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5. Januar 2017

13.00 Uhr Was ist faul an Nafri?

Eine Abkürzung macht Schlagzeilen und gerät in den Bereich verbotsbewehrter Hass-Sprüche. Noch ist die Diskussion offen, doch nach ersten Rückziehern rücken die Vertreter der Auffassung, diese Abkürzung zu verwenden sei der Beginn eines Völkermordes, ihre Barrikaden wieder zurecht. Es besteht kein Zweifel, "Nafri" wird bald ebenso bäh sein wie der Negerkuss und das Zigeunerschnitzel.

Dabei bleibt unklar, wogegen sich der Aufstand der Ehrbaren richtet.

  • Es gibt nordafrikanische Länder, die nach wie vor, ohne deren Bewohner zu diskriminieren, so genannt werden dürfen.
  • Die Menschen, die aus nordafrikanischen Ländern stammen, sind Nordafrikaner, auch das war bis Silvester eine durchaus zulässige Bezeichnung.
  • Menschen, die immer wieder strafbare Handlungen begehen, nennt man Straftäter.
  • Für solche, die sich dabei in keiner Weise durch Recht und Gesetz und schon gar nicht durch die Polizei behindern lassen wollen, wurde der Begriff des Intensivstraftäters geschaffen.
Eine zeitlang habe ich vermutet, es könne daran liegen, dass mit Nafris oder eben, ausgeschrieben, nordafrikanischen Intensivstraftätern, wieder nur Angehörige des erziehungsbedingt erworbenen männlichen Geschlechts gemeint sein könnten und dass sich nordafrikanische Intensivstraftäterinnen diskriminiert fühlen könnten. Aber so weit das Auge reicht, war wohl keine nordafrikanische Intensivstraftäterin auf dem Kölner Bahnhofsplatz zu sehen.
 
Dann ist mir eingefallen, dass es unter den Straftätern womöglich Schwule und Transgender und wer weiß was alles noch gegeben haben könnte, die nicht explizit zu nennen, deutschgrünen Tugendwächtern übel aufgestoßen ist. Auch das habe ich verworfen. Die Nordafrikaner outen sich eher ungern - und die sich geoutet hätten, hätten sicherlich nicht mitgedurft, zum Silvestertreffen.
 
Es muss also daran liegen, dass hier nur eine regionale Gruppe benannt wird, während die sächsischen, die sachsen-anhaltinischen, die mecklenburg-vorpommerschen, die englischen und italienischen, die französischen, die us-amerikanischen, die tschechischen und russischen, ja selbst die monegassischen und vatikanischen Intensivstraftäter unerwähnt blieben, was ganz klar rassistischen Charakter haben könnte, wären die anderen denn auch alle straftatsbereit und angetrunken angereist. Das war aber anscheinend nicht der Fall. Es mögen zwar Menschen aus aller Herren Länder zu Silvester in Köln geweilt haben, Zusammenrottung und straftäterisches Verhalten war von diesen aber eher nicht erwartet worden und auch nicht an den Abend gelegt worden.
 
Es bleibt nur ein Argument übrig, und das ist die Abkürzung als solche. Indem den nordafrikanischen Intensivstraftätern mit der Abkürzung der Anspruch auf die volle Nennung ihrer polizeiinternen Benennung genommen wird, wird ihnen auch ihre Würde geraubt. Einen 37 Zeichen langen Namen böswillig auf 5 - im Plural 6 - Zeichen zusammenzustreichen, lässt von der Vielfalt, die dahinter steckt, nichts mehr erkennen. Die nordafrikanischen Intensivstraftäter werden so zu einer gesichts-, namen- und würdelosen Masse umgeformt, der nichts Menschliches mehr zugebilligt wird, so dass auch sämtliche Hemmschwellen des Mobs fallen und die Lynchjustiz geradezu ermuntert wird.
 
Nun ja, es könnte auch sein, dass (und die PISA-Ergebnisse in Sachen Sprachverständnis) weisen darauf hin, dass nur ein Missverständnis vorliegt. Dass es gar nicht um die Abkürzung geht, sondern darum, dass die Ehrbaren der vollen Überzeugung sind, wer "nordafrikanische Intensivstraftäter" sagt, wolle damit doch zweifelsfrei zum Ausdruck bringen, alle Nordafrikaner seien Intensivstraftäter, es würden also alle Menschen von Marokko bis Ägypten mit den 2.000 in Köln angetanzten Intensivstraftätern in einen Sack gesteckt. Da kommt dann auch gleich wieder "Kein Mensch ist illegal!" zum Vorschein und natürlich Angela Merkel, mit ihrem letzten Rettungsanker, dem Artikel I des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."
 
Ja, es wäre schön, wenn dem so wäre. Eine unantastbare Würde kann schließlich auch durch Antanzen, durch Diebstahl, durch Vergewaltigung nicht angetastet werden, sie kann ebensowenig durch Einkesselungen, Inhaftierungen, ja nicht einmal durch Folter angetastet werden. Sie kann durch Kriege nicht angetastet werden und nicht durch Beleidigungen und Verleumdungen.
 
Da es eine solche unantastbare Würde aber nicht gibt, müssen wir uns eher darauf besinnen, dass damit gemeint sein könnte: "Die Würde des Menschen darf nicht verletzt werden!" Dann kehrt sich der Artikel I nämlich zuerst nicht gegen diejenigen, die nordafrikanische Intensivstraftäter so nennen, oder dafür eine zweckdienliche Abkürzung verwenden, sondern gegen diejenigen, die als nordafrikanische Intensivstraftäter die Würde der Menschen ihres Gastlandes grob missachten und antasten.
 
Und außerdem war es ja gar nicht so schlimm.
Es ist - im Vergleich zum Vorjahr - ja gar nichts weiter passiert.
 
Die Argumentation ist praktisch. Sie soll in Schilda dazu geführt haben, dass man die Ampeln und Vorfahrtszeichen von sämtlichen Kreuzungen entfernt hat, die überflüssige erschienen, weil ja ein ganzes Jahr lang gar nichts passiert ist.
 
Die gleichen Schildbürger prügeln jetzt auf die Polizei ein, weil die Polizei die nordafrikanischen Intensivstraftäter beobachtet und aufgehalten hat, was - wie sich herausstellte - vollkommen überzogen war, weil ja gar nichts passiert ist.
 
 
Manchmal denk ich mir, dass Dummheit weh tun müsste.
Tut sie auch, aber leider meistens denen, die nicht dafür verantwortlich sind.
 

 

 


 

 

 

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Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

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