hierverbirgtsicheingeheimnis


25. September 2017

10.00 Uhr Martins letzte Patrone

Bevor ich beginne, all die anderen klugen Kommentare zu lesen, die es heute zu lesen gibt, ist es mir ein Bedürfnis, meine eigenen Eindrücke vom gestrigen Abend noch möglichst unverfälscht wiederzugeben.

Wie in der Überschrift schon angedeutet, habe ich mich, nach der ersten Überraschung halb totgelacht, über den Rückzieher der SPD. Das, was die SPD schon vor Monaten hätte tun sollen, nämlich schlicht erklären, dass sie für eine große Koalition nicht mehr zur Verfügung stünde, was den Wahlkampf belebt, die SPD-Stammwählerschaft motiviert und so manchen AfD-Wähler davon abgehalten hätte, AfD zu wählen, verkündet er nun auf der Basis, von 20 Prozent und wirkt dabei - trotz aller ebenso klugen, wie an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen dafür - wie ein Dreijähriger der sich an der Supermarktkasse schreiend auf den Boden wirft und keinen Schritt mehr weitergehen will, wenn er nicht doch noch das große Überraschungsei bekommt, das ihm die Mutter vorenthalten will.

Dieser zu spät abgegebene Schuss in den Berliner Himmel erwies sich aber dennoch als Volltreffer, wie sich spätestens im Talk bei Anne Will herausstellte. Cem Ödemir, Vormann der Grünen und Wolfgang Kubicki, der Drahtzieher im Windschatten des Propheten der Auferstehung der FDP, wurden - in seltener Einigkeit - nicht müde, die ebenfalls anwesende Manuela Schwesig anzuflehen, doch bitte, bitte, bitte - und aus Verantwortung für Deutschland, der sich die SPD nicht entziehen dürfe - die große Koalition fortzusetzen.

Sehen so Wahlsieger aus? Sind das die Figuren, die mit einem starken Gestaltungswillen in die Regierungsverantwortung drängen?

Ich sitze vor dem Fernseher, und glaube nicht nur einmal, sondern permanent vom Pferd getreten zu werden. Das werden keine schweren Koalitionsverhandlungen, wie es von allen Seiten tönte, es werden gar keine. Die auf 33 Prozent zusammengestutzte Amtsinhaberin wird mit beiden vor den Altar treten, wo der Hauch der Geschichte die Frage stellen wird: "Wollt ihr, FDP und Grüne, mit der hier anwesenden Angela Merkel, eine Jamaika-Koalition eingehen und ihr treu ergeben folgen, bis dass der Wählerwille euch scheidet, so antwortet klar und vernehmlich mit ja!"

Da wird es weder um die Befindlichkeiten des Klimas und der Grünen, noch um die Träume von der Umgestaltung der Rolle Deutschlands in der EU des Herrn Lindner gehen, sondern nur noch darum, wie intensiv der Wunsch nach der Teilhabe an der Macht ausfallen wird.

Die FDP wird traditionell umfallen und ja sagen. Die Grünen werden sich verweigern und der SPD auf die harten Bänke der Opposition folgen wollen, dieweil die amtierende Regierung weiter amtieren wird, bis die Physikerin nach langer Analyse die Wahl zwischen Minderheitsregierung mit der nassforschen FDP und Neuwahlen mit der Chance auf die Totalzerstörung der bayerischen CSU trifft.

Da bin ich bei Horst Seehofer, dem am Wahlabend permanent nachgesagt wurde, er habe mit der Übernahme von AfD-Positionen das - für bayerische Verhältnisse - katastrophale Ergebnis der CSU selbst verschuldet. Welch ein Wahnsinn in den Köpfen derer, die dies verkünden und vielleicht auch noch selbst glauben. Seehofer wurde für sein totales Einknicken beim Thema Obergrenze abgestraft. Und das war möglich, weil es eben diesmal eine Partei gab, die das, was Seehofer einst großspurig angekündigt hat, weiterhin versprochen hat nachdem sich die CSU davon zweifelsfrei verabschiedet hatte, wie es die Vordenker der Union beschlossen hatten.

Dieses fatale Fehlverhalten, dieses "Versprochen-Gebrochen", umzumünzen in die Aussage, wer versucht, rechte Wahlaussagen zu übernehmen, muss verlieren, das würde ich als "Die Mutter aller Fake News" bezeichnen, jedenfalls, was diesen deutschen Wahlkampf und seinen Ausgang betrifft.

Ebenfalls eine schön gewundene Girlande hing aus den Fenstern praktisch aller Parteien, als sie sich auf einen vorher eingeübten Satz einig wurden, der da lautete: "Man soll nicht darüber sprechen, dass die AfD von 13 Prozent gewählt wurde, sondern darüber, dass sie von 87 Prozent nicht gewählt wurde!"

Dass das ausgerechnet von solchen, die von 90 Prozent nicht gewählt wurden, aber auch von denen, die mit 67 Prozent nicht gewählt wurden, vorgetragen wurde, kann man nur noch mit Chuzpe bezeichnen, weil es für dieses Verhalten kein treffendes deutsches Wort gibt.

Ansonsten frage ich mich, was der Unterschied ist, zwischen der Aussage Gaulands, man werde die Regierung "jagen", an der sich hochgezogen hat, wer nur noch halbwegs eines ideologischen Klimmzugs fähig war, und der Aussage aller anderen, man werde von der AfD im Bundestag nichts, aber auch gar nichts dulden, man werde sie stellen und mit der Geschäftsordnungskeule so lange prügeln, bis ihr die Lust an der Opposition vergehe.

Mein Wunschergebnis ist nicht ganz erreicht worden. Das wären 25 Prozent für LINKE und AfD gemeinsam gewesen, in welchem Verhältnis zueinander auch immer. Doch mit den knapp 22 Prozent für jene Parteien, die noch in der Lage sind, frischen Wind in den Bundestag zu bringen, wäre auch schon viel gewonnen, hätte sich nicht die SPD dazu hinreißen lassen, den Mehltau des Mainstreams mit ihren 20 Prozent in die Opposition zu tragen und dort LINKE und AfD nach Kräften mundtot zu machen - aus Verantwortung für das Land und die Demokratie ...

Dieser Coup ist so schön, dass man gar nicht glauben kann, dass er auf dem Mist der SPD alleine gewachsen sein könnte.

Den letzten Satz sollten Sie, falls er Ihnen beim ersten Lesen nicht weiter aufgefallen ist, gleich noch einmal lesen:

"Dieser Coup der SPD, in der Opposition die übrige Opposition im Sinne der 'Fortführung der GroKo mit anderen Mitteln' mundtot zu machen, ist so schön, dass man gar nicht glauben kann, dass er auf dem Mist der SPD alleine gewachsen ist."

Das erklärt auch die Hilflosigkeit von Kubicki und Özdemir, denen ja nicht nur die für den Wahlabend vorbereiteten Satzbausteine entwertet wurden, sondern denen auch klar wurde, dass sie in dieser Konstellation vor der Alternative stehen: Friss Vogel, oder stirb!

Wenn sie die bittere Pille schlucken, werden beide bei der nächsten Wahl mit lebensbedrohlichen Stimmenverlusten belohnt werden, verweigern sie sich, wird Mutti einfach so lange kommissarisch weiterregieren, bis sich diese unselig-uneinige Opposition zu einem gemeinsam getragenen Misstrauensvotum durchringen kann, und das kann dauern.

Der Abend war in vielerlei Hinsicht erheiternd.

All jenen, die der Auffassung sind, tiefer könne man nicht sinken, sei zum Trost gesagt: "Dann kann es ja von nun an nur noch aufwärts gehen"

Viel Spaß beim Verfolgen der Regierungsbildung!


Fabian Dittrichs Betriebswirtschaftslehre

verbindet auf einzigartige Weise die wissenschaftliche Basis erfolgreichen Wirtschaftens mit den Warnungen des kritischen Verstandes vor den Folgen der totalen Verbetriebswirtschaftung der Gesellschaft.

Ein Buch, das auf das Verständnis der großen Zusammenhänge abzielt und dabei auf die im Studium überrepräsentierten mathematischen Verfahren, Formeln, Diagramme und Statistiken verzichtet. Ein Buch, dass die Grenzen betriebswirtschaftlicher Modelle aufzeigt und in vielen Bereichen auch die Schnittstellen zur Volkswirtschaftslehre behandelt.

Ein Buch, in dem es nicht um die Techniken, sondern um den Sinn betriebswirtschaftlichen Handelns geht. Konzipiert, um Studienabgängern den Übergang in die Praxis zu erleichtern, dabei frei von "wissenschaftlichem Kauderwelsch" und daher in der gesamten Tiefe für jeden Interessenten verständlich.

Wer es einmal gelesen hat, wird es nicht mehr missen wollen. Daher haben wir die 453 Seiten nicht in preiswerter Klebebindung sondern in dauerhaft strapazierfähiger Fadenheftung binden lassen.

 

 

ISBN 978-3-938175-79-8 --- geb. Ladenpreis 32,00 €

zum Online-Shop


Ebenso empfehlensert:

Florian Stumfalls Abrechnung

mit der Woge des Schwachsinns,
die über uns hereingebrochen ist.

 

Holen Sie sich jetzt Ihr Exemplar!


 

Nebenbei bemerkt:

So lange wir uns mit "Kindereien" wie dem Binnen-I beschäftigen lassen, solange wir von stärker Pigmentierten zu sprechen haben, wenn wir Neger meinen, und uns in kraftraubende Diskussionen darüber verstricken lasen, ob es zwischen "wertkonservativ" und "rechtsradikal" nicht vielleicht doch einen Unterschied gibt, werden wir Schwierigkeiten haben, uns mit den wirklich substantiellen Entwicklungen und Problemen auseinander zu setzen.

Haben Sie auch immer öfter den Eindruck, dass das Irrationale im Kampf gegen die Vernunft den Sieg davonträgt? Fürchten Sie, dass über 200 Lehrstühle für "Genderwissenschaften" an deutschen Universitäten im Grunde nur Schwachsinn produzieren können? Brauchen Sie den Beweis dafür, dass nicht Sie spinnen, sondern die anderen? Hier könnten Sie die Lösung finden.

 


LSBTTIQ*-Community (Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Menschen, die sich als Queer verstehen).

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

mehr

 

Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

mehr

 

 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

mehr

 

 Stefan Mekiffer

hat im Hansa Verlag seine Überlegungen darüber veröffentlicht, "Warum eigentlich genug Geld für alle da ist".

Wir haben einige Exemplare davon für Sie auf Lager gelegt.

 

mehr

 

Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

mehr

 

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

Bücherstube

jetzt bestellen

 


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -