22. Januar 2018

15.00 Uhr SPD

Gut, dass es Phönix gibt. Der Sonderparteitag der SPD, in voller Länge, so was kann man sich nur selten geben. Kommt ungefähr in die Kategorie Faust II, ungekürzt, an einem Stück. Leider wurden einige Redebeiträge von Delegierten vom überflüssigen Reporter und seinen jeweiligen Interview-Partnern zugequatscht, doch insgesamt kam doch ein recht gutes Stimmungsbild rüber, bei Phönix.

Vorab: Außer der Saaldekoration wirkte nichts inszeniert. Von einer "Parteitagsregie", die dafür sorgt, dass alles so läuft, wie es der Vorstand gewünscht hat, war nichts zu spüren.

Die Reihenfolge der Redebeiträge bunt gemischt, kontrovers aufeinander folgend, der Beifall nicht gesteuert, sondern immer wieder echt handgemacht, das alles ließ, trotz der Katastrophe von einer Rede, die Martin Schulz zu Beginn abgeliefert hatte, ein leichtes atmosphärisches Knistern aufkommen.

Ich will die Situation nicht düsterer schildern als sie war, doch während Martin Schulz seine Rede pflichtgemäß abarbeitete, wirkten die Gesichter des SPD-Oberen in erster und zweiter Reihe, als nähmen sie an einem Staatsbegräbnis teil. Ein Effekt, den eine funktionierende Parteitagsregie hätte verhindern müssen.

Doch das Spiel, was dargeboten wurde, war eben SPD-unplugged. Niemand sagt, dass akustische Gitarren und unverstärkter Gesang nicht eine ganz besondere Atmosphäre schaffen, ein Erlebnis von hoher Authentizität vermitteln könnten, womit Vertrauen und Glaubhaftigkeit wiedergewonnen werden könnten - doch dazu braucht es Musiker, die dem auch gewachsen sind.

Doch dieser SPD-Song-Contest, in welchem ein dünnes Einzelstimmchen nach dem anderen die Lyriks pro oder die Lyriks contra zum Vortrag brachte, ohne dass sich mit der Zahl der Vortragendenden auch die Zahl der Argumente vergrößern würde, geriet zur Langeweile eines parlamentarischen Schlagabtausches zwischen Regierungs- und Oppositionsfraktionen, bei dem es niemandem mehr ums Zuhören, ums Verstehen, um eine wirklich gemeinsame Haltung geht, sondern nur noch darum, die Vertreter der jeweils anderen Meinung am Ende nur rein zahlenmäßig niederzumachen.

Andrea Nahles, deren Solo-Auftritt wirkte, als käme sie von einem anderen Stern, die all ihre rhetorischen Fähigkeiten unter härtestem Körpereinsatz in die Waagschale warf, mag tatsächlich das "JA" der Delegierten gerettet haben. Doch so beeindruckend die Showeinlage vom tanzenden Derwish auch war, ich glaube nicht, dass auch nur einer der Delegierten das, was Andrea Nahles da auf die Bretter zauberte, auch nur für einen Augenblick als "den Geist der SPD" wahrgenommen haben mag. Im Gegenteil:

Andrea Nahles hat mit diesem Auftritt die erschreckende Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit erst wirklich sichtbar gemacht.

Was hatte die Partei denn zu gewinnen, was hatte sie zu verlieren, als die FDP die Jamaika-Verhandlungen abgebrochen hatte?

Da stand doch auf der einen Seite die CDU als stärkste Fraktion des neu gewählten Bundestages in der Pflicht, dem Bundespräsidenten eine Idee für die künftige Regierung zu unterbreiten.

Warum ist es der SPD nicht gelungen, diesen Zustand genussvoll auszuhalten? Hätte nicht die CDU mit Angeboten auf die SPD zukommen, ja die SPD wie eine Braut umwerben müssen?

Es war doch, mit Verlaub, an Dummheit kaum zu überbieten, sich mit dem bisherigen Koalitionspartner auf "Sondierungen" einzulassen. Wer, wenn nicht die SPD, weiß denn, was sich mit der Union in einen Koalitionsvertrag hineinschreiben (und was sich davon dann während der vier Jahre tatsächlich umsetzen) lässt.

Wäre Andrea Nahles funkensprühend, wie gestern nachmittag, vor Merkel, Seehofer, Spahn, Dobrindt, Scheurer aufgetaucht, hätte die SPD-Forderungen präsentiert und erklärt: "Entweder so, oder gar nicht!", dann wäre dies jenes Signal gewesen, nach innen wie nach außen wirksam, das die SPD weitaus dringender braucht als ausgeleierte Binsenweisheiten, wie: "1 Prozent von wenig ist immer noch mehr als hundert Prozent von nichts."

Nun, wir wissen alle, das ist nicht geschehen. Die SPD hat sich in ergebnisoffenen Sondierungen schon einmal den Schneid abkaufen lasssen, statt rote Linien aufzuzeigen, und wird jetzt in der zweiten Phase noch einmal Federn lassen müssen, weil der Geruch der Angst vor dem Scheitern, den Martin Schulz inzwischen verbreitet, die christlichen Spür- und Jagdhunde erst richtig zur Höchstform auflaufen lassen wird.

Wenn dann der Koalitionsvertrag steht, und es auf Ostern zugeht, werden wir ein weiteres Mal erleben, dass die SPD-Parteiführung die Parteimitglieder händeringend um Zustimmung anfleht, weil ja auch ein halbes Prozent von ganz wenig immer noch mehr sei als 100 Prozent von nichts ...

Welch eine verkehrte Welt!

Wenn jemand die SPD-Mitglieder davon zu überzeugen hätte, dass ein Koalitionsvertrag fair, ausgewogen und ohne heimliche Hintertürchen und Vorbehalte vorgeschlagen wird, dann wären das die Unterhändler von CDU und CSU! Nur was die öffentlich sagen, entspricht auch deren Vorstellungen!

Und was von denen öffentlich so nicht (oder ganz anders) zu hören ist, dass steht eben auch so nicht (oder ganz anders) im Koaltionsvertrag. Den eigenen Mitgliedern etwas zu verkaufen, wozu der Partner nicht vollinhaltlich steht, nur um wieder auf der Regierungsbank sitzen zu dürfen, ist nicht nur Selbstbetrug.

Bücherstube
Mitte Januar wieder lieferbar!

Kann weiterhin bestellt werden!
jetzt bestellen

 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 

 

 

 


Florian Stumfalls Abrechnung

mit der Woge des Schwachsinns,
die über uns hereingebrochen ist.

 

Holen Sie sich jetzt Ihr Exemplar!

 


Fabian Dittrichs Betriebswirtschaftslehre

verbindet auf einzigartige Weise die wissenschaftliche Basis erfolgreichen Wirtschaftens mit den Anforderungen der praktischen Realität.

Ein Buch, das auf das Verständnis der großen Zusammenhänge abzielt und dabei auf die im Studium überrepräsentierten mathematischen Verfahren, Formeln, Diagramme und Statistiken verzichtet. Ein Buch, dass die Grenzen betriebswirtschaftlicher Modelle aufzeigt und in vielen Bereichen auch die Schnittstellen zur Volkswirtschaftslehre behandelt.

Ein Buch, in dem es nicht um die Techniken, sondern um den Sinn betriebswirtschaftlichen Handelns geht. Konzipiert, um Studienabgängern den Übergang in die Praxis zu erleichtern, dabei frei von "wissenschaftlichem Kauderwelsch", ist es in seiner gesamten Tiefe und Breite für jeden Interessierten verständlich.

Wer es einmal gelesen hat, wird es nicht mehr missen wollen. Um eifrigen Gebrauch zu unterstützen, haben wir die 453 Seiten nicht in preiswerter Klebebindung sondern mit dauerhaft strapazierfähiger Fadenheftung binden lassen.

 

 

ISBN 978-3-938175-79-8 --- geb. Ladenpreis 32,00 €

Garantiert Nudging-frei!

zum Online-Shop


Ebenso empfehlensert:

 


 

Nebenbei bemerkt:

So lange wir uns mit "Kindereien" wie dem Binnen-I beschäftigen lassen, solange wir von stärker Pigmentierten zu sprechen haben, wenn wir Neger meinen, und uns in kraftraubende Diskussionen darüber verstricken lasen, ob es zwischen "wertkonservativ" und "rechtsradikal" nicht vielleicht doch einen Unterschied gibt, werden wir Schwierigkeiten haben, uns mit den wirklich substantiellen Entwicklungen und Problemen auseinander zu setzen.

Haben Sie auch immer öfter den Eindruck, dass das Irrationale im Kampf gegen die Vernunft den Sieg davonträgt? Fürchten Sie, dass über 200 Lehrstühle für "Genderwissenschaften" an deutschen Universitäten im Grunde nur Schwachsinn produzieren können? Brauchen Sie den Beweis dafür, dass nicht Sie spinnen, sondern die anderen? Hier könnten Sie die Lösung finden.

 


LSBTTIQ*-Community (Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Menschen, die sich als Queer verstehen).

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

mehr

 

Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

mehr

 

 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

mehr

 

Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

mehr

 

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -