hierverbirgtsicheingeheimnis


8. Mai 2017

11.00 Uhr Der Tag der zwei Wahrheiten Frankreichs

Macron folgt auf Hollande. Hollande wurde von den Franzosen gewählt, weil er mit dem Versprechen sozialer Wohltaten angetreten ist. Dieses Versprechen konnte er nicht halten - wofür seine Partei und deren Kandidat Hamon mit lächerlichen 6,36 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang von den Franzosen brutal abgestraft wurde.

Dieses harte Abstrafen nach nur fünf Jahren gebrochener Versprechen steht in deutlichem Gegensatz zum eher milden Abstrafen der Schröder-SPD in Deutschland, wiewohl Schröder die in ihn gesetzten Erwartungen noch krasser enttäuschte, als Hollande. Obwohl es nach offizieller Lehrmeinung zwischen Franzosen und Deutschen keinerlei Unterschied geben kann, weil es sich ja beiderseits des Rheins um vollkommen gleichartige Menschen handelt, ist der Unterschied so signifikant, dass ich doch lieber zu alten, liebgewonnenen Vorurteilen zurückkehre und meine: Die Franzosen sind eben doch emotionaler, spontaner und politisch selbstbewusster als die Deutschen - und gehen dabei gerne auch Risiken ein, wenden sich dem Neuem, Unbekannten, leichter und schneller zu, wohl auch in der Überzeugung, bei nächster Gelegenheit wieder anders entscheiden zu können.

Dass aufgrund des Abstimmungsverhaltens im ersten Wahlgang dann nur noch Emmanuel Macron und Marine Le Pen zur Wahl standen, machte den gestrigen Sonntag zum Tag der zwei Wahrheiten.

Die erste Wahrheit

Ein Drittel der gültig abgegebenen Stimmen (22,5% von 100% der Wahlberechtigten) entfiel auf Marine Le Pen. Das bedeutet, dass mindestens jeder fünfte wahlberechtigte Franzose gewillt ist, Frankreich aus dem Euro und aus der EU im derzeitigen Zustand herauszulösen, also den Traum von der Grande Nation endlich wieder aufleben zu lassen.

Die zweite Wahrheit

Zwei Drittel der gültig abgegebenen Stimmen (43,6% von 100% der Wahlberechtigten) entschieden sich klar gegen Marine Le Pen. Davon einige, weil sie in Emmanuelle Macron jenen "Weißen Ritter" sehen, der Frankreich endgültig ins neoliberale Lager hinüberretten wird, viele, weil sie einfach sein jungenhaftes Lächeln charmant finden - und sehr viele, weil sie nichts anderes wollten, als Le Pen zu verhindern, obwohl sie annehmen, mit Macron zwar das kleinere, aber eben doch auch ein nicht zu unterschätzendes Übel zum Präsidenten gewählt zu haben.

Die dritte Wahrheit wird in wenigen Wochen auf dem Tisch liegen, wenn die Franzosen ihr Parlament gewählt haben werden.

Denn dann geht es für die "Mitte" der Wahlberechtigten nicht noch einmal um die Wahl zwischen Pest und Cholera. Es stehen wieder die viel kleineren Übel zur Wahl. Der Le Pen-Block, also die überzeugten Nationalisten, rechts von der Mitte, werden gegenüber dem Ergebnis aus dem ersten Wahlgang (21,3%) noch einmal gestärkt aus den Parlamentswahlen hervorgehen, unter Umständen sogar knapp das Stichwahlergebnis (33,9%) erreichen. Denn die Stichwahl hat die FN-Wähler darin bestätigt, gar nicht so alleine zu sein, und Macrons Abschneiden stachelt geradezu dazu auf, ihm auch bei der Parlamentswahl Paroli zu bieten.

"En marche" hat hingegen keine Partei-Organisation, keine hinreichende Personaldecke, keine bekannten Gesichter, was den Wahlerfolg schon rein "technisch" erschwert, und, diejenigen, die Macron wählten, um Le Pen zu verhindern, können sich jetzt wieder in ihre angestammte politische Heimat zurückziehen. Das bedeutet nach meiner Einschätzung, dass EM (en marche) deutlich hinter dem Ergebnis Macrons aus dem ersten Wahlgang (24%) zurückbleiben wird. Macron wird, davon gehe ich aus, im Parlament keine eigene Mehrheit hinter sich bringen können.

Um seinen neoliberalen Kurs einschlagen und halten zu können, wird er auf das Mittel des "Dekrets" angewiesen sein. Da sich Franzosen jedoch (siehe Vorurteil oben) leichter emotional aufrühren lassen, muss er mit erheblichem Widerstand "der Straße" rechnen, der sich ggfs. auch schnell zum Generalstreik entwickeln könnte. Hiergegen mit den Mitteln des ja immer noch über Frankreich verhängten Ausnahmezustands vorzugehen, wäre möglich. Macron würde sich damit aber als "Diktator auf Zeit" etablieren müssen, womit bürgerkriegsähnliche Zustände quasi vorprogrammiert wären.

Wenn Macron, und die Kräfte, die hinter ihm stehen, das verhindern wollen, sind ein vorzeitiges Ende der Präsidentschaft und Neuwahlen zu erwarten.

Legen sie es allerdings darauf an, was durchaus möglich ist, muss damit gerechnet werden, dass die längst geschaffene EU-Truppe zur Aufstandsbekämpfung (Eurogendfor) erstmals ein Blutbad unter Europäern anrichten darf.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bücherstube
Bücherstube


Druckfrisch lieferbar

jetzt bestellen
(später geb. Ladenpreis: 32,00 €)

 


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -