hierverbirgtsicheingeheimnis


4. November 2017

17.00 Uhr Die Kunst, bei hohen Kursen zu verkaufen

Kaufen geht immer. Solange du Geld hast, kannst du kaufen. Ob du nun in das fallende Messer greifst, oder ob du einsteigst, wenn sich die Kurse gerade wieder nach oben drehen, oder ob du auf dem Höchststand auch noch kaufst: Kaufen geht immer und erfordert nichts als das notwendige Geld.

Verkaufen ist viel schwieriger. Natürlich brauchst du zum Verkaufen auch erst einmal nichts als die entsprechenden Papiere im Depot, aber eigentlich wolltest du mit den Papieren ja Gewinn machen.

Um das zu bewerkstelligen, wäre es natürlich gut gewesen, zu einem möglichst niedrigen Kurs zu kaufen. Da kannst du dann bei jedem höheren Kurs verkaufen und hast, vorausgesetzt die Provisionen fressen nicht alles auf, auf jeden Fall einen Gewinn gemacht.

Späteinsteiger, die erst merken, dass die Kurse anziehen, wenn sie schon fast an der Decke anstoßen, und dann kaufen, tun sich dagegen ausgesprochen schwer mit dem Verkaufen. Da wird die Frage "Weiter halten oder jetzt schnell abstoßen?" schon zum Nervenkitzel, und der Gewinn ist allemal begrenzt.

Alldieweil jetzt schon wieder die leisen verführerischen Töne erklingen, mit denen Späteinsteiger Hoffnung auf den Riesengewinn mit Aktien gemacht wird, wage ich die Frage in den Raum zu stellen: Wann werden die wohl verkaufen wollen, die jetzt noch einsteigen?

Obwohl beides die Kurse beeinflusst, sollte man den Computerhandel, bei dem minimale Kursdifferenzen in Sekundenbruchteilen pro Trade relativ kleine Gewinne erzeugen sollen, weil's am Ende halt die Masse macht, unterscheiden von jenem Handel, der mit bewussten Entscheidungen die Kursentwicklung wirklich beeinflusst, denn die Computer alleine würden vermutlich auch mit den ausgepufftesten Algorithmen irgendwann stillstehen, weil keine Impulse mehr kommen, auf die sie noch reagieren könnten.

Nur wahre Großanleger erfreuen sich alljährlich an den Millionendividenden, die ihnen aus ihren fast nie bewegten Depots regelmäßig erwachsen, und wenn ihnen das zuwenig wird, verlangen sie im Aufsichtsrat der von Ihnen beherrschten Unternehmen erst einmal Kostensenkung und Gewinnsteigerung vom Vorstand - und nur wenn die Aussichten dafür ganz schlecht sind, werden Anteile verhökert, und das möglichst, bevor der Markt Wind bekommt.

Kursspekulanten hingegen nehmen zwar auch einmal die Dividende mit, aber der langfristige Ertrag aus den Papieren, die sie meist schon bei einem sehr ungünstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis gekauft haben, ist für sie kein Anreiz. Selbst acht Euro Dividende auf ein Papier mit einem Nennwert von 100 Euro, das aber für 650 Euro ins Depot ging, sind eben nicht acht Prozent Rendite, sondern nur 1,23 %. Die gleichen acht Euro, nach Abzug der Kosten, innerhalb einer Woche als Differenz zwischen An- und Verkauf verdient, entsprechen da schon einer Verzinsung von rund 61 % p.a. Das ist natürlich nur eine theoretische Zahl, die tatsächlich nur erreicht wird, wenn der gleiche Gewinn aus spekulativen An- und Verkäufen tatsächlich Woche für Woche erzielt wird. Es soll Anleger geben, die das schaffen.

Weil es jedoch meines Wissens keine Statistik darüber gibt, wie hoch der aus Börsengeschäften tatsächlich realisierte Gewinn eigentlich ist, muss man die Frage nach den Gewinnern und Verlierern an der Börse anders angehen.

Dazu ist festzustellen:

Gewinne können ausschließlich durch den Verkauf der Papiere realisiert werden. Lassen wir die Thematik der Neuemissionen weg, bedeutet das, dass - bei stetig steigenden Kursen - jeder Käufer, der neu einsteigt, alle Gewinne seiner Vorbesitzer bezahlt.

Das mag eine ungewöhnliche Betrachtungsweise sein, doch macht sie deutlich, dass in einem Bullenmarkt der jeweils letzte Käufer für die Gewinne aller seiner Vorgänger aufkommt, im Zweifelsfall also die volle Differenz zwischen einem vielleicht einmal halbwegs angemessenen Ausgabekurs und dem spekulativ in die Höhe getriebenen aktuellen Kurs auf seine Kappe nimmt, während sein Gewinn durch den in der Zukunft (vielleicht noch) eintretenden Höchstkurs limitiert ist.

Je höher das Kursniveau, desto verrückter wird das Verhältnis zwischen dem selbst noch zu erwartenden Gewinn und dem vollständigen Einstehen für die Gewinne aller Vorbesitzer.

Wer also plant, eine Aktie zu erwerben, sollte sich zunächst einmal das Fünf-Jahres-Chart des Papiers ansehen und sich ausrechnen, wieviel Geld er damit den spekulierenden Vorbesitzern in den Rachen wirft und - und das ist schwieriger, aber nicht umöglich - welcher Ertragswert diesem Engagement gegenübersteht.

Nach dieser Betrachtung fällt es vermutlich leichter, herauszufinden, warum der Vorbesitzer sich von seiner Anlage trennen will. Kleine Leute, die Geld brauchen und deshalb verkaufen müssen, spielen dabei kaum eine Rolle. Es sind eher die institutionellen Anleger, die sich von einem Papier trennen, weil das von ihnen erwartete Gewinnziel erreicht ist.

Hier treffen also zwei gegensätzliche Erwartungshaltungen aufeinander, nämlich der Käufer, der meint, es ginge noch weiter aufwärts, und der Verkäufer, der sein Schäfchen ins Trockene bringt, bevor es abwärts geht.

Es sieht zwar so aus, als trügen beide mit ihren Erwartungshaltung das gleiche Risiko, das für beide gleichermaßen aus der Unsicherheit der künftigen Kursentwicklung resultiert, doch das ist ein Irrtum. Der Verkäufer trägt kein Risiko mehr. Er hat realisiert. Und nur darauf kommt es an.

Solange die Kurse steigen bestimmen die Verkäufer den Markt.

Je höher die Kurse steigen, desto unerfahrener das Publikum, das sich von scheinbar unendlichen Wachstumsfantasien zum Kauf verleiten lässt, während die institutionellen Anleger selbst von einem selbstverursachten Kurseinbruch noch profitieren können. Man wirft als erster ein Paket auf den Markt, andere registrieren das und folgen dem Leithammel, die Kurse fallen, dann kauft man das gleiche Papier zum niedrigeren Kurs wieder ein, andere registrieren das und folgen dem Leithammel, der Kurs zieht wieder an - und schon wieder kann ein Gewinn realisiert werden.

Das funktioniert sogar noch auf einer bereits tendenziell nach unten verlaufenden Linie mit vielen kleinen Erholungsspitzen.

Wenn diejenigen, die zu spät eingestiegen sind, niemanden mehr finden, der den geforderten Preis bezahlen will, kommt die Pyramide ins Rutschen. Die Saison derjenigen, welche die Kunst beherrschten, bei hohen Preisen zu verkaufen, geht zu Ende. Dennoch machen sie auch bei sinkenden Kursen noch so lange Gewinne, wie sie auf Papiere zurückgreifen können, die sie zu Preisen unter den aktuellen Kursen erworben haben.

Der Kleinanleger mit ein paar Tausend oder Zigtausend Euro Börsenwert im Depot kann in diesem Spiel nicht mithalten. Er kann weder Kurse nach oben treiben, noch nicht einmal in der Herde aller Kleinanleger, weil diese eben nicht vernetzt sind, noch kann er von Treppenstufe zu Treppenstufe Gewinne mitnehmen, auch wenn es längst in den Keller geht.

Der DAX-Index, das wichtigste deutsche Börsenbarometer, ist im Laufe der letzten sechs Jahre um 100 Prozent gestiegen. Das BIP ist im gleichen Zeitraum (2017 geschätzt) nur um knapp 19 Prozent gestiegen. Zwischen Unternehmensgewinnen und BIP besteht zwar keine direkte Abhängigkeit, doch wenn sich hier eine Differenz um den Faktor 5 auftut, dann kann die mit einem Ertrags- und damit Wertzuwachs der Unternehen kaum noch etwas zu tun haben. Im DAX steckt also, vollkommen abgehoben von der realwirtschaftlichen Entwicklung, jede Menge spekulativer Luft, die zweifellos auch wieder entweichen wird.

Zum Beispiel dann, wenn die in den USA schon eingeläutete Zinswende - im Zusammenhang mit dem immer noch hohen Euro-Kurs, das Kapital zu einem Spaziergang in die USA einlädt.

Das hat mehrere schöne Effekte:

Die Aktienkurse im Euroland sinken. Das Überangebot von Euros lässt den Eurokurs fallen, die Nachfrage nach dem Dollar lässt den Dollarkurs steigen - und, nicht vergessen, es kommt immer darauf an, unter den Ersten zu sein - dann kauft man sich mit dem teuren Doller einige billige Euros mehr, als man vorher dafür ausgegeben hat, und mit den billigen Euros kauft man sich an den Börsen wieder Aktien, die jetzt billig zu haben sind - und hat schon wieder einen Riesenreibach gemacht.

Denn: Trotz aller Spekulationen ändert sich der innere Wert der Unternehmen nicht mit dem Börsenkurs. Und wenn es gelingt, über einen solchen Weg - raus aus den Aktien, raus aus dem Euro, rein in den Dollar, raus aus dem Dollar, rein in die Aktien, einen Anteil von 2 Prozent an einem Unternehmen auf 3 Prozent aufzustocken, was durchaus möglich ist, dann hat man 50 Prozent Realwertzuwachs erzielt -und darauf kommt es an. Börsenkurse sind Fiktion, Anteile sind real.

Immer noch Lust, es auch einmal an der Börse zu versuchen?

Viel Glück!

 


Fabian Dittrichs Betriebswirtschaftslehre

verbindet auf einzigartige Weise die wissenschaftliche Basis erfolgreichen Wirtschaftens mit den Anforderungen der praktischen Realität.

Ein Buch, das auf das Verständnis der großen Zusammenhänge abzielt und dabei auf die im Studium überrepräsentierten mathematischen Verfahren, Formeln, Diagramme und Statistiken verzichtet. Ein Buch, dass die Grenzen betriebswirtschaftlicher Modelle aufzeigt und in vielen Bereichen auch die Schnittstellen zur Volkswirtschaftslehre behandelt.

Ein Buch, in dem es nicht um die Techniken, sondern um den Sinn betriebswirtschaftlichen Handelns geht. Konzipiert, um Studienabgängern den Übergang in die Praxis zu erleichtern, dabei frei von "wissenschaftlichem Kauderwelsch", ist es in seiner gesamten Tiefe und Breite für jeden Interessierten verständlich.

Wer es einmal gelesen hat, wird es nicht mehr missen wollen. Um eifrigen Gebrauch zu unterstützen, haben wir die 453 Seiten nicht in preiswerter Klebebindung sondern mit dauerhaft strapazierfähiger Fadenheftung binden lassen.

 

 

ISBN 978-3-938175-79-8 --- geb. Ladenpreis 32,00 €

Garantiert Nudging-frei!

zum Online-Shop


Ebenso empfehlensert:

Florian Stumfalls Abrechnung

mit der Woge des Schwachsinns,
die über uns hereingebrochen ist.

 

Holen Sie sich jetzt Ihr Exemplar!


 

Nebenbei bemerkt:

So lange wir uns mit "Kindereien" wie dem Binnen-I beschäftigen lassen, solange wir von stärker Pigmentierten zu sprechen haben, wenn wir Neger meinen, und uns in kraftraubende Diskussionen darüber verstricken lasen, ob es zwischen "wertkonservativ" und "rechtsradikal" nicht vielleicht doch einen Unterschied gibt, werden wir Schwierigkeiten haben, uns mit den wirklich substantiellen Entwicklungen und Problemen auseinander zu setzen.

Haben Sie auch immer öfter den Eindruck, dass das Irrationale im Kampf gegen die Vernunft den Sieg davonträgt? Fürchten Sie, dass über 200 Lehrstühle für "Genderwissenschaften" an deutschen Universitäten im Grunde nur Schwachsinn produzieren können? Brauchen Sie den Beweis dafür, dass nicht Sie spinnen, sondern die anderen? Hier könnten Sie die Lösung finden.

 


LSBTTIQ*-Community (Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Menschen, die sich als Queer verstehen).

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

mehr

 

Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

mehr

 

 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

mehr

 

 Stefan Mekiffer

hat im Hansa Verlag seine Überlegungen darüber veröffentlicht, "Warum eigentlich genug Geld für alle da ist".

Wir haben einige Exemplare davon für Sie auf Lager gelegt.

 

mehr

 

Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

mehr

 

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

Bücherstube

In Kürze erscheint

Jetzt bestellen!
jetzt bestellen

 


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -