Paukenschlag
am Donnerstag
No. 14 /2018
vom 12. April 2018


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


Casus Belli
 
Vorab, vor allem für jene, die jetzt den verrückten Trump verantwortlich machen, ein Stück aus dem Tollhaus von vor 6 Jahren, geschrieben am 31. Mai 2012 als Paukenschlag am Donnerstag No. 21 /2012.

Es tobt ein Bürgerkrieg in Syrien.
  • Die Rebellen drohen mit militärischer Eskalation.
  • Der neue französische Präsident hat Lust am Einmarschieren.
  • In den USA denkt man über einen Einsatz ohne UN-Mandat nach.
Assad soll entmachtet werden.

Ist ja auch ein relativ kleiner Staat.
Ist ja auch ein geostrategisch wichtiges Teil im Machpuzzle.

Wie in Afghanistan, im Irak, in Libyen konnte man sich der kriegsvorbereitenden Einmischung in innere
Angelegenheiten nicht enthalten.

Ich frage mich immer wieder, ob es in Syrien nicht sehr viel friedlicher zuginge, ob nicht sehr viel weniger Todesopfer zu beklagen wären, gäbe es keine ausländische Unterstützung - mit Geld, Waffen und Indoktrination - für jene "Rebellen", die - ebenso undemokratisch wie Assad - den Umsturz
herbeiführen wollen und damit die Rechtfertigung für den nächsten Einmarsch liefern.

Die Doktrin der Nichteinmischung in Innere Angelegenheiten souveräner Staaten war eine kluge, wenn nicht gar weise Doktrin.

Dass sie von der UN aufgegeben wurde, mit der nicht zu Ende gedachten Argumentation:
"Wenn ein Staat nicht mehr in der Lage ist, seine Bürger zu schützen, ist militärisches Eingreifen von außen zulässig, ja sogar geboten", hat die gezielte Herstellung solcher Situationen, die bereits ausgenutzt wurden und noch weiter ausgenutzt werden, doch erst geschaffen.

Hinterher ist dann Nation-building angesagt.

Was heißt das?

Es heißt nichts anderes, als die Ent-Afghanisierung Afghanistans, die Ent-Irakisierung des Iraks, die Ent-Libysierung Libyens, die Ent-Syrisierung Syriens, also das Ende möglichst aller nationalen Tümeleien.

Was da stattfindet ist eine Art Flurbereinigung unter den Nationalstaaten, die Enteignung der Nationalstaatlichkeit.

In vielen Gebieten dieser Welt werden die zusammengelegten Felder anschließend den Global Playern zur Bewirtschaftung überlassen. Die ehemaligen Grundbesitzer werden entschädigungslos in die abhängige Beschäftigung entlassen.

In Europa geschieht das Gleiche.

Nur die Waffen sind andere. Es sind Verträge, die von Regierungen zu Lasten ihrer Völker und zugunsten weniger Profiteure geschlossen wurden.

Verträge, deren Einhaltung, da, wo es opportun erscheint, mit allen Mitteln durchgesetzt wird, die aber, an anderer Stelle, wo es opportun erscheint, ohne auch nur den Hauch eines Schuldgefühls gebrochen werden.

Die Geschichte der europäischen Währungsunion strotzt vor Beispielen für beide Vorgehensweisen.

Die Garantie, dass Länder des Euro-Raumes für die Schulden anderer Länder des Euro-Raumes niemals einstehen müssten (No Bail-Out), ist schlicht vergessen, doch wenn Spanien den Versuch unternimmt, sich an den eigenen Haaren aus dem Schopf zu ziehen, den eigenen Banken eigene Staatsanleihen als Sicherheiten zu überlassen, dann findet sich hurtig der EUGH zuständig und verbietet das.

Nee!
Spanien darf nur mit deutschen Staatsanleihen gerettet werden.

Doch wir Deutschen, jedenfalls soweit wir in verantwortlichen politischen Positionen sitzen, haben nichts anderes im Sinn, als uns als gute Europäer zu beweisen. Und was tut ein guter Europäer?

Er zahlt.



Und immer noch vorab, vor allem für jene, die glauben, die Erzählung von einem Giftgasangriff in Duma, sei so empörend, dass um der 50 Toten willen, die in der Erzählung vorkommen, ein Weltkrieg ausgelöst werden müsse, Auszüge aus dem PaD 38/2014 vom 2. Oktober 2014.
The big lie
 
Die Vereinigten Staaten von Amerika, höchstgerüstetste Nation auf Erden, waffenstarrendes, erfurchtgebietendes, allwissendes und allmächtiges Supermonster, stehen in der öden Leere der syrisch-irakischen Wüste einem Haufen marodierender Banden gegenüber und wollen - gegen maximal 30.000 Bewaffnete - einen jahrelangen Krieg führen?
 
Die VSA haben dazu eine Koalition der Willigen aus über 40 Staaten geschmiedet, von denen etliche noch dazu über beste Ortskenntnisse und kurze Nachschubwege verfügen, und dennoch schwört der Friedensnobelpreisträger seine Nation und die ganze Welt auf einen jahrelangen Krieg ein?
 
30.000 feindliche Kämpfer, geteilt durch 40 willige Staaten, da bleiben jedem einzelnen Staat gerade noch 750 Feinde übrig.
 
Ja! Mehr sind das nicht, wenn es überhaupt so viele sind!
 
Im Laufe des II. Weltkrieges sollen rund 18,2 Millionen Soldaten für die deutsche Wehrmacht gekämpft haben (nicht alle gleichzeitig). Die Zahl der Verluste wird von unterschiedlichen Quellen unterschiedlich hoch angesetzt. Nimmt man die höchsten Schätzungen, dann mussten ungefähr 6 Millionen Kämpfer außer Gefecht gesetzt werden, um die Wehrmacht zur Kapitulation zu zwingen.
 
Das dauerte nicht ganz 6 Jahre. Pro Jahr haben die Alliierten also im Durschnitt 1 Million ihrer Feinde erledigt.
 
Da der heutigen Koalition der Willigen der vielleicht mächtigste Verbündete von damals - nämlich Russland - fehlt, kann man großzügig annehmen, dass unter diesen erschwerten Bedingungen vielleicht nur noch 500.000 Feinde pro Jahr erledigt werden können.
 
Das sind allerdings, selbst wenn man den Ramadan rausrechnet, immer noch 38.200 tote oder gefangen genommene Feinde pro Monat - und wenn man unterstellt, dass nach dem Verlust eines Drittels der feindlichen Truppen die Kapitulation ins Haus steht, dann sollte ein 10-Tage-Krieg vollkommen genügen, um ISIS derart an die Wand zu klatschen, dass nichts mehr übrig bleibt.
 
Da ISIS aber im Vergleich zu seinen Gegnern in jeder Hinsicht, von der Aufklärung bis zu den Waffen, eher lächerlich ausgerüstet ist, während die deutsche Wehrmacht allen Gegnern an Kampfkraft deutlich überlegen war, sollte sich das Scharmützel vielleicht sogar auf einen Drei-Tage-Krieg verkürzen lassen.
Was faselt Obama also von einem langen, langen Krieg?
 
Das ist keine rhetorische Frage.
Das ist mein voller Ernst.
 
Was soll das lächerliche Gefasel von einem langen Krieg gegen einen neuen Terrorismus, der schlimmer ist, als Al Quaida je war?
 
Natürlich ist es fragwürdig, den Kampf gegen IS und den Verlauf des zweiten Weltkriegs so pauschal zu vergleichen.
 
Andererseits gibt es unter den Jüngeren sehr viele, die von den beiden sehr viel besser vergleichbaren kriegerischen Ereignissen, die ich nun zur Stützung meiner These noch anführen mag, noch nie etwas gehört haben.
 
Beispiel 1
 
Am 13. September 1940 griffen italienische Truppen von Libyen aus die britischen Truppen in Ägypten an. Als die Briten sich vom ersten Schreck erholt hatten und zum Gegenangriff ansetzten, entsandte Deutschland - vom Februar 1941 an - Truppen zur Unterstützung der Italiener. Nach einer Reihe schwerer Schlachten endete der Afrika-Feldzug Anfang Mai 1943 mit der Gefangennahme von 275.000 überlebenden deutschen und italienischen Soldaten.
 
Beispiel 2
 
Am 5. Juni 1967 begann Israel seinen Krieg gegen die arabischen Nachbarn mit Luftangriffen auf alle ägyptischen Flugfelder. Am 10. Juni war der 6-Tage-Krieg beendet. Den israelischen Streitkräften standen damals knapp 500.000 Soldaten aus Ägypten, Syrien, Jordanien, Libanon, Irak, Kuwait und Saudi-Arabien mit 2.400 Panzern und 900 Kampfflugzeugen gegenüber.
 
Natürlich ist es schlimm, wenn eine Horde von Kämpfern mit ein paar robusten Automobilen in ein friedliches Dorf rast, in jedes zweite Haus eine Handgranate wirft und dann mit einem MG auf alles ballert, was sich bewegt.
 
Aber das ist kein Krieg. Das ist noch nicht einmal ein asymmetrischer Krieg. Da kann man auch nicht davon sprechen, eine Armee habe ein Dorf unter ihre Gewalt gebracht - und wenn solche Terrorakte in den letzten Tagen rund um die syrisch-türkische Grenzstadt Kobane die Einwohner von 300 Dörfern in die Flucht geschlagen haben, dann ist das immer noch kein Zeichen für militärische Überlegenheit oder strategische Genialität. Es ist nur der Beweis dafür, dass diese Dörfer nicht verteidigt wurden. Nichts weiter.
 
Wer hätte sie auch verteidigen sollen?
 
Es handelt sich schließlich um syrische Dörfer. Syrien liegt seit Jahren in einem Bürgerkrieg. Kobane, die Stadt im Norden, liegt mitten im Gebiet der Aufständischen - jedenfalls, wenn man die vor einem Jahr zur Lage in Syrien veröffentlichten Karten betrachtet. Dass die Retuscheure inzwischen Teile der Gebiete der syrischen Rebellen in IS-Gebiete umgearbeitet haben, bedeutet jedoch nicht, dass die IS die alten Rebellen besiegt und deren Stellungen eingenommen hätte. Es bedeutet lediglich, dass der Westen begonnen hat, die Aufständischen in Syrien vor dem Hintergrund der eigenen Interessenlage etwas differenzierter zu betrachten und eine zynische Selektion vorzunehmen.
 
Natürlich soll es weiter gute Aufständische geben, die weiter ausgebildet und ausgerüstet werden, um den Sturz Assads herbeizuführen, und daneben braucht es, aus zunächst unerfindlichen Gründen, eben auch jene bösen Aufständischen, die man in einem jahrelangen, blutigen Krieg vernichten will.
 
Offensichtlich ist man zu dem Schluss gekommen, dass es aus strategisch-taktischen Erwägungen besser ist, in und um Kobane die bösen Aufständischen in die Karten einzuzeichnen, weil damit auch der NATO-Partner Türkei leicht einen Anlass finden kann, von Norden her in Syrien einzumarschieren. Schließlich hat die Türkei immer wieder Ärger mit den Kurden, die sich, kaum dass die türkische Armee wieder einmal zur Hatz auf sie bläst, in Syrien verkriechen.
 
Bevor der Gedanke im Detail untergeht:
 
Wollte Assad die Gegend um Kobane befrieden, müsste er dort sowohl die guten, US-gesteuerten, als auch die bösen, fehlgesteuerten Rebellen bekämpfen - eine dritte Kraft, die befreit werden möchte, scheint es da nicht zu geben.
 
Dass Kurden sich um die Verteidigung dieser Gegend bemühen - und dazu mit Uralt-Kriegsgerät aus Bundeswehrbeständen und nagelneuen motivationsverstärkenden Hochglanz-Fotos von Ursula von der Leyen ausgerüstet werden, gehört zu den sonderbarsten Erscheinungen dieser Auseinandersetzung.
 
Die Kurden kämpfen für einen eigenen Staat. Dazu dringen sie in das Vakuum vor, das die guten US-Aufständischen im Norden Syriens durch die Verdrängung der Regierungstruppen hergestellt haben, und sie dringen in das Vakuum vor, das der Abzug der US-Truppen im Nordirak hinterlassen hat.
 
Das außenpolitische Orakel der Bundesregierung, Frank Walter Steinmeier, hat jedoch schon für die gesamte westliche Welt verbindlich festgestellt: Die Kurden bekommen keinen eigenen Staat.
 
Wenn dem so ist, dann machen die Kurden letztlich - getreu dem Slogan der Volks- und Raiffeisenbanken - nur "den Weg frei" für die Süderweiterung der Türkei.
 
100 Panzer stehen schon an der Grenze, um den erwarteten Überfall auf ein Mausoleum zu rächen. Eine wunderschöne Inszenierung - Paramount Pictures in Technicolor.
 
Natürlich könnte die türkische Armee mit ihren 720.000 Mann unter Waffen die IS mit einem Hüsteln aus dem Wüstensand fegen.
 
Nur, daran hat sie gar kein Interesse.

Erdogan kann in Ruhe zuschauen, wie sich Assad, die Kurden und die IS gegenseitig aufreiben - seine Stunde kommt unweigerlich.
 
Mit dieser strategischen Vorstellung im Hinterkopf wird die Frage, warum Obama seine Landsleute auf einen sehr langen Krieg gegen einen sehr, sehr schlimmen Terror vorbereitet, noch spannender.
Ein erster Blick auf die Landkarte und ein zweiter Blick in Jane's Defence Weekly genügen, um zu wissen, dass die Türkei weder einen amerikanischen Marschflugkörper noch eine amerikanische Drohne braucht, um den Norden Syriens und den Norden Iraks ganz alleine innerhalb weniger Wochen vollständig von islamistischen Terroristen zu befreien.
 
Die Wahrheit ist viel einfacher. Die USA führen Kriege nicht mehr, um einen Feind zu besiegen, um eine Bedrohung aus der Welt zu schaffen, um einem Verbündeten zur Hilfe zu eilen; die USA führen ihre Kriege nur noch, um ihren Militäretat zu rechtfertigen.
 
Militärausgaben in Höhe von 640 Milliarden US$ mussten im letzten Jahr durch Kriege und Bedrohungen gerechtfertigt werden.
 
Jeder sechste Dollar, den die US-Administration in die Hände nimmt, verwandelt sich auf die eine oder andere Weise in "Kriegsbereitschaft".
 
Noch spannender ist die Entdeckung, dass die USA sämtliche Militärausgaben auf Pump finanzieren. Das Haushaltsdefizit der USA ist ungefähr doppelt so hoch wie die Militärausgaben.
 
Wer so verschwenderisch in Rüstung investiert, muss in der Lage sein, dafür irgendwie eine Begründung aus dem Hut zu zaubern. Lange waren es schlicht die Kommunisten, angeführt von der UdSSR, die in Schach gehalten werden mussten, die man per Wettrüsten besiegen wollte.
 
Doch schon seit Vietnam führen die USA nur noch Kriege gegen den Terror. Gegen nicht mehr greifbare Gegner auf fremden Territorien.

Klar, dass die Generäle mit diesen Kriegen immer auch noch versuchen, ein paar geostrategische Vorteile zu erringen, was ihnen letztendlich auch gelingt.
 
Doch die eigentliche Vorgabe lautet offenbar:
  • Weit weg von den USA,
  • einen in keiner Weise "greifbaren" Feind,
  • ohne eine völkerrechtlich wirksame Kriegserklärung,
  • mit größtmöglichem Feuerwerk,
  • für eine möglichst lange Zeit so zu bekämpfen,
  • dass die Bedrohung für die USA dabei keinesfalls geringer wird
  • und die Fortführung des Kriegs gegen den Terror gesichert bleibt.
Also bomben sie jetzt im Irak und in Syrien herum.
Stets bemüht, den Feind bloß nicht zu sehr zu erschrecken, damit das eigene Volk auch weiter im Angesicht einer fürchterlichen Bedrohung fest hinter dem Präsidenten steht.
 
IS ist im Augenblick die letzte Rechtfertigung für den mit Abstand größten Militärhaushalt auf diesem Planeten. Deswegen muss der Kampf gegen diesen lächerlichen Haufen religiös verblendeter Fanatiker auf viele Jahre angelegt werden.
 
Man muss sich vorstellen, was mit dem BIP, mit den Arbeitslosenzahlen, vor allem aber mit den Gewinnen der Rüstungsindustrie geschähe, würden die Amerikaner erkennen, dass sie zur Verteidigung ihrer Freiheit im Grunde nicht mehr auszugeben bräuchten als die Russen.
 
Da wäre eine halbe Billion Dollar weg vom Kuchen! Und das jedes Jahr!

Die Folgen wären schlimmer als die der Finanzkrise.
Das kann kein Präsident verantworten - weder mit, noch ohne Friedensnobelpreis.
 
Inzwischen sind wieder vier Jahre vergangen. In Washington sitzt ein Präsident, der von der westlichen Wertegemeinschaft mit allen Mitteln bekämpft wird. Er wollte weniger Waffen, weniger Militär, weniger Kriege, ein gutes Verhältnis zu Russland und das Wiedererstarken der US-amerikanischen Friedenswirtschaft.
 
Doch statt Trump gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis zu verleihen, wie es Obama vergönnt war, zwingt man ihn mit lauter unbewiesenen und unbeweisbaren Vorhaltungen, er habe durch Russland-Kontakte das Vaterland verraten, er verdanke seine Präsidentschaft überhaupt nur der tätigen Mithilfe russischer Hacker, und mit lauter unbewiesenen und unbeweisbaren Informationen über Assads mörderische Schreckensherrschaft in Syrien,
die ja sogar das militärische Kleinvieh - Großbritannien und Frankreich - zwingen, Syrien in humanitärer Absicht vollends niederzubomben,
 
 
sich als Weltpolizist nicht länger zu enthalten, sondern die ihm historisch zugewachsene Führungsrolle im Armageddon-Spiel anzunehmen.
 
Szenarien, für das, was in den nächsten Tagen geschehen kann, gibt es viele.
 
Meine Einschätzung dazu muss nicht eintreffen. Die Situation kann sich noch jeden Tag ändern, doch die letzte Entscheidung wird fallen, wenn die gestern in Norfolk gestartete US-Armada den Einsatzraum im östlichen Mittelmeer erreicht hat.
 
Dies wird Mitte bis Ende nächster Woche der Fall sein, jedenfalls wenn die Schiffschrauben mit höchster Umdrehungszahl für den notwendigen Vorschub sorgen. Falls Trump noch Zeit gewinnen will, könnten die Schiffe auch etwas länger brauchen.
 
Der Grund für meine Annahme, dass die letzte Entscheidung erst dann getroffen werden wird, ist relativ simpel. Trump hat von schönen, neuen, smarten Raketen gesprochen, auf die sich die Russen vorbereiten sollen.
 
Die jetzt bereits im Mittelmeer kreuzenden US-Zerstörer dürften davon noch keine einzige an Bord haben. Es ist nicht einmal anzunehmen, dass sich dort die maximal möglichen 400 Tomahawk Marschflugkörper befinden, die aufgrund ihrer geringen Flughöhe kaum abzuwehren sind, sondern eher ein Mix aus unterschiedlichen Raketen und Cruise Missiles, weil man ja auf unterschiedlichste Szenarien vorbereitet sein wollte.
 
Bis die Schiffe da sind, könnten sich allerdings durchaus einige "Zwischenfälle" ereignen. Ich schließe nicht aus, dass Macron den Ehrgeiz hat, die ersten Bomben auf Damaskus zu werfen. Ich schließe nicht aus, dass sich Theresa May dem unmittelbar anschließen wird - und ich schließe nicht aus, dass auch Israel die günstige Gelegenheit wahrnimmt, um im Windschatten dieser Angriffe ein eigenes Süppchen zu kochen, wie auch Erdogan im Norden alles tun wird, um sich - für nach dem Krieg - Gebietsansprüche zu sichern.
 
Die russische Haltung wird durch zwei Aussagen bestimmt, die wir in den letzten Tagen hören durften.
 
Die eine lautet: Wir werden alle anfliegenden Raketen abschießen.
 
Das ist eine hervorragende Gelegenheit, um alte und neue Waffensysteme der Luftabwehr unter Gefechtsbedingungen zu testen.
 
Die andere lautet: Wir werden zurückschlagen, sollten russische Stellungen beschossen, russische Soldaten getötet werden.
 
Mit dieser Aussage wird die Verantwortung für die direkte Konfrontation zwischen Russland und den USA wieder den USA zugeschoben. Es wird zudem die Versenkung eines US-Kriegsschiffes oder der Abschuss französicher oder britischer Bomber als bloße Vergeltung für einen "gelungenen" Raketenangriff auf einen russischen Stützpunkt angesehen werden können, dem weitere aggressive Akte nicht zwangsläufig folgen müssen.
 
Nun gehe ich davon aus, dass bis zum Eintreffen der Schiffe aus Norfolk nicht sehr viele Raketen und Marschflugkörper auf syrische Stellungen fliegen werden, dass von diesen wenigen der Großteil tatsächlich von russischem Luftabwehrgerät unschädlich gemacht wird - und dass die, die durchkommen, keinen Schaden anrichten, der Russland schon zum angedrohten Gegenschlag zwingen würde.
 
Es ist also immer noch eine Woche Zeit, für die Diplomaten, zu einer Lösung zu finden, mit der alle Parteien ohne Gesichtsverlust die Krallen wieder einziehen können.
 
Russland ist gesprächsbereit. Das ist die gute Nachricht.
Russland wird allerdings weder dem Sturz Assads zustimmen, noch auf Basis einer Verhandlungslösung freiwillig aus Syrien abziehen,
 
Trump selbst ist nach meiner Einschätzung ebenfalls gesprächsbereit. Allerdings kann ich nicht einschätzen, ob es ihm gelingen wird, die Falken von einer Verhandlungslösung zu überzeugen. Es sieht m.E. eher so aus, dass Trumps Präsidentschaft, sollte er nicht zuschlagen wollen, vorzeitig beendet würde.
 
Das einzige, was die US-Falken zum Stillhalten zwingen könnte, wäre ein Zeichen der militärischen Überlegenheit Russlands von ungefähr der gleichen Eindringlichkeit wie die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.
 
Ich vermute allerdings, dass Putin dieses Zeichen nicht setzen wird. Er müsste Detroit oder Chicago oder Ramstein vom Erdboden verschwinden lassen, und er muss davon ausgehen, dass dem der weltweite Atomkrieg unmittebar folgen würde.
 
Sind die Kriegsschiffe erst einmal vor Ort und alle diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts gescheitert, kann Trump den Rückzug befehlen und damit gleichzeitig seinen Rücktritt einreichen, oder er muss Syrien angreifen.
 
Dabei - und das ist wichtig zu bedenken - hat er keinen wirklichen Einfluss mehr auf das, was die Generäle und Admirale alles anrichten.
 
Jetzt liegt der Ball vor Putins Füßen. Auch er hat die Wahl, seine Truppen schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, also aus Syrien abzuziehen und den Westen gewähren zu lassen, was mit dem Tod Assads und dem Einmarsch von Bodentruppen enden wird, oder sich eben mit allem was er hat, zur Wehr zu setzen.
 
Dieses Gemetzel könnte auf den Mittelmeerraum beschränkt bleiben. Nach meiner Einschätzung verfügt Russland über die Fähigkeit, sämtliche feindlichen Kriegsschiffe, inklusive der U-Boote im Mittelmeer zu versenken oder mittels EMP-Waffen kampfunfähig zu machen. Angriffe auf NATO-Stützpunkte auf dem italienischen Festland, auf Sizilien und ggfs. in Südfrankreich dabei nicht ausgeschlossen.
 
Ein Rest an Vernunft in Paris. London und Washington könnte dann zur Beendigung der Kriegshandlungen führen.
 
Fehlt es an diesem Rest an Vernunft, kommt es also zu Angriffen auf russisches Staatsgebiet - und sei es nur, dass Poroschenko versucht, die Krim zu erobern, sind der weiteren Eskalation keine Grenzen mehr gesetzt. Die Nordhalbkugel steht innerhalb von Stunden in Brand.
 
Wer davor Angst hat, sollte jetzt einen Flug nach Australien oder Argentinien buchen.
 
 
Meine Einschätzung geht allerdings dahin, dass es nicht zur großen Konfrontation kommen wird.
 
Die westliche Wertegemeinschaft wird allerdings ihr Interesse, Syrien zu unterwerfen, deshalb nicht aufgeben. Im Gegenteil. Die Unterstützung jeder Art von Terroristen, die auch nur vorgeben, Assad stürzen zu wollen, wird noch einmal massiv verstärkt werden. Es wird eine einigermaßen seriös wirkende Opposition aufgebaut, der nach der Ermordung Assads an die Macht verholfen wird. Diese Opposition wird den Russen die Freundschaft ebenso aufkündigen, wie dem Iran und dann, legitimiert, die Stützpunkte der Russen aufkündigen.
 
Diese Opposition wird den Status quo an der türkischen Grenze anerkennen, also die dauerhafte Besetzung der kurdischen Gebiete hinnehmen und der Eingliederung Nordsyriens in Erdogans Türkei zustimmen, wofür dieser nichts anderes tun braucht, als seinen NATO-Treueschwur zu erneuern.
 
Das dauert jetzt so ungefähr drei bis vier Jahre - und dann ist der Iran dran. Der steht schließlich auch schon lange auf dem Wunschzettel.
 
 
Selbstverständlich, meine sehr verehrten Damen und Herren, darf Ihnen allen schon jetzt recht herzlich gratuliert werden, denn schließlich haben Sie durch Ihre fortgesetzten demokratischen Entscheidungen diese Entwicklung, die jetzt kurz vor dem Ziel steht, ja herbeigeführt - und ich denke, Sie haben sich da durchaus etwas dabei gedacht, sich etwas davon versprochen, was jetzt zum Greifen nahe ist.
 
Sie wollten das alles nicht? Wirklich? Warum kommt es dann jetzt so, wo doch in der Demokratie das Volk - also Sie! - der Souverän ist?
 
Antworten auf diese Frage finden Sie hier:
 
Darin gibt es nicht nur die Zustandsbeschreibung und deren Analyse, sondern auch konstruktive Ansätze, den Karren in letzter Minute noch aus dem Dreck zu ziehen.
 


Florian Stumfall beleuchtet in dem Roman "Tripoli Charlie" das skrupellose Wirken der Hochfinanz in Afrika.
Es wäre naiv, anzunehmen, dass die gleichen Kräfte nicht auch - mit ähnlichen Zielsetzungen, aber angepassten Methoden - in Europa wirken.
 
 
 
 
 
 


 
Teer Sandmann

Golo spaziert
Das Land der sicheren Freiheit

 
 
 
Nichts für Technokraten, Journalisten, Staatsanwälte und Politiker - es sei denn, sie sind Mensch geblieben.


 
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