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Närrischer Kopfstand

28. Februar 2017

08.00 Uhr Fasenachtsvision

Das Traurige am Faschingsdienstag ist nicht, dass die Zeit der temporär Närrischen damit zu Ende geht, dass die Masken fallen müssen und darunter diejenigen zum Vorschein kommen, die sich für den Fasching in Fantasiekostüme gehüllt haben. Nein.

Das Traurige am Faschingsdienstag ist, dass die permanent Närrischen mit Anbruch des Aschermittwochs nicht demaskiert werden können, und, dass trotzdem ab dann kaum mehr einer wagt, über sie zu lachen.

Gute Büttenredner und gute Kabarettisten zeigen in ihren Auftritten exemplarisch, dass viele der "Größen" und "Eliten" im Grunde ganztags zum Brüllen Komisches von sich geben.

Wie schön wäre es doch, stünde dem Präsidenten des Deutschen Bundestags ein Sitzungskomittee in ordensgeschmückten Uniformen zur Seite, das jederzeit die Wiedergabe des Narhalla-Marsches auslösen kann, wenn das schläfrige Plenum wieder einmal eine Knaller-Pointe nicht erkannt hat, oder ins Smartphone versunken im Sessel lümmelt?

Wie schön wäre es doch, würden in der heute Sendung kleine animierte Mainzelmännchen über den Tisch des Moderators tollen und "Helau, helau, helau" krähen, wenn Klaus Kleber seine Stimmungsraketen gegen Putin oder Trump startet?

Wie schön wäre es doch, gäbe es in der Tagesschau einen dritten Mann am Set, der in der Rolle des Hofnarren die Schellen an der Narrenkappe klingeln lässt, wenn die so genannte "Tendenz" ohne Vorwarnung zur eingeseiften Rutschbahn ins total Peinliche verkommt?

Die gerne in Anspruch genommene Seriosität ist doch sowieso überall nur noch eine Leihgabe der beeindruckenden Kulissen. Kann man die nicht ebenso weglassen, wie die Neutralität, die umfassende Berichterstattung und die nicht opportunen Meldungen?

Gerade zu göttlich würde ich es finden, würde man, statt "Die Anstalt" einmal im Monat an einem Dienstagabend spät ins Programm zu hieven, dem Anstaltspersonal die Gelegenheit geben, in der Rolle von Co-Moderatoren jede Nachricht direkt und live zu kommentieren!

Wetten, dass da manches Mal im Studio auf offener Bühne wahre Saalschlachten ausbrechen würden?

Da käme tatsächlich so etwas wie lebhafte "Diskussionskultur" zum Vorschein.

Jeden Abend ein paar Millionen Zuschauer mit der Redaktionsauffassung zu berieseln und einmal im Monat einen Bruchteil davon in der Form des politischen Kabaretts mit den Gegenmeinungen zu versorgen, das hat doch mit der viel gepriesenen "Ausgewogenheit" nun wirklich nichts mehr zu tun. Zumal das Kabarett ja längst für alles in die Bresche springen muss, was der klägliche Rest einer real existierender Opposition alleine schon wegen der Redezeitbegrenzung überhaupt nicht mehr adäquat auszusprechen in der Lage ist.

Wie gesagt, es ist eine Fasenachtsvision.

Aber so sehr ich auch in der Vorstellung schwelge, immer wenn Herr Laschet die Welt erklärt, von einer klugen Regie einen karnevalistischen Tusch eingespielt zu bekommen, Horst Seehofer, immer wenn er eine Drohung gegen die CDU ausstößt, im Robin Hood Kostüm zu sehen, der nach den Takten des Narhalla-Marsches im Rückwärtsgang wieder von der Bühne huscht, Angela Merkel, immer wenn sie sagt: "Ich habe schon immer gesagt", zugleich triumphierend in eine Kindertröte blasen zu sehen: Es wird wohl nichts draus werden. Wozu also noch tausend weitere Beispiele anführen, mit denen die Frustration nur noch wachsen würde?

Der Zug ist durch. Die Figuren auf den Wagen werden, nachdem sie durch die Straßen und durch den Kakao der Fröhlichkeit gezogen wurden, wieder in ihre Bestandteile zerlegt - und morgen ist - ach wie bald - schon wieder Aschermittwoch.

Jener Tag, an dem vor allem in bayerischen Hallen und Bierzelten der Nachweis angetreten wird, wie schwer sich heutige Berufspolitiker damit tun, Hobby-Karnevalisten in der Kunst des Büttenredens das Wasser zu reichen.

Wer ist da eigentlich für das Casting zuständig?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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