das verliehene Geld, samt Zinsen, von den Immobilienbesitzern zurückzufordern. Aber auch diese "Schuldscheine" haben sich von den ursprünglichen Gläubigern getrennt.
in die Abfüllanlage
Mit der Zeit kam den US-Bankern wohl der berechtigte Verdacht, dass es auf lange Sicht nicht gut gehen könne, immer größere Mengen Geld an Schuldner zu verleihen, die ihre Schulden niemals würden tilgen können - zumal auch die beliehenen Immobilien als Sicherheit kaum verwertbar waren. Also haben die US-Banker ordentlich große Pakete geschnürt, die Schuldscheine ihrer Immobilienbesitzer hineingelegt und diese Pakete auf dem internationalen Finanzparkett zum Kauf angeboten. Da waren dann beispielsweise 5.000 Darlehen mit einer Restschuld von insgesamt 250 Millionen US-Dollar und daraus entstehenden Zinsansprüchen mit einem abgezinsten Gegenwartswert von weiteren 150 Millionen US-Dollar in einem Paket mit einem "Nennwert" von 400 Millionen Dollar zusammengefasst. Zum Nennwert hätte die aber niemand gekauft. Einerseits, weil der Käufer sofort den Kaufpreis hinlegen sollte, aber erst nach und nach über Tilgung und Zinsen wieder an sein Geld kommen würde, andererseits weil einige der Darlehen im Paket schon notleidend waren, nicht zuletzt aber deshalb, weil die verkaufende Bank in der Klemme saß und dringend Forderungen aus der Bilanz verschwinden lassen musste, um überhaupt noch neue Kredite ausreichen zu können. So waren diese Pakete verhältnismäßig preiswert zu haben. Nichts Genaues weiß man nicht, aber das oben beschriebene Paket mit einem Gesamtwert von 400 Millionen US-Dollar war sicherlich schon für weniger als 200 Millionen zu haben - und das bringt jeden Banker dem Ziel der Eigenkapitalrendite von über 20 % mit einem Schlag ein ganzes Stück näher. Da witterten Banker auf der ganzen Welt, auch deutsche, ganz enorme Gewinnchancen - und halfen den armen amerikanischen Brüdern und Schwestern im Geiste, blind vor Gier, mit ihrem gutem Geld aus der Patsche.
Was vom Ausland nicht abgenommen wurde, behielten die US-Finanzdienstleister - und allesamt haben sie die großen Pakete wieder aufgeschnürt, die Inhalte durchgemischt und umgerührt, alles ganz klein gestückelt und zuletzt als "Wertpapiere" in den Handel geworfen.Weltweit haben (hauptsächlich) Banken und Finanzinvestoren riesige Pakete von "Schuldscheinen" aufgekauft, in ihre eigenen "Finanzprodukte" eingebaut - und stellen jetzt fest, dass ein Teil davon (die Kleinigkeit von 945 Milliarden US-Dollar) nie mehr einzutreiben sein wird.
Das wäre nur ein kleines Problem, hätten alle Banken alle diese Schrott-Schulden- Pakete in ihren Bilanzen mit dem niedrigen Kaufpreis ausgewiesen, zu dem sie erworben wurden. Genau das ist aber nach meiner Einschätzung nicht passiert.
und auf den großen Haufen
Nach deutschem Recht können Finanzanlagen nach den Regeln des § 279 HGB solange mit einem "zu hohen" Wert in die Bilanz von Kapitalgesellschaften geschrieben werden, wie es sich bei einer bereits eingetretenen Wertminderung nicht um eine voraussichtlich dauerhafte handelt - und ob eine Wertminderung voraussichtlich dauerhaft sein wird, oder nicht, wer soll das vorher so genau wissen können? Wer also glaubte, ein Paket im "realisierbaren Wert" von 400 Millionen erworben zu haben, der hat es dann wohl auch mit 400 Millionen in die Bilanz gestellt - und weil er dafür nur 200 Millionen gezahlt hatte - ergab sich im Jahr der Anschaffung ein Bilanzgewinn in Höhe von 200 Millionen. Den haben die Banken champagnerselig an ihre Aktionäre ausgeschüttet.
Im Rest der globalisierten Welt gelten ähnliche Bilanz- und Bewertungsregeln, sodass davon ausgegangen werden kann, dass seit Beginn der massenhaften Verbriefung von US-Schrott-Krediten genau jener Betrag als Gewinn des globalen Bankwesens an die globalen Aktionäre der Banken ausgeschüttet wurde, der jetzt, nach den Schätzungen des IWF nicht mehr von den Schuldnern aufgebracht werden kann. An die Aktionäre der Banken weltweit, auch an die der deutschen Landesbanken und der IKB, die der Deutschen Bank und der schweizerischen UBS wurden also in den letzten Jahren bis einschließlich 2007, über den dicken Daumen gepeilt, wohl jene 945 Milliarden Dollar als zusätzliche Gewinne ausgeschüttet, die -- trotz der sich bereits deutlich abzeichnenden Blasenbildung im Bereich der US-Immobilienfinanzierung -- durch Überbewertung von Finanzanlagen generiert wurden.
 
Die Banken auf der ganzen Welt gehören Aktionären, die Renditen erwarten - und diese Erwartung auch durchaus zu artikulieren verstehen. (Erinnern Sie sich an PaD 13/2008, Fröhliches Aufsichtsraten?)
 
Nachdem die Aktionäre ihren Reibach eingefahren haben, stehen die Banken, mit den - endlich realistisch bewerteten - Kreditforderungen in den Bilanzen, praktisch im Hemde da. Wir sehen jetzt, dass die Immobilienblase nicht nur zu klug investierten Gewinnen in Höhe von geschätzt 945 Milliarden US-Dollar bei den Anteilseignern der US-Wirtschaft und der Global-Player geführt hat, die den US-Markt mit Waren aus aller Welt beliefern, sondern,dass weltweit weitere Gewinne in Höhe von ebenfalls ungefähr 945 Milliarden an Anteilseigner von Finanzinstituten ausgeschüttet wurden. In Summe ist es also gelungen, durch die brillante Idee der (leichtfertigen) Kreditvergabe an Immobilienerwerber und -besitzer in den USA, insgesamt rund 1,9 Billionen US-Dollar Gewinn zu generieren - von den zusätzlichen Spekulationsgewinnen aus dem Handel mit Aktien von Unternehmen der Finanzbranche ganz zu schweigen.
 
Kein Wunder, dass dafür jemand bluten muss
 
Die Banken, die aus Fehlbewertungen Gewinne zauberten und ausschütteten, brauchen ständig gewaltige kurzfristige Geldspritzen der Zentralbanken, um den laufenden Geschäftsbetrieb überhaupt aufrecht halten zu können - und sie brauchen Zig-Milliarden frisches Kapital, um nicht wegen Überschuldung Insolvenz beantragen zu müssen.
 
Da ist zunächst einmal der Steuerzahler
Im Bereich der deutschen staatlichen Banken (KfW mit Tochter IKB und den Landeszentralbanken), greifen die Finanzminister der Länder und des Bundes in das Steuersäckel und stocken ihre Beteiligungen auf, geben also viel Geld aus, um einen größeren Anteil an einer damit zwar vor der Insolvenz bewahrten, aber dennoch nahezu wertlosen Bank zu erwerben. Dass dies - über die nicht wegzudiskutierende Fernwirkung zusätzlicher Liquidität - natürlich auch eine sehr direkte Stützung der privaten Banken darstellt, sei nur am Rande erwähnt. In England hat man, mit der Verstaatlichung eines großen Immobilienfinanzierers, sogar noch direkter in den sogenannten "Markt" eingegriffen.
Da sind die Bankmitarbeiter - und mit ihnen schon wieder der Steuerzahler
Im privaten wie im staatlichen Bankenbereich müssen wieder Tausende von Bankmitarbeitern entlassen werden, um auf der Kostenseite nachträglich das zu kompensieren, was den Aktionären in den Vorjahren - legal, aber ungerechtfertigt - an Gewinn ausgeschüttet wurde. Dass Bankbeschäftigte den Job verlieren, ist deren Pech - weil ein großer Teil von ihnen aber staatliche Transferleistungen erhalten wird, ist der Steuerzahler auch hier wieder mit von der Partie.
Da sind die Bankkunden - und mit ihnen - na wer schon? - der Steuerzahler
Alle Banken werden kräftig an der Gebührenschraube drehen, die Zinsen für alle Kreditarten in die Höhe treiben und Guthabenzinsen senken. Dass derzeit von verschiedenen Instituten für kurzfristige Anlagen Zinsen von 4,5 bis 5% angeboten werden, scheint dieser Annahme zu widersprechen, doch sehe ich darin lediglich eine Auswirkung der durch den Crash ausgelösten Liquiditätsschwäche. Machen die Zentralbanken mit ihrer Zinssenkungspolitik weiter (und alles deutet darauf hin) werden diese Symptome wieder verschwinden, ohne dass damit ein Ende der Krise erreicht wäre. Da bleibe ich bei meiner Prognose aus dem August 2007. Steigende Gebühren, steigende Darlehenszinsen belasten auch den Staat als Großschuldner - wo will er das Geld hernehmen? Richtig: Der Steuerzahlen muss herhalten.
Da sind die Arbeitnehmer - und selbstverständlich schon wieder der Steuerzahler
Die gesamte Exportindustrie dieser Welt (ohne USA) wird wegen des immer ungünstigeren Kursverhältnisses zum Dollar in die Knie gezwungen und nur durch weitere Kostensenkungen (Lohnkürzungen) überleben können. Lohnkürzungen senken aber die Einnahmen des Staates, der folglich nicht anders kann, als erneut die Steuerschraube anzuziehen.
Ein Mehrwertsteuersatz von 23 % in Deutschland rückt in die Nähe des Vorstellbaren.
Ja was denn sonst?
Höhere Lohnsteuern verteuern die Preise auch für den Export, höhere Steuern auf Strom und Mineralöl sind viel zu deutlich als Steuererhöhung zu erkennen, Vermögen, Erbschaften und Einkommen aus Kapitalvermögen sind bei vier von fünf Parteien im Parlament für Steuererhöhungspläne strikt tabu - nur die Mehrwertsteuer wirkt zuverlässig auf die Breite der Bevölkerung - und kaum jemand kann sich ihr entziehen.
 
Mit Scheuklappen, so groß wie Scheunentore starren die Veranwortlichen auf das private Finanzsystem und sind unfähig, die Alternative zu erkennen.
 
Der Staat glaubt, das private Finanzwesen mit dem Geld der Steuerzahler retten zu müssen, um den Kollaps der Realwirtschaft zu verhindern.
Statt sich endlich aufzuraffen, und nach dem offensichtlichen und grandiosen Scheitern des Experiments wieder selbst die Kontrolle über das Geld zu übernehmen -- was das akute Problem lösen und langfristig eine weitaus höhere Effektivität der Geldversorung hervorbrächte -- wird der Staat mit allen Mitteln versuchen, möglichst keine größere Bank in die Insolvenz stürzen zu lassen.
Bei kleineren Instituten hält man sich inzwischen offenbar schon nicht mehr auf. Die Weserbank Bremerhaven wurde in dieser Woche von der Finanzaufsicht wegen Überschuldung geschlossen. Haben Sie etwas davon gehört? Nein? Kein Wunder - Knut und Flocke sind ja viel wichtiger...
 
Die wichtigen Fragen in diesen Tagen lauten:
 
Ist es zur Rettung des Zahlungssystems denn wirklich erforderlich, dass auch das Spekulationsvermögen der Bankaktionäre vor dem Untergang gerettet wird?
 
Ist es wirklich erforderlich, aus Steuermitteln nachträglich wieder in das System einzubringen, was die Aktionäre in den Vorjahren, völlig legal, aber dennoch ungerechtfertigt, als Gewinne abgezogen haben?
 
Ist es wirklich so vollkommen unmöglich, zu erkennen, dass der Coup "Schrott-Immobilien-Beleihung" ein gigantischer Raubzug war, der durch das System, das jetzt gestützt werden will, erst ermöglicht wurde - und die Konsequenzen daraus zu ziehen?
 
 
Sollte Ihnen die Antwort schwer fallen, dann fragen Sie doch einmal den Bundestagsabgeordneten aus Ihrem Wahlkreis.
Den gibt es. Der soll im Bundestag Ihre Interessen vertreten. Der könnte das sogar.