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26. April 2017

09.30 Uhr G20 Damenprogramm - Macho-Ansichten

Früher war es die Rolle der auf Staatskosten mitreisenden Damen, sich abseits der Treffen der großen Anführer auf Besichtigungstour zu begeben und beim Kaffee im Schlosshof mit Udo Jürgens "... aber bitte mit Sahne..." zu stöhnen.

Das war eine Verabredung zur allgemeinen Zufriedenheit. Die Herren hatten ihren Gipfelspaß und die Damen waren in guter Obhut und konnten nicht -allein zu Haus - auf dumme Gedanken kommen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Landschaftsgenuss, Kulturdarbietungen und Kaffeetrinken mit sorgfältig abgespreiztem kleinem Finger sind nicht mehr genug. Ein Jahrhundert nachdem Emmeline Pankurst in Großbritannien die "Women's Social an Political Union" aus der Taufe gehoben hat, haben die Suffragetten nicht nur ihre eigene Fußball-Weltmeisterschaft, von der böse Zungen behaupten, es handle sich um zweimal 45 Minuten Zeitlupe - sondern auch ihren eigenen großen G20-Gipfel.

So hat sich diesmal also Ivanka Trump mit Angela Merkel getroffen, um der Deutschen klar zu machen, dass der amerikanische Selfmademan nicht frauenfeindlich sei, und um bei Siemens in Berlin die Auszubildenden zu inspizieren und dabei die Frage anzureißen, ob die USA nun selbst ein Duales System entwickeln sollen, oder ob Joe Kaeser den Export freiwillig managen wird.

Es sollen sich neben Ivanka und Angela noch andere Frauen getroffen haben, auf diesem G20-W-Gipfel (auch als W20-Gipfel oder Women20-Gipfel bezeichnet), doch deren Rolle fand in der Berichterstattung nur pauschale Erwähnung, wie auch mit der Nennung weiterer Namen durchaus gegeizt wurde.

Dem aufmerksamen Beobachter konnte allerdings nicht entgehen, dass der Schlachtruf des 1917-W20-Summits "Inklusion" lautete.

Der Begriff sollte nun allerdings nicht in seiner üblichen Bedeutung verstanden werden, da geht es nämlich darum, dass Menschen mit Behinderung selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können sollen, sondern in der Frauenversion, wo er soviel bedeutet, wie: "Lasst uns sofort mitspielen, ihr verdammten Machos!"

Wenn die Machos dies wollten, wäre es kein Problem, einen "normalen" G20-Gipfel zu veranstalten und diejenigen Frauen, die daran teilnehmen wollen, einfach teilnehmen zu lassen. Doch die Machos haben halt ganz andere Themen zu bekakeln als die Frauen.

Da geht es um geostrategische Positionierung, um Militärbudgets und Aufmarschpläne, es geht auch schon mal um Protektionismus und Gegenmaßnahmen, um Währungsverwerfungen und Außenhandelsüberschüsse, vermutlich auch darum, wie man als die Repräsentanz des oberflächlichen Staates die Vorgaben des tiefen Staates optimal umsetzen kann. Macho-Spielchen halt.

Wie soll man da die ohnehin knappe Zeit eines solchen Gipfels noch mit der Vielschichtigkeit des Inklusions-Themas teilen?

Welcher Mann versteht schon, warum sich Frauen wünschen, dass der Anteil der Frauen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, steigen soll, wo sie ihren eigenen Scheiss-Job doch lieber heute als morgen gegen den faulen Lenz des Hausmannes eintauschen würden? Und wer versteht schon, warum diese einigermaßen verrückte Zielsetzung den noch verrückteren Namen "Inklusion von Frauen auf dem Arbeitsmarkt" tragen soll?

Dann das Ding mit der "Finanziellen Inklusion von Frauen". Was ist "weibliches Unternehmertum"? Müsste das nicht "Unternehmerinnentum" heißen? Wieso brauchen Frauen einen eigenen, besonderen Zugang zu Kapital? Und wie, bitte, soll "die volle Geschäftsfähigkeit" für Frauen gefördert werden? Reicht es nicht, dass grundsätzlich jeder Mensch geschäftsfähig ist, und dass die wohl begründeten Ausnahmen davon in den §§ 104 ff BGB beschrieben sind? Klar, nicht überall gilt deutsches Recht, aber da muss man dann in den nationalen Parlamenten drüber diskutieren...

Vollkommen unverständlich wird es bei der Forderung nach "Digitaler Inklusion für Frauen". Es ist ja schon fraglich, ob es nun Inklusion "für" oder "von" Frauen heißen muss, doch zu erkennen, dass es im digitalen Bereich eine Kluft zwischen den Geschlechtern gäbe, die verringert werden soll, macht ja selbst mich stutzig.

Digital, das ist "1" oder "0". Dazwischen ist kein Platz für die Inklusion von "Frau", da streikt die CPU. Und nachweislich ist das Verhältnis zwischen "1" und "0" im digitalen Bereich sehr ausgeglichen, wobei nicht unerwähnt gelassen werden soll, dass hier nicht, wie bei Yin und Yang, die "1" das männliche und die "0" das weibliche Prinzip verkörpert, sondern dass "digital" mit "Gender" überhaupt nichts zu tun hat.

Blöd wäre es, jetzt zu formulieren:

"Ich habe ja nichts gegen die Gleichberechtigung, aber ..."

Nein. Ich habe in meinem aktiven Berufsleben mit einer ganzen Reihe von Frauen gut zusammengearbeitet. Ob es schon in den späten 70er-Jahren darum ging, aus meiner betriebswirtschaftlichen und ihrer informationstechnologischen Sicht eine Datenbankstruktur für eine neuartige Großanwendung zu entwickeln, Eva R. und ich arbeiteten vollkommen gleichberechtigt und uns ergänzend erfolgreich zusammen, und das ging über die Jahre so weiter, bis in die späten 90er, als es darum ging, die Grundlagen für ein Image-gestütztes Workflow-System zu erarbeiten, Doris E. und ich arbeiteten ebenso gleichberechtigt und uns ergänzend erfolgreich zusammen.

Die Fragen, die heute den W20-Gipfel dominieren, existierten nicht, und ich gehe davon aus, dass sie auch weiterhin da nicht existieren, wo Frau und Mann auf Augenhöhe miteinander arbeiten.

Frauen können heute jeden Beruf - "kath. Priester" ausgenommen - ergreifen. Und sie tun es auch, und wenn der Beruf zu ihnen passt, dann sind sie da auch erfolgreich. Dass es immer noch typisch männliche und typisch weibliche Berufe gibt, liegt daran, dass es eben doch geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

Dass der Frauenanteil unter den Erwerbstätigen kleiner ist als der der Männer, ist auf die gleiche Ursache zurückzuführen und hat einiges mit dem hochgelobten höchsten Gut, der Keimzelle des Staates, nämlich der "Familie" zu tun.

Auf leergefegten Arbeitsmärkten können Paare selbstverständlich untereinander entscheiden, ob er oder sie arbeiten geht, ob er oder sie sich um Haushalt und Kinder kümmert. Solange es nur Jobs für einen gibt, oder solange das Einkommen eines Partners ausreicht, sind das freie Entscheidungen. Dass diese Entscheidungen in der Mehrzahl so ausfallen, wie sie ausfallen, sollte man als empirische Erkenntnis akzeptieren, statt aus ideologischen Erwägungen heraus dagegen zu protestieren.

So, und nun noch ein paar Sätze zu den Männern. Unter allen erwerbsfähigen Männern gibt es nur ganz wenige Spitzenverdiener in höchsten Positionen. Es gibt eine Schicht von Führungskräften im mittleren Management, doch die allermeisten machen für wenig Geld einen miesen Job. Aber längst nicht alle dürfen arbeiten, denn es gibt deutlich weniger Arbeitsplätze als Arbeitswillige.

Auch zwischen berufstätigen Männern aller Einkommensgruppen gibt es ein erhebliches PayGap, also einen Unterschied in der Bezahlung, obwohl sie den gleichen Job machen. Einstellungsgehälter, Gehaltserhöhungen, Tarifsprünge, das sind alles Faktoren, die primär von den Arbeitgebern bestimmt werden, wo es auch in Bezug auf das Personal heißt: "Im Einkauf liegt der Gewinn!"

Da können sich übrigens Unternehmerinnen nicht anders verhalten als Unternehmer. Wirtschaften im Kapitalismus zwingt dazu, persönliche Schwächen von Mitarbeitern in Kostenvorteile für das Unternehmen umzumünzen. Wer nicht den Mut aufbringt, ggfs. mit der Kündigung zu drohen, dessen Gehalt bleibt länger niedrig.

Zuletzt noch die weitverbreitete Auffassung, Frauen müssten besser sein als Männer, um deren Job zu erhalten. Das ist zweifellos richtig. Doch hier wird in der Diskussion stets eine vollkommen falsche Prämisse gesetzt.

Wenn ein Arbeitsplatz zu besetzen ist, dann wird der Arbeitgeber Wert darauf legen, den am besten geeigneten Bewerber einzustellen. Daraus folgt automatisch, dass ein Mann den Job erhält, wenn er besser geeignet ist, als die beste weibliche Bewerberin, und, dass die weibliche Bewerberin besser sein muss, als der beste Mann, der sich um den Job beworben hat, wenn sie den Zuschlag bekommen soll.

Warum, zum Beispiel, ist Andrea Nahles nicht von der SPD zur Kanzlerkandidation gewählt worden? Gut, kann sein, sie wollte nicht, aber wenn sie von der SPD als die geeignetste Bewerberin angesehen worden wäre, hätte man sie sicherlich dazu überreden können.

Von Hannelore Kraft wissen wir, dass sie mit ihrem Job im mittleren Management zufrieden ist und nicht nach einem Amt im Bund strebt.

So, wie es in der Politik ist, ist es auch im richtigen Leben. Der, die, das Bessere ist der Feind des Guten - und wer nicht will, der hat schon.

... und solange es auf W20-Gipfeln immer nur um das eine Thema geht, nämlich um das Recht auf einen Frauenbonus, so lange werden die Männer auf den G20-Gipfeln - von Ausnahmen abgesehen - unter sich bleiben.

Alles Machos!

 

 

 

 

 

 

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Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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