23. März 2018

22.15 Uhr Vom Export kann niemand leben.

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten raffe ich mich am Abend noch zu einem Tageskommentar auf.

Es ist schon schlimm. Der DAX ist in der zu Ende gehenden Woche um über 4% eingebrochen. Es werden Erklärungen gesucht - und auch gefunden. Trump ist schuld. Die angedrohten und nun bis zum ersten Mai für die EU ausgesetzen Einfuhrzölle (Strafzoll ist ein Unwort!) haben die Anleger - in Sorge um die deutsche Exportindustrie - verunsichert.

Das ist auch nicht ganz richtig, denn die Sorge galt weniger der Exportindustrie als dem eigenen Vermögen, dass nun doch vermehrt von der Börse abgezogen wurde. Von den meisten - nehme ich an - unter der Mitnahme der im letzten Jahr angefallenen Kursgewinne, nachdem der seit einigen Monaten anhaltende Seitwärtstrend nun nicht mehr zu halten scheint.

Es ist schön, dass Trump mit Einfuhrzöllen droht. Denn damit stehen die hohlen Sprüche, Deutschland lebe vom Export, Deutschland sei auf den Export angewiesen, Deutschland sei nun einmal eine Exportnation, endlich wieder einmal auf dem Prüfstand.

Nehmen wir die Aussage wörtlich, Deutschland lebe vom Export, dann entpuppt sie sich als krasse Lüge. Von etwas zu leben, heißt doch, es zum Zwecke des Lebenserhalts und auch zum Zwecke des besseren Lebens zu konsumieren.

Was aber weg ist, weil es exportiert wurde - davon kann im exportierenden Land niemand leben. Auch das Geld, das dafür eingenommen wird, kann man nicht essen. Man kann höchstens etwas dafür einkaufen. Verkürzt heißt das, dass man für das Geld, das im Export verdient wird, in gleicher Menge importieren müsste, um auf diese Weise davon leben zu können. Bananen, zum Beispiel, müsste man importieren, weil eine Bananenrepublik ohne eigene Bananenplantagen schlicht auf den Import angewiesen ist.

Wir wissen aber, dass das nicht der Fall ist. Wir exportieren definitv sehr viel mehr als wir importieren. Wir leben also von dem, was wir selbst erzeugen und im Lande behalten und von dem Teil dessen, was wir exportieren, der durch Importe ausgeglichen wird.

Das, wovon wir ganz offensichtlich nicht leben, der Exportüberschuss, machte im Jahr 2017 immerhin 287 Milliarden Dollar aus. Das ist erbrachte Leistung, der kein inländischer Konsum entgegengestellt werden kann.

Natürlich sind diese 287 Milliarden irgendwie "angekommen". Aber eben nicht bei den rund 40 Millionen mehr oder minder prekär Beschäftigten, die die Leistung erbracht haben. Die hätten nämlich pro Nase in 2017 durchschnittlich 7.200 Dollar, bzw. 5.900 Euro mehr in der Lohntüte haben müssen, wenn die Kaufkraft für die Nachfrage nach zusätzlichen Importen hätte vorhanden sein sollen.

Man kann also durchaus behaupten, der Exportüberschuss sei im Großen und Ganzen als Gewinn der Exportindustrie in die Ersparnisbildung der Unternehmen und ihrer Anteilseigner geflossen.

Nun heißt es inzwischen aus Brüssel und Berlin, dass es ja rings um uns noch andere Geschäftspartner gäbe, die gerne deutsche/EU-Erzeugnisse kaufen würden, und (!) dass die Kaufkraft im Binnenmarkt gestärkt werden müsse.

Überlegen wir kurz, was das zur Folge hat: Die Stärkung der Binnenkaufkraft erfordert die Anhebung der Löhne. 10 Milliarden zusätzliche Binnenkaufkraft (einschl. Steuern und Sozialabgaben)erfordern eine durchschnittliche Lohnerhöhung um 0,6 Prozent. 100 Milliarden kosten rund 6 Prozent und die vollen 287 Milliarden würden eine Anhebung der Löhne um fast 20 % erfordern.

Warum soll aber ein Unternehmen seinen Beschäftigten 20 Prozent mehr Lohn bezahlen, wenn die gefertigten Stückzahlen und der Umsatz gleich bleiben? Das ist auf jeden Fall eine Verringerung des Gewinns, so manches Unternehmen könnte darüber sogar in die Verlustzone rutschen. Werden aber die Löhne nicht erhöht, dann muss die Produktion gedrosselt werden. Das senkt die landesweite Lohnsumme und führt dazu, dass auch die verminderte Produktion nicht mehr verkauft werden kann.

Es ist eine teuflische Abwärtsspirale, die ihre Ursache darin hat, dass Gewinne bei Personen anfallen, die sie nicht in Konsum oder realwirtschaftliche Investitionen umsetzen, sondern Geld einfach nur "horten".

So, wie es auf Dauer ohne die Herstellung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts nicht funktionieren kann, weil die Länder mit Importüberschüssen ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, sieht es auch auf dem Binnenmarkt aus. Solange die Beschäftigten und die Eigentümer der Unternehmen insgesamt nicht den gesamten Lohn und Gewinn wieder ausgeben, gerät der Binnenmarkt in eine immer unangenehmere Schieflage, weil der Umsatz nur durch Entsparvorgänge, Verkauf von Sachvermögen und Neuverschuldung möglich ist.

Wenn die Endverbraucher aber nichts mehr auf der hohen Kante haben, wenn der letzte Bauer den letzten Acker verkauft hat, wenn also die Bonität so weit zerstört ist, dass niemand mehr wagt, den letzten, rettenden Kredit zu vergeben, geht alles den Bach runter.

Obwohl die komplette Infrastruktur für die ausreichende Produktion vorhanden ist, obwohl auch alle benötigten Arbeitskräfte da sind und gerne ihrer Arbeit nachgehen würden, muss die Produktion eingestellt werden, weil kein Gewinn mehr gemacht werden kann, weil schlicht niemand mehr etwas besitzt, was er noch versilbern könnte. Weil das Ende der Umverteilung von unten nach oben erreicht ist.

Das ist Wahnsinn! Aber es ist die Grundlage unseres Wirtschaftsprinzips, dass von jedem Unternehmer verlangt, Gewinne zu erwirtschaften, Gewinne, die zu Geldvermögen anwachsen, während auf der anderen Seite die Schulden in die Höhe schießen.

Wenn in jüngster Zeit so viel von "Zusammenhalt" die Rede ist, wird dabei sicherlich nicht daran gedacht, auch die Volkswirtschaft als den Kern des Zusammenhalts einer Gesellschaft zu begreifen, die im besten Fall dafür sorgt, dass bei einer ausgeglichenen Handelsbilanz das insgesamt Erwirtschaftete auch insgesamt im Binnenmarkt wieder abgesetzt wird. Da darf es ruhig Unterschiede im Lohngefüge geben, sogar ganz erhebliche, aber es darf nichts für die Ewigkeit in den Kapitalstock wandeln.

Vorsorgesparen für die Wechselfälle des Lebens und fürs Alter sind selbstverständlich, da fließt statistisch in jeder Periode wieder soviel zurück, wie gleichzeitig von anderen angelegt wird, auch wenn das Geld des Einzelnen für Jahre oder Jahrzehnte auf dem Konto liegt. Wo jedoch Geld angesammelt wird, für das kein realwirtschaftliches Gut mehr erworben wird, das also nur von Konto zu Konto, von Depot zu Depot verschoben wird, muss früher oder später die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen.

Deutschland hat sich mit seiner Exportoffensive Zeit gekauft. Es hat seine Produktivität gesteigert und gleichzeitig das Wohlstandsniveau niedrig gehalten und konnte so im Export Überschüsse realisieren.

Doch von diesen Exportüberschüssen lebt niemand in Deutschland. Für diese Exportüberschüsse wird in Deutschland nur gearbeitet! Und diese Arbeit wird unter Wert bezahlt - ungefähr 20 Prozent im Durchschnitt.

Was müsste Angela Merkel eigentlich sagen, wenn sie die Zusammenhänge begriffen hätte und sie nicht geheimhalten wollte?

"Deutschland ist ein Land, in dem gut und günstig gearbeitet wird."


Demokratie ist nicht einfach. Dass demokratisch legitimierte Regierungen nicht unbedingt über ausreichend fachkundige Ressortminister verfügen, macht Demokratie nicht einfacher. Dass sich womöglich eine Mehrheit fände, die eine soldatische Ausbildung auf das Lesen von Handbüchern reduzieren würden, um die Soldaten bloß keiner Gefahr auszusetzen, trägt auch nicht zu einem einfachen Umgang mit der Demokratie bei.

Vorsichtshalber hat man Soldaten daher zu Bürgern mit vermindertem Grundrechteschutz gemacht, um wenigstens das Prinzip von Befehl und Gehorsam aufrechtzuerhalten. Wenn dies jetzt von der zivilen Führung durchlöchert wird, und das sehe ich so, dann spricht nichts dagegen, die Bundeswehr gleich aufzulösen und stattdessen Söldner von Academi (vormals Blackwater) bei Bedarf einzukaufen.

Wie sich die Dekadenz in unserer Demokratie entwickeln konnte, warum es kaum noch möglich scheint, daran etwas zu ändern, und was dennoch getan werden kann, um den Trend wieder umzukehren, habe ich in meinem neuen Buch beschrieben.

 

jetzt lieferbar

 

 

 


Golo spaziert

Aus dem Manuskript, das ich an dieser Stelle schon zweimal überschwänglich lobend erwähnte, ist seit gestern ein Buch geworden.

 

Teer Sandmann

Golo spaziert
Das Land der sicheren Freiheit

 

 

 

Hier finden Sie die ausführliche Buchvorstellung - und hier den direkten Link zum Buch im Shop.

(Ein wunderschönes Ei zum Ins-Nest-Legen, weil ja bald Ostern ist...)


Florian Stumfalls Abrechnung

mit der Woge des Schwachsinns,
die über uns hereingebrochen ist.

 

Holen Sie sich jetzt Ihr Exemplar!

 


Fabian Dittrichs Betriebswirtschaftslehre

verbindet auf einzigartige Weise die wissenschaftliche Basis erfolgreichen Wirtschaftens mit den Anforderungen der praktischen Realität.

Ein Buch, das auf das Verständnis der großen Zusammenhänge abzielt und dabei auf die im Studium überrepräsentierten mathematischen Verfahren, Formeln, Diagramme und Statistiken verzichtet. Ein Buch, dass die Grenzen betriebswirtschaftlicher Modelle aufzeigt und in vielen Bereichen auch die Schnittstellen zur Volkswirtschaftslehre behandelt.

Ein Buch, in dem es nicht um die Techniken, sondern um den Sinn betriebswirtschaftlichen Handelns geht. Konzipiert, um Studienabgängern den Übergang in die Praxis zu erleichtern, dabei frei von "wissenschaftlichem Kauderwelsch", ist es in seiner gesamten Tiefe und Breite für jeden Interessierten verständlich.

Wer es einmal gelesen hat, wird es nicht mehr missen wollen. Um eifrigen Gebrauch zu unterstützen, haben wir die 453 Seiten nicht in preiswerter Klebebindung sondern mit dauerhaft strapazierfähiger Fadenheftung binden lassen.

 

 

ISBN 978-3-938175-79-8 --- geb. Ladenpreis 32,00 €

Garantiert Nudging-frei!

zum Online-Shop

 

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

mehr

 

Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

mehr

 

 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

mehr

 

Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

mehr

 

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

Bücherstube

Neu ab 20. März:

 

Neu ab 15. März:

 

Kann weiterhin bestellt werden!

jetzt bestellen

 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -