hierverbirgtsicheingeheimnis


16. Juni 2017

11.30 Uhr Die Irreführung des Tages

Deutschland sichert 4,8 Millionen Jobs in anderen EU-Mitgliedsstaaten,

so heißt es heute in der Online ZEIT mit Verweis auf eine Studie. Mit etwas Nachdenken kommt man zu einem anderen Schluss, nämlich:

Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit saugt aus dem EU-Ausland
per Saldo die Kaufkraft von 7,7 Millionen Beschäftigten ab.

Die 4,8 Millionen, die hier so grandios herausgestellt werden, sind die Jobs, die per Saldo übrig geblieben sind.

Mit dieser "Erkenntnis" soll die angebliche "Mär" von der schädlichen deutschen Wettbewerbsfähigkeit widerlegt werden, also der maximale deutsche Exportüberschuss nun auch noch als segensreich für die Rest-EU und damit zwangsläufig auch für die ganze Welt erklärt werden.

Denn, so heißt es weiter: "... würde sich die deutsche Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern, würde das die Wirtschaftsleistung in der gesamten EU schwächen."

Dieser Schluss ist so beschränkt, dass nicht einmal die Planwirtschaftsexperten der ehemaligen Sowjet-Union auf die Idee gekommen wären, eine solche Behauptung aufzustellen.

Vollkommen ausgeblendet wird die Tatsache, dass Deutschland seit langer, langer Zeit in ganz erheblichem Umfang mehr exportiert als es importiert.

Das heißt, dass die ausländischen Handelspartner ständig mehr Geld nach Deutschland überweisen müssen als von da zurückkommt. Das wiederum bedeutet, dass diesen Handelspartnern irgendwann das Geld ausgehen muss, was ja in vielen EU-Staaten bereits eingetreten ist, so dass sie sich verschulden müssen, um ihre Rechnungen bezahlen zu können.

Natürlich würden die Regierungen dieser Handelspartner gerne dafür sorgen, dass die von ihnen importierten Waren im eigenen Lande produziert werden, doch das funktioniert in einer Freihandelszone wie der EU nicht, solange der Nachbar Deutschland mit konkurrenzlos billigen Waren in die Regale des einheimischen Einzelhandels drängt.

Wie kommt es nun aber dazu, dass Deutschland konkurrenzlos billig anbieten kann?

Zum Teil liegt das an überlegener Technologie, vor allem in der Fertigungstechnik, zum Teil liegt es daran, dass Deutschland seit 2002 durch die Deregulierung des Arbeitsmarktes ganz massiv die (Lohn-) Kosten gesenkt hat. Zum Teil liegt es daran, dass die im Euro-Verbund steckenden Nachbarn den Außenwert ihrer Währung nicht gegenüber Deutschland abwerten können.

Und wie kommt es, dass Deutschland relativ wenig importiert?

Zum Teil liegt das daran, dass die deutschen Unternehmen auch im Binnenmarkt eine starke Rolle spielen, zum Teil liegt es daran, dass den deutschen Arbeitnehmern aufgrund der Lohnpolitik der letzten beiden Jahrzehnte einfach die Kaufkraft fehlt, um mehr Importgüter abnehmen zu können, und zum Teil liegt es wiederum daran, dass innerhalb des gemeinsamen Währungsgebietes keine Wettbewerbsvorteile durch Abwertungen geschaffen werden können.

 

Nehmen wir nun die 4,8 Millionen Arbeitsplätze, die Deutschland nach den Angaben der Studie in der übrigen EU sichert, näher unter die Lupe, so steht hier die wohlbegründete Annahme im Raum, dass sich für deutschen Importeure in den meisten Fällen durch die Produktion im Ausland ein Kostenvorteil ergibt. Es kauft ja niemand etwas im Ausland ein, was er im Inland billiger haben könnte. Es sei denn, er kann damit dazu beitragen, die inländische Vollbeschäftigung zu vermeiden, die zwangsläufig wieder Lohnerhöhungen nach sich ziehen würde.

Es ist zugleich zu erkennen, dass die mit den angeblich gesicherten ausländischen Arbeitsplätzen erzielten Umsätze wiederum nicht ausreichen, um das Handelsbilanzdefizit gegenüber Deutschland auszugleichen.

Und es darf nicht vergessen werden, dass die Arbeitslosigkeit fast überall in der EU höher ist als in Deutschland, was wiederum die Binnenmärkte der ausländischen Handelspartner in die Knie zwingt und noch anfälliger für Billigexporte aus Deutschland macht.

Ein kurzer Blick auf Frankreich genügt, um festzustellen, was die einzige Chance zu sein scheint, die eigene Volkswirtschaft wieder anzukurbeln: Man muss, wie Macron, den deutschen Weg beschreiten, und die Gewerkschaften entmachten, die Sozialsysteme demontieren und die Arbeitssuchenden damit zwingen, sich auf Nimmerwiedersehen in den neu entstehenden Niedriglohnsektor zu verabschieden.

Unterstellen wir für einen Augenblick, dass dies in Frankreich gelingt. Das Ergebnis wäre eine noch schlimmere Situation für alle wirtschaftlich schwächeren Staaten. Nur dass statt Deutschland nun die deutsch-französische Allianz zu Lasten aller anderen (und des Weltmarktes) mit Exportüberschüssen glänzen würde.

Gehen wir noch einen Schritt weiter und unterstellen, die gesamte EU könnte auf ihren Wirtschaftsfeldern eine der deutschen Wirtschaft vergleichbare internationale Wettbewerbsfähigkeit erreichen ...*)

Richtig. Dann würde sich die Welt außerhalb der EU im Wirtschaftskrieg gegen die EU vereinen. Am einfachsten durch Abwertung der eigenen Währungen, etwas schwieriger durch Strafzölle und andere Einfuhrhindernisse, weil dem bereits viele bi- und multilaterale Freihandelsabkommen entgegenstehen.

Andernfalls müsste die weltweite Wettbewerbsfähigkeit ebenfalls durch Niedrigst- und Null-Lohn-Sektoren hergestellt werden. Offen bleibt, wer die unter solchen Bedingungen hergestellen Produkte noch kaufen sollte.

Es ist nicht nur so, dass Roboter keine Autos kaufen, auch Sklaven kaufen nichts.

Von den 252 Milliarden Euro Exportüberschuss des Jahres 2015 entfielen rund 150 Milliarden auf die die EU. Da die Studie darauf verweist, dass der Großteil der durch deutsche Importe "gesicherten" Arbeitsplätze in Polen beheimatet ist, ist es m.E. angemessen, diese 150 Milliarden dem durchschnittlichen Bruttolohn der Polen (12.000 Euro/Jahr) gegenüber zu stellen. Woraus sich ergibt, dass die Kaufkraft von 12,5 Millionen Europäern durch den deutschen Handelsüberschuss abgesaugt wurde, also den jeweiligen Binnenmärkten verloren ging.

Da dem - nach Angaben der Studie - nur 4,8 Millionen von Deutschland abhängige Arbeitsplätze gegenüberstehen, die Kaufkraft aus Deutschland zurückholen, fehlt den Binnenmärkten folglich die Kaufkraft von 7,7 Millionen Beschäftigten. In der Wirkung entspricht das 7,7 Millionen Arbeitslosen.

*) Das geschieht zwangsläufig, wenn es die EU nicht vorher zerreißt! Ein Blick nach Griechenland genügt, um zu erkennen, wie die EU es darauf anlegt. Im Würgegriff der Überschuldung wird das Land gezwungen, die Bevölkerung Schritt für Schritt in Armut und Arbeitslosigkeit zu treiben, bis die Ansprüche so weit gesunken sind, dass zu Löhnen, niedriger als in China und Vietnam, produziert werden kann.

 


 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

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Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

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 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

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 Stefan Mekiffer

hat im Hansa Verlag seine Überlegungen darüber veröffentlicht, "Warum eigentlich genug Geld für alle da ist".

Wir haben einige Exemplare davon für Sie auf Lager gelegt.

 

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Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

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Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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