31. Januar 2018

11.30 Uhr Woche der Wahrheit - Pflege-Grokoismus

Auch der Titel dieses Tageskommentars bezieht sich auf den Themenschwerpunkt, den ich mir mit dem nächsten Paukenschlag gesetzt habe. Der erscheint wie üblich am Donnerstag und trägt den Titel: "Was ist überhaupt noch wahr?"

Vielleicht zuerst eine Erläuterung zum frisch geschöpften Begriff "Grokoismus". Es ist erkennbar, dass es sich um die Benamsung einer Art Ideologie handelt, so wie Sozialismus, Kommunismus, Neoliberalismus oder Katholizismus. Anders als der Sozialismus, der alles um jeden Preis sozialer gestalten will, anders als der Kommunismus, der alles um jeden Preis in der Kommune gleich verteilen will, anders als der Neoliberalismus, der alles um jeden Preis denen überlassen will, die mit Geld und Ellenbogen am effektivsten umzugehen wissen, und anders als der Katholizismus, der um den Preis irdischer Mühsal und Fügsamkeit paradiesische Freiheit und Glückseligkeit verheißt, hat der Grokoismus weder ein solches, die Allgemeinheit betreffendes Ziel, noch sind seine Anhänger bereit, für ihre Ideologie irgendeinen Preis zu zahlen, es geht dem Grokoismus einzig darum, sich durch gegenseitig in theatralischer Weise abgerungenen Verzicht auf angeblich vorhandene Ziele die Möglichkeit zu schaffen, vier Jahre lang die Schaltstellen der Macht zu blockieren und den Status quo, abzüglich der nicht ausbleibenden Stillstandsverluste, über vier Jahre zu erhalten.

Grokoismus zielt noch nicht einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern auf die maximale Eliminierung sämtlicher vorher vorgetragener Ziele und Absichten. Das ist noch weniger als ein Nullsummenspiel, bei dem sich Gewinne und Verluste der Teilnehmer vollständig ausgleichen. Es ist ein Ideen-, Visionen-, Konzepte-Vernichtungsspiel. Die gegenseitige Blockade als angestrebtes Ideal des zweckfreien Politikerdaseins.

So hat man sich zum Beispiel im Laufe von Sondierungen und Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, durch Veränderung der Anspruchsvoraussetzungen die Zahl der Anspruchsberechtigten für den Bezug einer Sozialwohnung zu erhöhen. Die Folge dieser Vereinbarung ist nun aber keinesfalls die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Sozialwohnungen, sondern lediglich die Verlängerung der Wartefristen, weil durch diese wahrlich von salomonischer Weisheit triefende Verabredung der Mangel an bezahlbarem Wohnraum nicht behoben wird. Es hilft nichts, wenn mehr Menschen Anspruch auf etwas haben, was es nicht in ausreichender Menge gibt. Die Situation wird sich - vor allem durch den Wohnungsbedarf der Zuwanderer - in den nächsten Jahren eher verschärfen - und damit sind die Merkmale von Grokoismus eindeutig erfüllt.

Nicht anders ist es im Bereich der Pflege. Mit der Ausgliederung der Pflegeversicherung aus der Krankenversicherung wurde einst - und ohne Not! - ein neuer großer Finanztopf geschaffen, aus dem sich primär diejenigen bedienen, die mit hohen Renditeversprechen für ihre Anleger Pflegeimmobilien aus dem Boden stampfen. Wenn diese Pferde sich den Wanst mit Hafer vollgeschlagen haben, kommen die großen Betreibergesellschaften für Pflegeeinrichtungen, die sich ihren Anteil an den Pflichtbeiträgen zur Pflegeversicherung abgreifen. Was übrig bleibt, darum dürfen sich die Spatzen streiten. Die Spatzen, das sind einerseits die allesamt überlasteten, weil unter Unterbesetzung leidenden Pflegekräfte und es sind andererseits die Pflegebedürftigen, denen gerade so viel Pflege zuteil wird, wie dies von den zu wenigen Pflegekräften geleistet werden kann.

Es musste ein Pflege-Azubi daherkommen, der in einer Fernsehsendung Angela Merkel die Meinung geigte, um quasi über Nacht die "Pflege" zum Wahlkampfthema und danach zum Sondierungsthema und nun zum Koalitionsverhandlungsthema zu machen.

Doch auch hier kreißte der mediale Berg und noch nicht einmal ein Mäuslein wurde geboren!

Worauf hat man sich denn "geeinigt"? Man will 8.000 zusätzliche Pflegekräfte "schaffen" und alle Pflegekräfte besser bezahlen und die Pflicht zur Tarifbindung für Beschäftigte der Pflegeberufe ein bisschen verschärfen.

Die Parallele zum erweiterten Kreis der Anspruchsberechtigten auf Sozialwohnungen ist nicht zu übersehen. Wie 8.000 zusätzliche Pflegekräfte gesetzlich verordnet werden können, ist mir vollkommen unklar. Woher 8.000 zusätzliche Pflegekräfte kommen sollen, ist offenbar nicht nur mir unklar, und welchen spürbaren Entlastungs-Effekt 8.000 zusätzliche Pflegekräfte bundesweit haben können, ist relativ leicht auszurechnen: Etwa 1 Minute Pflege pro Pflegebedürftigem und Tag mehr! Allerdings muss zuvor berücksichtigt werden, dass alleine in Berlin aktuell 4.000 Pflegekräfte gegenüber den Planzahlen fehlen.

Aber es geht ja nicht nur um die Hauptstadt. Das Bundesministerium für Gesundheit, Sachwalter des Pflege-Grokoismus der letzten Legislaturperiode, erklärt auf seiner Homepage, dass aktuell 25.000 bis 30.000 Stellen in Pflegeeinrichtungen nicht besetzt sind!

Es ist nicht schwer, zu prognostizieren, dass die Forderungen, 8.000 Pflegekräfte einzustellen und alle Pflegekräfte besser zu bezahlen, mit dem Ablegen des Amtseides der neuen GroKo in die Kostenplanung der Betreiber eingepflegt werden, was die Gebühren für die Heimverwahrung von Pflegebedürftigen ansteigen lässt, auch dann, wenn weder die geforderten Löhne gezahlt, noch die geforderten Pflegekräfte eingesetellt werden, weil sie, wenn man es nicht will, einfach nicht aufzutreiben sind.

3.000 Euro pro Monat für einen Pflegeplatz sind keine Seltenheit, der Betrag markiert eher die untere Grenzlinie der Kosten, die von den Einrichtungen in Rechnung gestellt werden.

Werfen Sie einen Blick auf die aktuellen Angebote von "IBY Invest Das große Portal der Pflegeimmobilien"! Dort werden "Pflege-Appartements" an Kapitalanleger verkauft. Die Kaufpreise pro Einheit beginnen bei etwa 130.000 Euro, größere Einheiten können das Doppelte kosten. Als Rendite werden derzeit - bei Null-Zinsen auf Spareinlagen - bis zu 5% jährlich angeboten.

Kaum jemand weiß, dass eigentlich der Staat verpflichtet ist, die Immobilien zu errichten, zu erhalten und den Betreibern zur Verfügung zu stellen. Geschähe dies auch nur annähernd in der vorgesehenen Weise, die Kosten für einen Pflegeplatz könnten glatt um 40 bis 50% sinken! Klammheimlich hat der Staat diese Aufgabe aber in immer größeren Maße privatisiert und lässt zu, dass die verschachtelten Pflegeunternehmens-Konstruktionen irrsinnig hohe "Investititionsaufwendungen" in ihren Kalkulationen berücksichtigen.

Es ist Grokoismus, diesen Sachverhalt zu ignorieren und stattdessen eine Seifenblase zu generieren, in der sich angeblich 8.000 "zusätzliche" Pflegekräfte befinden, während derzeit vom Bundesministerium selbst zugegebene 25.000 bis 30.000 Pflegekräfte fehlen.

So verwundert es auch nicht, dass die führenden Grokoisten sich nun auch auf eine Formel für den Familiennachzug von Migranten mit eingeschränktem Schutzstatus verständigt haben, aber nicht in der Lage sind, zu dieser "Verständigung" auch nur annähernd gleichlautende Stellungnahmen abzugeben.

Würden sich SPD-Mitglieder und -Wähler anhören, was die CSU dazu sagt, sie müssten ihre Verhandlungsführer als unfähig zum Teufel jagen. Würden sich CSU-Mitglieder und -Wähler anhören, was die SPD dazu sagt, sie müssten ihre Verhandlungsführer als unfähig zum Teufel jagen.

Es ist unter Grokoisten aber guter Brauch, stets nur den eigenen Märchenerzählern zu glauben und sich von diesen soweit einschläfern zu lassen, dass eine Überprüfung an der Realität gar nicht mehr stattfindet, zumal die Realität sich ja sowieso immer wieder ganz anders gestaltet als es in den schönsten Plänen, aufbauend auf den besten Prognosen der bewährtesten Experten vorgesehen wird.

Die Vorsitzenden des amtierenden Zentralkomitees des deutschen Grokoismus, Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz sind guter Dinge, dass es in Kürze gelingen wird, alles Trennende unter den Teppich der Staatsräson im Schloss Bellevue zu kehren und den nicht mehr auffindbaren Rest an Übereinstimmung bis 2021 engagiert zu verwalten.

So geht's. So muss es gehen.

Denn wenn es sich auch um die "Kunst des Möglichen" handelt, wird das Mögliche doch auch hier vom Wollen und Können der Ausführenden begrenzt.

Bücherstube
Mitte Januar wieder lieferbar!

Kann weiterhin bestellt werden!
jetzt bestellen

 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 

 

 

 


Florian Stumfalls Abrechnung

mit der Woge des Schwachsinns,
die über uns hereingebrochen ist.

 

Holen Sie sich jetzt Ihr Exemplar!

 


Fabian Dittrichs Betriebswirtschaftslehre

verbindet auf einzigartige Weise die wissenschaftliche Basis erfolgreichen Wirtschaftens mit den Anforderungen der praktischen Realität.

Ein Buch, das auf das Verständnis der großen Zusammenhänge abzielt und dabei auf die im Studium überrepräsentierten mathematischen Verfahren, Formeln, Diagramme und Statistiken verzichtet. Ein Buch, dass die Grenzen betriebswirtschaftlicher Modelle aufzeigt und in vielen Bereichen auch die Schnittstellen zur Volkswirtschaftslehre behandelt.

Ein Buch, in dem es nicht um die Techniken, sondern um den Sinn betriebswirtschaftlichen Handelns geht. Konzipiert, um Studienabgängern den Übergang in die Praxis zu erleichtern, dabei frei von "wissenschaftlichem Kauderwelsch", ist es in seiner gesamten Tiefe und Breite für jeden Interessierten verständlich.

Wer es einmal gelesen hat, wird es nicht mehr missen wollen. Um eifrigen Gebrauch zu unterstützen, haben wir die 453 Seiten nicht in preiswerter Klebebindung sondern mit dauerhaft strapazierfähiger Fadenheftung binden lassen.

 

 

ISBN 978-3-938175-79-8 --- geb. Ladenpreis 32,00 €

Garantiert Nudging-frei!

zum Online-Shop


Ebenso empfehlensert:

 


 

Nebenbei bemerkt:

So lange wir uns mit "Kindereien" wie dem Binnen-I beschäftigen lassen, solange wir von stärker Pigmentierten zu sprechen haben, wenn wir Neger meinen, und uns in kraftraubende Diskussionen darüber verstricken lasen, ob es zwischen "wertkonservativ" und "rechtsradikal" nicht vielleicht doch einen Unterschied gibt, werden wir Schwierigkeiten haben, uns mit den wirklich substantiellen Entwicklungen und Problemen auseinander zu setzen.

Haben Sie auch immer öfter den Eindruck, dass das Irrationale im Kampf gegen die Vernunft den Sieg davonträgt? Fürchten Sie, dass über 200 Lehrstühle für "Genderwissenschaften" an deutschen Universitäten im Grunde nur Schwachsinn produzieren können? Brauchen Sie den Beweis dafür, dass nicht Sie spinnen, sondern die anderen? Hier könnten Sie die Lösung finden.

 


LSBTTIQ*-Community (Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Menschen, die sich als Queer verstehen).

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

mehr

 

Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

mehr

 

 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

mehr

 

Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

mehr

 

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -