hierverbirgtsicheingeheimnis


7. April 2017

10.30 Uhr Glückwunsch, Donald! Endlich machst Du etwas richtig!

Die freie Presse der freien Welt, dem freiesten Präsidenten des freiesten Landes der Welt freiwillig unterstellt, kann endlich tief durchatmen. Donald Trump hat es getan.
Ob er seinem chinesischen Gast Xi, gemeinsam vor einem Großbildbildschirm Tee trinkend, Live-Bilder vom Einschlagen der 59 Marschflugkörper zeigen konnte, ist nicht überliefert, aber es wäre sicher eine total gute Showeinlage gewesen, um über das wirtschaftliche Kräftemessen hinaus auch den militärischen Arm der Republikanischen Partei auf den Verhandlungstisch zu legen.

Keine Frage, es muss betont werden, dass es in Fragen von Krieg und Krieg keine langen Untersuchungen und Gerichtsverhandlungen geben kann. Verantwortungsbewusste Generäle wissen, dass, wer zu erst schießt, die besseren Chancen hat. Das haben sie von Kindesbeinen an vor dem Fernseher in tausenden von Western-Helden-Verehrungsfilmen so aufgenommen. Und es stimmt ja auch. Nur ein toter Gegner ist ein guter Gegner.

Das Szenario erinnert fast bis aufs kleinste Detail an den Beginn der Angriffe auf den Irak. Auch da musste aus humanitären Gründen von Kriegsschiffen aus mit Marschflugkörpern das Schlachtfeld übersichtlich gestaltet werden. (Böll: Billard um halb zehn, Schussfeld!).

Nun fehlt nur noch die Gegenwehr, um auch wirklich richtig zuschlagen zu können.

Da käme doch ein Torpedo-Angriff auf einen der beiden Zerstörer gerade recht. Von einem U-Boot unbekannter Nationalität aus abgefeuert, wobei selbstverständlich alle am nächsten Tag ins Seegebiet entsandten Experten an den Resten des Geruchs des Pulverdampfes feststellen werden, dass es sich zweifellos um einen Torpedo russischer Bauart handelt, wie er auch von der geheimen U-Boot-Flotte Syriens verwendet wird, doch sei es absolut ausgeschlossen, dass sich am fraglichen Tag ein syrisches U-Boot in Schussweite befunden haben könne, so dass es sich um einen ungeheurlichen und feigen Angriff Russlands gehandelt hat, was sich auch alleine daraus ableiten lässt, dass Russland schon das Zustandekommen der Syrien-Resolution der UN mit einem Torpedo gleicher Bauart torpediert hat.

Glückwunsch, Mister President!

Mit dieser Großtat haben Sie endlich die gespaltene Nation wieder einigen können. Mit dieser Großtat gibt es keinen Grund mehr, die Anhebung der Schuldengrenze zu verweigern. Schließlich ist Krieg - und im Krieg ist jedes Mittel recht, auch wenn es frisch gedruckte Dollarscheine sind.

Der Vergeltungsschlag auf den uralten russischen Flugzeugträger fehlt noch. Sie könnten dabei versehentlich die gesamte Nordmeerflotte vernichten. Eine kleine taktische Atombombe auf Sapadnaja Liza und die Sache ist geritzt. Dann muss der Putin was tun, dann muss er mit schrecklichen Kriegsverbrechen antworten.

Dann ist er endlich da, wo ihn die ganze freie Welt, samt der ganzen freien Presse schon so lange haben will. Immer wieder ist der trickreiche Fuchs der Falle ausgewichen, immer wieder hat er der ganzen freien Welt eine lange Nase gezeigt. Jetzt ist er reif!

Damit wird auch die Vergrößerung und Aufrüstung der Bundeswehr zur Herzenssache von Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier. Warum nur 2% BIP? 100% BIP für den Sieg, das ist im Krieg und unter Kriegsbedinungen das Mindeste!

Ich kann diese Scheiße nicht weiterschreiben.

Es kotzt mich an.

 

Mission accomplished.

 


10.30 Uhr Giftgas

Syriens Armee verfügte über chemische Kampfstoffe. Als die USA Syrien deswegen angreifen wollten, das war 2013, schlug Putin vor, diese Kampfstoffe vernichten zu lassen und Assad stimmte dem zu. Ein Spezialschiff übernahm diese Aufgabe. Der Kriegsgrund war entfallen, der "Kleinkrieg" in Syrien ging weiter.
 
Als dieser terroristische Kleinkrieg nicht aufhören wollte, obwohl sich jede Menge selbsternannter Krieger gegen den Terrorismus im syrischen Luftraum tummelten, entsandte Putin eigene Truppen nach Syrien, die um einiges erfolgreicher operierten. Natürlich verübten sie im Kampf um Aleppo schreckliche Verbrechen, die Tagesschau berichtete täglich ausführlich, doch am Ende war die Stadt befreit. Der Versuch der US-geführten Allianz, die irakische Stadt Mossul vom IS zu befreien, geht mit ebenso schrecklichen Verbrechen einher, die Tagesschau berichtet zurückhaltend, aber auch nach einem Jahr ist halb Mossul immer noch in den Händen der Terroristen, die es seinerzeit innerhalb weniger Tage unter ihre Kontrolle bringen konnten.
 
Das Kriegsglück ist eben nicht jedem hold.
 
Können wir davon ausgehen, dass Putin, Assad und Rohani, jene drei Männer, die ein Interesse an Syrien haben, das den Interessen des IS und der internationalen Koalition, samt ihren so genannten "gemäßigten" Terroristen, die in Syrien kämpfen, entgegensteht, können wir davon ausgehen, dass diese drei Männer ausreichend strategischen Verstand besitzen, um alles zu vermeiden, was die USA veranlassen könnte, in Syrien ebenso einzufallen, wie 2003 in den Irak?
 
Glaubt man den derzeit verbreiteten Meldungen und Meinungen, dann verfügen sie über keinerlei Verstand, denn sie haben, obwohl dies von Donald Trump und sämtliche Tauben und Falken in den USA quasi als Aufforderung zum Tanz verstanden werden muss, schon wieder Giftgas eingesetzt. Was versprechen die sich bloß davon? Glauben sie ernsthaft, sie könnten der geballten Macht der US-Kriegsmaschinerie widerstehen, ohne die Welt in den großen Atomkrieg zu stürzen?
 
Himmelarschundzwirn! Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank.
 
Man darf das Undenkbare gar nicht denken, aber es drängt sich ganz massiv auf: Wenn Assad es nicht war, wenn Putin es nicht war und es auch Rohani nie zugelassen hätte, wer war es dann?
 
Wer hat einen Vorteil davon?
 
Ist es ein Vorteil, die Übermacht des Gegners einzuladen?
 
Die aktuell von Russland verbreitete Version, es sei eine Chemiefabrik getroffen worden, in welcher die Terroristen ihr eigenes Giftgas produzieren, zeugt von diplomatischer Vorsicht. Man widerspricht der Behauptung, Giftgas eingesetzt zu haben, ohne zu behaupten, es habe sich um eine false flag aktion von anderer Seite gehandelt.
 
Das muss natürlich niemand glauben. Seit wann sind Terroristen in der Lage, Giftgas zu produzieren. Natürlich war es Assad. Der hat sich ein paar Kanister von dem Teufelszeug aufgehoben. Schließlich will er unbedingt von dem Amis aufgehängt werden, wie Saddam Hussein.
 
Oder es waren die Russen. Die wollen ja auch endlich ihre teuren Stützpunkte am Mittelmeer verlieren, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Mit ein bisschen Krieg ist ein ehrenhafter Abzug möglich. Ohne Krieg wäre das eine Schande.
 
Oder es waren die Iraner, die schon so lange auf der Liste der Kriegsziele stehen, dass sie - wie ein Verurteilter im Todestrakt - einfach die Angst vor dem zugesicherten Tod nicht mehr länger ertragen wollen und sich lieber beim Ausbruchsversuch erschießen lassen.
 
Das ist alles viel plausibler als der undenkbare Gedanke, dass die Amis da - mit Hilfe ihrer Verbündeten - gezündelt hätten. Nein. Die haben das doch gar nicht nötig. Es ist auch absurd anzunehmen, dass es in den USA Mächte geben könnte, die den neuen Präsidenten, der ja vor ein paar Tagen geäußert haben soll, dass er Assad gar nicht mehr hängen sehen will, dass also finstere Mächte ein Spiel spielen um die Meinung ihres noch nicht auf Linie getrimmten Präsidenten zu verändern.
 
Verschwörungstheorien. Nichts als Verschwörungstheorien.
 
Und damit das endlich aufhört, mit dem Ärger in Syrien, sollte man das ganze Land einfach platt machen. Dann ist auch die Frage der territorialen Ansprüche auf die Golan Höhen geklärt und der IS kann endlich damit beginnen, den Iran zu destabilisieren.
 
Falls zwischenzeitlich verändert: So las man das um 10.23 Uhr:
 
Die Regierung der USA positionierte sich eindeutig und gab die Schuld dem Assad-Regime. Der Sprecher von Präsident Donald Trump, Sean Spicer, sagte jedoch, Amtsvorgänger Barack Obama habe eine Mitverantwortung. Trump schloss sich dem später in einer Mitteilung an. Obama habe solche Angriffe mit seiner Tatenlosigkeit schließlich erst möglich gemacht.
 
 
 
 
 
 

 

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 

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Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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