Paukenschlag am Donnerstag
No. 12/2008
vom 20. März 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Die Welle

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Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Die Welle

Mit nicht geringem Zorn

lausche ich den Worten der Experten, die seit Montag auf ihren Feldherrenhügeln vor Kameras und Mikrofonen stehen und ihre tröstend-zuversichtlichen Kommentare abgeben, während sich wenige Meter unterhalb der Dollar-Tsunami austobt.

Mein Gott, wie klug sie heute daherreden.

Die gleichen erlaucht-erleuchteten Figuren, die noch vor vier Wochen die Überzeugung verbreiteten, alle Warnungen seien pure Schwarzmalerei, in Deutschland könne so etwas nicht geschehen, und überhaupt sei alles nur eine kleine US-Immobilienkrise, und unser Export ließe sich auch vom schwächsten Dollar nicht unterkriegen -

die stellen sich heute hin und reden von der großen Katastrophe, vom Auge des Sturms, von vielen Monaten der Krise und halten plötzlich das Eingreifen des Staates zum Wohle des Gesamtsystems für dringend geboten - was sie vor ein paar Tagen noch lauthals als unzulässige Einmischung einer dafür vollkommen untauglichen Institution in das freie Spiel der Kräfte abgelehnt hatten.

Mit nicht minder geringem Zorn

lausche ich den Worten des bayrischen Innenministers Hermann und etlicher Gleichgesinnter, die mit immer aggressiveren Tönen vor der Partei die LINKE warnen, sie von den Verfassungsschutzämtern in mehreren Bundesländern beobachten lassen und ihr ganz unverhohlen Verfassungsfeindlichkeit nachsagen.

 

Mein Gott wie selbstgerecht sie daherreden.

Wenn ich Hermanns jüngst gehaltene Rede anlässlich der Vorstellung des bayrischen Verfassungschutzberichtes richtig verstanden habe, geht er davon aus, dass das Bestreben "den Kapitalismus zu überwinden" eine verfassungsfeindliche Geisteshaltung sei.

Soweit ich weiß, ist der Kapitalismus weder in der Verfassung des Freistaats Bayern noch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, noch in der Charta der Vereinten Nationen in irgendeiner Weise als schützenswerte "Ideologie" erwähnt.

Soweit ich weiß, ist der Kapitalismus weder eine Staats- noch eine Regierungsform. Soweit ich weiß, kommt der Kapitalismus vielerorts sogar ganz gut ohne Demokratie aus.

Soweit ich weiß, ist der Kapitalismus der Auslöser jener gigantischen, zerstörerischen Welle, die soeben unterwegs ist, um alles wegzureißen, was fleißige Arbeit an bescheidenem Wohlstand geschaffen hatte um sich vor wirtschaftlicher Not zu schützen.

 

Ich habe eigentlich gar keine Lust mehr, noch einmal zu erklären, wie das Süppchen angerührt wurde, das uns jetzt zum Auslöffeln vorgesetzt wird.

Doch wenn ich höre, wie schon wieder alles verschleiert und vertuscht wird, wie Schuldige da gesucht werden, wo lediglich die willfährigen Handlanger des Kapitalismus zu finden sind, die für vergleichsweise lächerliche Jahresgehälter von ein paar Millionen Euro die Drecksgeschäfte jener vollkommen parasitären Nutznießer erledigen, die sich jährlich Milliarden abholen - ohne dafür mehr geleistet zu haben, als reich zu sein, dann kommt mir die Galle hoch.

Deshalb schreibe ich doch noch einmal alles auf. So kurz und prägnant es geht.

 

Der Kapitalismus

Der Kapitalismus ist ein Herrschaftssystem, das seine Macht daraus bezieht, dass es die Gesellschaft, in der es existiert, in zwei Gruppen von Menschen aufteilt. In Gläubiger und Schuldner, in Reiche und Arme - oder, um die neueste Mode aufzugreifen, die Reichtum mit Elite gleichsetzt und Armut mit Unfähigkeit, in Eliten und Nieten.
Ich bleibe bei diesem Begriffspaar - und hoffe, Sie vergessen beim Lesen nicht, dass ich Eliten und Nieten sage, weil ich damit Überheblichkeit und Zynismus derer entlarven will, die die Welt als Selbstbedienungsladen und ihre Mitmenschen als dienstverpflichtetes Personal ansehen.

Die Definitionen für die beiden im Kapitalismus existenten Gruppen sind sehr einfach:

Eliten, sind diejenigen, denen es stets möglich ist, weniger auszugeben, als sie einnehmen.

Nieten, sind diejenigen, die stets gezwungen sind, mehr auszugeben, als sie einnehmen.

 

Die Umstände, die es ermöglichen, dass die Eliten stets weniger ausgeben brauchen, als sie einnehmen, sind schnell beschrieben:

Sie sind entweder

  • so hoch bezahlte Angestellte, und/oder
  • Eigentümer von so vielen Unternehmen oder Unternehmensanteilen, die Gewinne abwerfen, und/oder
  • Eigentümer von so vielen bebauten und unbebauten Grundstücken, die Pachten und Mieten einbringen, und/oder
  • Egentümer von so vielen reinen Geldanlagen, die Zinsen abwerfen,

dass sie aus diesen Erträgen ihren Konsum, ihre neuen Sachinvestitionen und auch die von ihnen gelegentlich geforderten Steuern zahlen können, ohne Gefahr zu laufen, dass ihre Ausgaben die Höhe ihrer Einkünfte übersteigen.

 

Die Umstände, die dazu führen, dass es Nieten überhaupt geben kann, sind sehr viel schwerer zu beschreiben.


Wer wird schon gezwungen, mehr auszugeben, als er einnimmt?
Ist es nicht eher ein Zeichen von fehlender Sparsamkeit und Disziplin, wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen?

Daher müssen wir unser Interesse zunächst noch einmal den Eliten zuwenden. Woher kommt denn deren Überschuss? Das ständig anwachsende Vermögen?

Richtig: Es kommt aus hohen Gehältern, Unternehmensgewinnen, Mieten, Pachten und Zinserträgen.

Das alles wächst aber nicht auf Bäumen. Es muss von irgendjemandem bezahlt werden.

  • Gewinne und hohe Managergehälter sind in den Preisen der Produkte enthalten -
    eigentlich klar, dass die Löhne der Beschäftigten daher niemals ausreichen können, um die Produktion des eigenen Unternehmens abzunehmen (und das gilt für alle Beschäftigten aller Unternehmen!),
  • die Miete für die Wohnung muss aus dem Lohn gezahlt werden, obwohl der schon nicht ausreicht,
    die selbst erzeugten Produkte zu kaufen,
  • die Pacht für den Acker ist mit dem Preis der Kartoffeln und des Brotes wiederum von denen zu bezahlen, deren Lohn nicht einmal ausreicht, um die eigene Produktion zu kaufen -
  • und die Zinsen werden von denen bezahlt, die - weil das Einkommen nicht ausreicht - Kredite aufgenommen haben, um den Urlaub, das Auto oder das Reihenmittelhaus zu bezahlen.

Bevor der Gedanke aufkommt, Preise müssten neben Gewinnen und Löhnen auch die Kosten für Material und Energie hereinbringen, sei daran erinnert, dass Material und die Energieträger noch nie etwas gekostet haben. Alles ist auf dieser Welt von Anfang an vorhanden. Kostenlos und ganz umsonst.

Wer das verstanden hat, weiß, dass es - allen betriebswirtschaftlichen Auffassungen zum Trotz - auch nur zwei Kostenfaktoren gibt, die genau den beiden Gruppen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung entsprechen, nämlich

  • die nahezu leistungsfreien Einkünfte aus Unternehmensgewinnen, Grundbesitz und Geldvermögen auf der einen Seite - und
  • die Löhne derjenigen, die die Werte schaffen, die sich bei den Angehörigen der selbsternannten Eliten anhäufen.

 

Mit diesem Erkenntnisstand sind wir ganz nahe dran -

am Grundprinzip des Kapitalismus und
an der Ursache der akuten Wirtschaftskatastrophe:

Weil die Gruppe der Eliten stets mehr einnimmt, als sie ausgibt, entsteht bei ihr ein stetig wachsender Überschuss an Geldvermögen, während es der Gruppe der Nieten zwangsläufig beständig an Geld mangeln muss.

Die Lösung, die der Kapitalismus bevorzugt, Handel und Wandel nicht unmittelbar am Geldmangel ersticken zu lassen, besteht darin, dass über Kredite ständig neues, zusätzliches, vorher nicht vorhandenes Geld in die Welt gesetzt wird.

Es ist dabei egal, ob die Kredite vom Staat, von den Unternehmern oder von den Konsumenten aufgenommen werden, die Tilgungslast und die Zinslast liegen letztendlich immer bei den Nieten.

Es sind die Nieten, die den Staat finanzieren und die Lasten der Staatsverschuldung auf sich nehmen, weil sie nicht nur ihre eigene Steuerlast tragen, sondern über Preise,Mieten, Pachten und Zinslasten auch das Geld für die Steuerzahltungen der Eliten aufbringen.

Es sind die Nieten, die letztlich auch für die Tilgung und Zinsen derjenigen Kredite aufkommen, die von den Eliten aufgenommen wurden, weil die Eliten in den Preisen, in Mieten und Pachten die entsprechenden Kapitalkosten längst eingerechnet haben.

Der Endbezahler ist das Ziel alles Wirtschaftens. Diejenigen, aus deren Leistungen nicht nur ihr eigener Lebensunterhalt, sondern auch der gesamte Aufwand des Staates, der Unterhalt der Rentner, der Kranken und der Arbeitslosen bestritten wird, und darüber hinaus auch der Luxus, das Wohlleben und der Vermögenszuwachs der Eliten.

Es ist die Kreditpumpe, die neues Geld entstehen und in das Vermögen der Eliten wandern lässt, während die Schulden der Nieten (einschließlich des Staates) ständig wachsen, was die Ansprüche der Eliten an die Gruppe der Nieten ebenfalls ständig wachsen lässt.



Damit das Ganze funktioniert, braucht die Kreditwirtschaft immer neue Kreditnehmer.

Verhalten sich die Banken bei der Kreditvergabe restriktiv, dann wird in unzureichendem Maße neues Geld in die Welt gesetzt, was zu deflationären Erscheinungen führt und das Wachstum hindert.

Also hat man in den USA vor vielen Jahren begonnen, Geld dadurch in den Markt zu pumpen, dass man die Preise für Immobilien einfach ein bisschen höher angesetzt hat, als es dem tatsächlichen Verkehrswert entsprochen hätte.

So konnten sich die Amerikaner über Jahre auch noch auf die übelste Bruchbude immer wieder eine neue Hypothek holen, weil die steigenden Immobilienpreise als höhere Sicherheit eine zusätzliche Belastung ermöglichten. Das Geld ging zu großen Teilen direkt in den Konsum.

Es wurden also -- für nichts als eine fromme Lüge -- Kredite ausgereicht, von denen man von Anfang an wusste, dass der Großteil davon niemals getilgt werden könnte.

Dass die Preissteigerung der Billigst-Immobilien zwangsläufig den gesamten Immobilienmarkt in die Höhe heben musste, war wohl auch niemandem unbekannt, als das Prinzip der Immobilienblase auf dem US-Markt ersonnen wurde.

So floss also massenhaft Geld in die US-Wirtschaft. Es wurden Gewinne, Zinsen, Mieten und Pachten abgezweigt und den Vermögen der Eliten zugeführt - und weil es einfacher war, und ohne mühselige Anstrengungen und Investitionen zu bewerkstelligen - hat man das, was sich die Schuldner für ihre Kredite kaufen wollten, vermehrt aus dem Ausland importiert, anstatt im eigenen Lande die Realwirtschaft so auszuweiten, dass der gewachsenen Geldmenge auch eine adäquate volkswirtschaftliche Leistung gegenübergestanden hätte.
(einige relevante Zahlen zur US-Wirtschaft habe ich kürzlich hier veröffentlicht.) 

So floss ein Teil des Geldsegens nach China, nach Japan, in die EU und in viele andere Länder auf dem Globus, wo die Dollars dann auf großen Haufen liegen blieben, weil die USA zwar eine große Exportnation sind, aber eben nicht so viel im Angebot haben, dass auch wirklich alle Lieferanten sich für ihre Dollars in den USA wieder etwas kaufen könnten.

Im Grunde lebte die komplette US-Volkswirtschaft nach dem gleichen Prinzip, wie die kleinen Vorstadthausbesitzer. Man hat im Übermaß eingekauft und konsumiert, dafür aber nichts als Schuldscheine ausgegeben, über deren Einlösung man sich keinerlei Gedanken machte.

 

Dass die Banken im Kapitalismus eines Tages zwangsläufig krachen müssen, ist eine relativ einfache logische Ableitung aus dem Konstruktionsprinzipg des kapitalistischen Systems.
Dass der Crash in Kürze bevorsteht, war Mitte letzten Jahres an diversen Anzeichen klar zu erkennen.
 (Damals, im August 2007, schrieb ich "Das Beben der Märkte")

Noch als vor wenigen Wochen in Deutschland die Sachsen LB, die IKB und die West LB in schwere Schlagseite gerieten, wurde offiziell ganz massiv abgewiegelt.


 

Urplötzlich hat sich die Meinung gewandelt.

Herr Steinbrück fürchtet um seinen ausgeglichenen Haushalt -

Herr Ackermann schreit nach dem Staat,

und die Experten eiern herum, und erklären, es sähe so aus, als hätten die Banker ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

über Steinbrücks ausgeglichenen Haushalt schrieb ich übrigens schon im Juli 2007 

 

In den USA bricht derzeit die komplette Immobilienfinanzierung in sich zusammen. Die Erkenntnis, dass die Sicherheiten keine Sicherheiten sind, sondern lediglich als Vorwand für ungehemmtes Gelddrucken dienen mussten, hat sich nicht mehr verbergen lassen.

Die Banken, deren Aktiva mit Forderungen aus Immobilienkrediten bis zum Platzen aufgepumpt waren, implodieren jetzt.

Das viele schöne Geld, mit dem der Markt geflutet worden war, ist nicht mehr greifbar. Es hat sich in den Vermögen der Eliten akkumuliert - also fehlt es der Gruppe der Nieten, die vor der unmöglichen Aufgabe stehen, jetzt unverzüglich ihre Schulden zu tilgen.

Die Geldspritzen der FED - wie auch der EZB - können nichts anderes bewirken, als die Insolvenz einzelner Finanz-Institute immer wieder für ein Weilchen hinauszuschieben. Doch solange bei den eigentlichen Schuldnern, der Gruppe der Nieten nämlich, nichts davon ankommt, verändern sie an der Gesamtlage nichts.

Daran hat - wie ich vorhergesagt habe- auch der US-Notfall-Fonds  nichts ändern können

Im Gegenteil, trotz aller Geldspritzen in die Finanzmärkte, leiden die Märkte der Realwirtschaft in der USA unter akutem Geldmangel. Die Arbeitslosigkeit wächst, an Tilgung und Zinszahlung ist immer weniger zu denken.

Diejenigen, die Geldvermögen angesammelt haben, die also letztlich die Gläubiger der Nieten sind, müssen versuchen, in letzter Sekunde in die Sachwerte zu wechseln. Doch wer sowieso schon fast alles besitzt, tut sich schwer, noch irgendwo einen Sachwert zu finden, der für Dollars zu haben ist.

Das hat uns seit Jahren dass massenhafte Aufreten von Aufkäufern aus den USA beschert, die ihre Dollars gegen Industrieanlagen und Wasserwerke, Staatsbetriebe und städtische Wohnungen eintauschten. Wir haben sie als "ausländische Investoren" noch umworben, freudig begrüßt und ihnen mit allerlei Subventionen und Vergünstigungen so lange sprichwörtlich Federn in den Hintern geblasen, bis wir - als völlig unbeschwerter Hans im Glück, endlich die Last unserer Sachwerte gegen ein paar armselige Ziffern auf einem Kontoauszug getauscht hatten. Wir haben die Freiheit des Kapitalverkehrs in der Globalisierung gefordert und geschützt, wir haben es damit den von den Eliten ausgesandten internationalen Heuschreckenschwärmen ermöglicht, Dollars noch anzulegen, obwohl es die Spatzen schon von den Dächern pfiffen, dass es sich beim Dollar nur noch um so eine Art monetären Sondermülls handelt.

Die von den Eliten in den USA ausgelösteTsunami Welle wird die Grenzen der EU mühelos überwinden und hier, wie an den Gestaden vieler anderer Volkswirtschaften eine nie vorher gekannte Verwüstung anrichten.
Wen es wie treffen wird, habe ich im August letzten Jahres (Das Beben der Märkte) schon einmal beschrieben, ich muss das hier nicht wiederholen.

Die akute Gefahr im März und April 2008 droht dem Euro-Raum dadurch, dass die von den Amerikanern fein gestreuten Risiken am Ende tatsächlich ausreichen könnten, in schneller Folge mehrere kleine und ein zwei große Banken zu Fall bringen.

Diese Situation, die keineswegs unwahrscheinlich ist, würde die Instrumente zur Einlagensicherung absolut überfordern. Die Guthaben auf Spar- und Girokonten von Millionen Menschen, von Tausenden kleiner und größerer Unternehmen wären von einer Minute auf die andere nur noch uneinbringbare Forderungen, allenfalls geeignet, sie zur Erheiterung des Insolvenzverwalters auf Gläubigerversammlungen vorzutragen.

Ein derartiger Aderlass an Liqidität und Reserven würde die Volkswirtschaften des Euro-Raumes in kürzester Zeit in die vollkommene Zahlungsunfähigkeit stürzen - und gäbe es nicht inzwischen hinreichende mechanische Sicherungen, die Banker würden sich reihenweise aus den obersten Stockwerken ihrer Türme stürzen...

 

Wir hätten uns davor schützen können.


Bevor wir uns den Forderungen von Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) unterworfen haben, bevor wir uns mit dem Wechsel von der DM zum Euro zur finanzpolitischen Selbstkastration entschlossen haben.

Wir hätten uns davor schützen können, hätten wir nicht daran geglaubt, die Globalisierung sei etwas, dem man sich unterordnen müsse.

Dadurch dass wir uns nicht geschützt haben, dienten wir den Interessen der Eliten.

Sie haben das Spiel mit den Schulden, das der schwarzen Seele des Kapitalismus entsprungen ist, gespielt - und sie haben es gewonnen. Ihre Scheuern sind voll mit allen Sachwerten, die sie nur greifen konnten.

Dass ihre Geldvermögen jetzt entwertet werden, ja sich praktisch in Luft auflösen, das gehört zu den Spielregeln. Dass sie dem verlorenen Geld Krokodilstränen nachweinen, statt über die gewonnenen Werte zu jubeln, ist Ausdruck jener vornehmen Menschenfreundlichkeit, aus der den Nieten der Trost erwächst, ein tückischer Schachzug des Schicksals hätte Eliten und Nieten gleichermaßen getroffen.

Dadurch dass wir uns nicht geschützt haben, haben wir zugelassen, dass den Nieten am Ende nichts bleiben wird, als der Schwarze Peter.

 

 

Ackermanns Einsicht, der Staat müsse nun helfen,
ist übrigens vollkommen richtig.

Nur der Staat wäre noch in der Lage, das Schlimmste abzuwehren.

Aber dazu bräuchte er die Hoheit über das eigene Geld, Grenzen, die er sowohl gegen Kapital, wie auch gegen Dumping-Preise und Löhne abschotten könnte - und wahrscheinlich bräuchte er auch das, was Herr Hermann für verfassungsfeindlich hält: Den festen Willen zur Überwindung des Kapitalismus.


 

Dass ich im vorstehenden Aufsatz immer wieder das Wörtchen "Wir" gebrauchte, was in diesem Kontext häufig sehr befremdlich klingt, weil dieses "Wir" nicht wirklich "Uns" meint, sondern diejenigen, die als gewählte und nicht gewählte Politiker, als Wirtschaftsführer und Verbandslobbyisten unser Wohl und Wehe bestimmen, sollte ebenfalls ein Denkanstoß sein.

 


In einer kapitalistischen Demokratie herauszufinden, wer wessen Interessen vertritt, wer sich welchem "Wir" zugehörig fühlt, ist nicht so einfach.

In "Unsere Freiheit" habe ich einen Versuch unternommen, die Basis zu finden, auf der sich die Mehrheit der Demokraten versammeln könnte, um aus ihrer Lethargie herauszufinden.

...man kann sich dafür einsetzen.

 

 




Mehr über das Geld, den Kapitalismus, die Globalisierung finden Sie in

"Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre"

 Alles hier zu finden!



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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Lieber Herr Kreuzer,

danke für diesen Artikel. Ich habe ihn mit Bestürzung gelesen und muss aus Erfahrung leider zustimmen.

Traurig aber wahr, ich habe 50 Jahre gebraucht um auf dieses Thema aufmerksam zu werden. Während der Schulzeit und Studium war dies nie Gesprächsstoff, obwohl ich seit Jahren (un)regelmäßig Spiegel, Focus und natürlich die örtliche Tageszeitung lese.

Es ist leider so, dass die Masse nichts von „Überwindung des Kapitalismus“ wissen, und im Grunde auch nicht darüber reden will. So meine Erfahrungen im Verwandtschafts- und Bekanntschaftskreisen. Dies Thema anzusprechen ist anfangs ganz „nett ...“, aber bitte, wir können doch eh nichts machen. Uns geht's doch gut. Was wollen wir denn?

Danke und
Schöne Ostern

Sehr geehrter Herr Kreutzer

Auch Ihr Paukenschlag „Welle“ ist wie immer nachdenkenswert. Über Wellen dieser Art und was das Wesen des Kapitalismus ist, hat ein Deutscher aus Trier dereinst in seinem bekannten Werk zutreffende Analysen niedergeschrieben. Bis heute gültig. Und er kam zur einzig richtigen Schlussfolgerung. Wir brauchen eine Welt ohne Kapitalismus.

Nun sollte man Politiker vor allem an ihren Taten messen und beurteilen. Was sie schwätzen, was sie wollen oder möchten ist weniger von Bedeutung. Die Realität zählt. Und dann wird man schnell ernüchtert, wenn man nachdenkt. Weil die Realität für viele Menschen noch bitterer ist als die verlogenen und verharmlosenden Worte dieser selbsternannten Götter.

Ob bei Meetings zu Werksschließungen oder Ostermärschen gegen den Krieg. Auf den Tribünen und Rednerpulten stehen und halten Reden diejenigen, die den Bossen von Nokia und Co. ein Europa und einen Kapitalismus schaffen, der sie genau so handeln lassen kann.

Dort stehen und halten Reden diejenigen, die Krieg und Mord anweisen, (...) wenn sie nur unserem Wirtschaftssystem/ -Raum dienen. Ein Haufen Speichellecker, Karrieristen, Verdummter oder Selbstdarsteller huldigt ihnen und lobpreist sie. Sie alle nennen sich dann Demokraten.

Und deswegen ist ein Herr Hermann keine Minderheit mit seiner Meinung. Nicht im bayrischen Landtag und nicht im Bundestag! Diese vielen Hermanns haben zudem Wähler hinter sich. Wähler, die Ihnen die Legitimation geben! Ob nun bewusst, aus Dummheit oder Gleichgültigkeit.

Haben Sie schon mal Gewerkschaftsbosse, Leiter von Arbeitsagenturen und ARGEn, Fallmanager oder „privilegierte“ Arbeitnehmer mit ihren oft egoistischen Einstellungen und Ansichten konfrontiert? Da kommt man zu interessanten Erkenntnissen. Sie alle bilden das Fundament für Tun und Handeln der Ackermanns und Hermanns. Und man begreift, warum die Ackermanns und Hermanns das Sagen haben. Ich bin da bei Heinrich Heine, welcher das Volk oft wegen seines Verhaltens recht zynisch aufs Korn nahm.

Und deshalb halte ich den letzten Teil in Ihrem Satz für unrealistisch, wenn Sie schreiben:

„Nur der Staat wäre noch in der Lage, das Schlimmste abzuwehren…- und wahrscheinlich bräuchte er auch das, was Herr Hermann für verfassungsfeindlich hält: Den festen Willen zur Überwindung des Kapitalismus.“

Denn weder die Mehrheit der Politiker im Bundestag, noch die Mehrheit im Volk will das derzeit! Alle anderen Ansichten bedeuten, sich Politiker und Volk schön zu reden. Täglicher Manipulationsregen der Herrschenden über Medien aller Art auf das Volk, ist eine mächtige Waffe.

NICHTS, absolut Nichts bringt die Besitzenden und Ihre Büttel in der Politik aus der Fassung (weltweit). Es sei denn, man stellt Sie und Ihr System in Frage. Im Parlament, straff organisiert und legalisiert von Wählern. Und es ist weniger ein Herr Hermann der dies derzeit ernsthaft verhindert. Es ist die Masse der Wähler und Nichtwähler, die verantwortlichen Bosse in den Gewerkschaften, die eines nicht wollen: „Eine Überwindung des Kapitalismus.“

Die Opfer die die von Ihnen beschriebene „Welle“, ausgelöst durch die US „Eliten“, forderte und fordern wird, kann politisch leider nichts Grundlegendes bewirken. Weil die Menschen die wirklichen Ursachen dieser „Wellen“ nicht begreifen und beseitigen wollen.

Persönlich für mich komme ich zu folgender Einschätzung:

Angesicht der Tatsache, dass durch alle Lager der Politik hindurch das Gejaule über eine „Linke“ Partei groß ist, erkennt man, dsas man hier die Achillesferse der Herrschenden und ihrer willfährigen Büttel trifft.

Für mich ist die überwältigende Abweisung dieser „Linken“ auch in der Bevölkerung, vornehmlich im Westen der Republik, schon ein Gradmesser der Manipulation der Bevölkerung. Auch wenn diese „Linken“ nicht das Ideal sind. Mancher unserer Mitbürger würde sich wundern, was für kapitalistische Zustände wir hätten, gäbe es diesen Dorn im Fleisch des Kapitalismus nicht. Die USA lassen grüßen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich wünsche Ihnen ein schönes Osterfest.


Hallo lieber Herr Egon W. Kreutzer,

ich werde das beunruhigende Gefühl nicht los, dass Ackermann (einer der Eliten) mit seiner Aussage "Der Staat (die Nieten) müsse nun helfen" sich nun scheinbar vorstellt, dass, nachdem sich die armen, wirklich zu bedauernden Banken, Versicherungen und privaten Raubritter-Eliten, die das meiste (...)Volksvermögen gierig an sich gerafft haben, welches mittels Wertschöpfung,
also Händearbeit erwirtschaftet wurde, nun ihre vergebenen Kredite und Zinsen, die sie nicht mehr ganz zurückbekommen, vom Staat (von den Nieten), also vom unvermögenden arbeitenden Volk (den Nieten, die die Steuern fast alleinig aufbringen,) bezahlen lassen zu wollen.
(...)

Das Volk hat bereits alles bezahlt, zahlt momentan alles und wird weiter alles bezahlen.
Moderner Feudalismus.

(...)

Beste Grüße


Hallo Herr Kreuzer,

wieder einmal sehen wir mehr und mehr, dass auch alles "Angenehme" vergänglich ist.

Trotzdem sind auch jetzt noch immer viele Menschen blind und taub, dem ganzen Geschehen gegenüber. Dafür wird am Ende das große und böse Erwachen mit genau dem herben Paukenschlag passieren, den viele einfach nicht sehen oder nicht sehen wollen.
Irgendwie ist bei einigen Menschen wohl doch durch totale Abstumpfung, das "selber Denken" total auf der Strecke geblieben.
Die Hauptsache ist nur noch: Fußball, Big Brother und der Chatroom - juhu!!!

Ich wünsche mir ehrlich, dass die Menschen endlich aufwachen und sehen, dass sie schon zu lange geträumt haben und sehr bald aufeinander angewiesen sein werden, sich helfen und lieben müssen. Denn nur das ist doch der ganze Sinn - und nicht dieses Ego-Getue von: "Mein Haus, mein Auto und ...mein Trallala !!!

In dem Sinne wünsche ich Ihnen auch

Frohe Ostern!


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