Paukenschlag
am Donnerstag
No. 42 /2017
vom 30. November 2017


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


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Die Lalen

Ein Büchlein ist mir geschenkt worden, antiquarisch zwar, doch sonderbar aktuell.
(Vielen Dank, liebe Ingrid M.!)

Erzählt werden die Geschichten der Lalen zu Lalenburg, gemeinhin bekannt als "Schildbürger".

Die Lalen waren einst die Meister der Großprojekte. Alleine der Bau ihres neuen Rathauses soll länger gedauert haben als Elbphilharmonie, Stuttgart 21 und BER bisher zusammen, doch am Ende stand bei den Lalen - im Buch auf Seite 68 - folgende Einsicht:

Da erinnert er sich mit einem tiefen Seufzer seiner früheren Weisheit, der sie sich alle entschlagen hatten, tritt wieder hinein und spricht: "Na also, ihr lieben Nachbarn, mit Verlaub ein Wort zu reden."

Als ihm solches verstattet wurde, sprach er ferner also: "Na, sind wir aber nicht gedippeldoppelgebohrte Narren? Ich frage euch alle darum. Es zeigt sich wohl - um von unserer alten, abgeworfenen Weisheit hier etwas einzuflicken - welch ein kräftig Ding es sei, wenn einer eine andere Gewohnheit annimmt als er zuvor gehabt, dass nämlich die gute Gewohnheit, die er zuerst von der Natur empfangen, unterdrückt und abgetan und die angenommene, vornehmlich wenn sie böse ist, an ihre Stelle tritt und also consuetudo altera natura wird. Wir haben uns eine närrische Weise angenommen, die wir doch von Natur aus allezeit weise und verständige Leute gewesen, und nun, siehe, solche angenommene Weise schlägt uns recht in die Art und die treibt die erste Art aus, so dass - wie wir zuvor von Art und Geburt weise gewesen - es nun dazu kommt, dass wir von Art und Geburt her Toren und Narren sind und solche Unart nimmermehr werden fallen lassen. Wir haben so ängstliche und üble Zeit mit unserem Rathaus, wenden Kosten an und geraten dazu in große Verachtung, damit wir nur den Mangel finden und verbessern können, und keiner von uns ist jemals so witzig gewesen, dass er hätte gesehen, dass wir an das Haus keine Fenster gemacht haben, wodurch das Licht hereinfallen könnte."

Diese Sätze empfand ich als überaus tröstlich, machen sie doch Hoffnung, dass sich selbst unter den größten Narren immer wieder einer findet, der die Narretei erkennt und sie benennt und damit zu beenden vermag.

So, wie es dieser Tage in Frankreich geschehen ist. Der französische Regierungschef, Edouard Philippe, hat das Ende der gendergerechten Sprache eingeläutet. Verständlichkeit bekommt wieder Vorrang vor Empfindlichkeiten. Gender-neutrale Konstruktionen sind in amtlichen Schreiben ab sofort verboten.

Bravo! Chapeau!

Leider dauert es gewöhnlich sehr lange und bedarf womöglich einer französischen Besatzung, bis sich linksrheinische Erkenntnisse gegen bei uns heimisch gewordene US-Moden durchsetzen. Unsere Lalen lallen gendergerecht weiter, schon alleine, damit den 200 Gender-Professuren an deutschen Universitäten nicht auch noch der Rest ihrer Existenzberechtigung abhanden kommt.

Kaum anders als im Lalenburger Rathaus nach Wiedererrichtung des Daches, geht es derzeit auch im Berliner Reichstag unter der Glaskuppel zu. An Tageslicht fehlt es (tagsüber) zwar nicht, wohl aber an Erleuchtung!

Statt einen Kanzler zu wählen, wie es das Grundgesetz vorsieht, starren die Parlamentarier wie das Kaninchen auf die Schlange auf Angela Merkel und warten darauf, dass die sich erneut zum Kanzler ernennt. Aus unerfindlichen Gründen findet Frau Dr. Merkel jedoch ausgerechnet das nicht wieder, was sie dazu bräuchte, nämlich ihre Mehrheit.

Statt sich einzugestehen, dass sie die Mehrheit verloren hat, umkreist sie den Lichtkegel der Laterne eins ums andere Mal, weil sie als Physikerin davon gehört hat, dass es sich bei Licht besser sucht als im Dunkeln. Dass sich das Gesuchte allerdings nicht zwangsläufig da finden lässt, wo das Licht hinfällt, entspricht nicht den Lehrsätzen ihrer Fakultät. Dort gilt, nach den Gesetzen der Quantenphysik, dass das beobachtete Ereignis stets und ausschließlich von den Erwartungen des Experimentators bestimmt wird. Also erwartet sie das Auftreten des getreuen Homunkulus Schulz und seine mehrheitsbeschaffende Zustimmung.

So, wie es aussieht, wird ihr die Quantenphysik doch wieder recht geben. Spätestens heute Abend, bei Steinmeier und Riesling, wird sich die Welle des Schulz-Hypes definitiv in jenes Partikelchen wandeln, das ihr zur Fortsetzung ihrer Kanzlerschaft noch fehlt.

Schließlich, so kommt es mir jedenfalls vor, will sie in Berlin so lange die Stellung halten, bis der Hauptstadtflughafen feierlich eingeweiht worden sein wird, damit ihr niemand einst nachsagen könne, sie habe ihrem Nachfolger ein halbfertiges Projekt hinterlassen, weil sich das mit ihrem Wahlspruch "Wir schaffen das!" niemals vereinbaren ließe.

Dabei hat sie im Augenblick die besten Chancen, noch sehr viel mehr zu schaffen. Ihr bayerischer Pro- und Kontrahent Seehofer steht kurz vor der Abdankung, die von Markus Söder vorbereitet und und am Montag ins Werk gesetzt werden soll, wobei Ähnlichkeiten mit dem zweiten Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 nicht zu übersehen sind. D.h., Seehofer wird zwar aus dem Fenster geworfen, aber nahezu unverletzt als Parteivorsitzender wieder aufstehen können, alle, außer den beinharten Franken werden Söder die Gefolgschaft aufkündigen, weshalb Herrmann neuer bayerischer MP werden wird. Damit ist erneut der Fehdehandschuh von Schwaben, Oberpfälzern, Ober- und Niederbayern in Richtung Franken geworfen, was durchaus als der Beginn eines 30-jährigen Bruderkrieges zwischen protestantischen Nord-Christsozialen und katholischen Süd-Christsozialen angesehen werden kann, an dessen Ende die bundesweit agierende CDU als lachende Dritte das Wählerfeld abernten wird.

Bis dahin dürfte dann auch die Dekarbonisierung Deutschlands geschafft sein. Nirgends mehr ein rauchender Schlot, nirgends mehr ein qualmender Auspuff, nur noch leise surrende Elektromotoren.

Im Grunde wäre das der Punkt, an dem die Grünen sich auflösen könnten, doch die Grünen wären nicht die Grünen, fänden sie nach dem sauren Regen und dem Waldsterben, nach dem Ozonloch und nach der menschengemachten CO2-Klimakatastrophe nicht das Drehbuch für eine noch schlimmere, die Menschheit und den Planeten bedrohende Katastrophe. Ich tippe auf den grünen Kampf gegen die unsichtbare Pest "Elektrosmog".

Wobei es nicht mehr nur um die verheerenden Auswirkung der Handystrahlung, sondern um die noch verheerenderen, tödlichen elektromagnetischen Felder gehen wird, die sich rings um die gigantischen Starkstromleitungen aufbauen und auch an der Stromsteckdose für das Auto noch zu schwersten Gesundheitsstörungen führen, wenn es an der notwendigen Abschirmung fehlt.

So, wie einst gedämmt werden musste, bis die Hauswände dicker waren als die Wohnzimmer lang, muss dann geschirmt werden. Feinmaschige Netze aus goldbedampften Kupferlitzen sollen alles verhüllen, was Strom führt, bis die Republik aussieht, als sei sie von Christo höchstselbst vollständig verpackt worden. Das Tragen des in unseren Tagen noch belächelten geerdeten Alu-Hutes wird dann bei Verlassen geschirmter Gebäude oder Fahrzeuge Pflicht, und wer sich dagegen vergeht, dem wird die Krankenversicherung die Leistung verweigern und die Beiträge erhöhen.

Zum Abführen des von den Schirmnetzen gefangenen Elektrosmogs werden eigene, geschirmte Leitungen angelegt, die fernab von landwirtschaftlichen Nutzflächen, von Naturschutz-, Erholungs-, Wohn- und Gewerbegebieten in großen Erdankern enden.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

In der Gegenwart hat eine bis zu 15 Zentimeter lange Schnittwunde am Hals eines Bürgermeisters, die dieser sich beim Besuch einer Döner-Bude zugezogen hat, die Aufmerksamkeit der europäischen Sozialdemokraten und der europäischen Grünen auf die Dönerbude und den Döner gelenkt. Etwas so Gefährliches muss verboten werden, und weil der Döner als solcher, ohne selbst in den Ruch zu geraten, Rassist oder gar Nazi zu sein, nicht verboten werden kann, wühlten sie solange in den Dönern herum, bis sie etwas fanden, das zu verbieten der political correctness nicht widerspricht: Phosphat.

Phosphat wird von Landwirten seit Erfindung des Kunstdüngers anstelle von Mist und Gülle auf die Felder ausgebracht, meist zusammen mit Kalium und Natrium, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu verbessern.

Phosphate enthalten Schwermetalle, wie Cadmium und Uran, die nicht unbedenklich sind. Dennoch werden jährlich in Deutschland mit dem Kunstdünger - nebenbei - 160 Tonnen Uran auf die Felder gestreut. Daraus ließe sich auch eine ansehnliche Menge DU-Munition herstellen!

Bei der Herstellung von Dönerspießen wird Phosphat eingesetzt, um das Wasser zu binden, das Austrocknen zu verhindern und den Zusammenhalt der Spieße sicherzustellen. Dagegen hat niemand etwas - und Phosphat ist hier genauso erlaubt, wie bei der Herstellung von Kassler oder Wurstbrät.

Wenn der Dönerspieß jedoch tiefgefroren werden soll - und der allergrößte Teil der 500 Tonnen Döner, die täglich in Deutschland verzehrt werden, kommt tiefgefroren an die Dönerbude, dann - so die Sozial- und Gründemokraten im EU-Parlament - dann muss Phosphat verboten werden. Es könnte zu gesundheitlichen Problemen führen.

Vermutlich hat sich im EU-Parlament jemand der Fabel von Äsop erinnert:

Ein Mann hob eine starrgefrorene Schlange vom Boden auf und wärmte sie an seinem Busen. Sein Mitleid war sein Feind, denn kaum erholt, biss ihn die Schlange tot. Gefragt warum, sprach sie: "Dass niemand Bösen helfen lerne."

Vermutlich hat Äsop damit allerdings nicht an einen tiefgefrorenen Dönerspieß gedacht.

Weil aber nichttiefgefrorene Dönerspieße schon bei der Ankunft an der Dönerbude als Gammelfleisch von der Gewerbeaufsicht aus dem Verkehr gezogen würden, kommt das von Grün- und Sozialdemokraten geforderte Phosphat-Verbot einem Döner-Verbot gleich.

Damit ist die Gefährdung von Bürgermeistern, in Dönerbuden aufgeschlitzt zu werden, gebannt. Nach weiteren Verbotsmöglichkeiten zur Vermeidung von Messerstechereien an anderen Orten wird nach Angabe der Grün- und Sozialdemokraten ergebnisoffen gesucht.

Nach dem Verbot, Bratwürste über offenem Kiefernzapfenfeuer zu braten und der Forderung nach einem Verbot, Pommes zu frittieren (weil dabei gesundheitsschädliche Benzpyrene etc. entstehen) und dem nun anstehenden Verbot von Dönern, erscheint das Nebenziel der Dekarbonisierung: "Null Prozent adipöse Deutsche bis 2030", trotz des Verzichts auf die Zuckermarktordnung und des nun massenhaft importierten Billigzuckers, tatsächlich erreichbar.

Noch ein kurzer Blick nach Laleburg.

Als die Lalen ihr Rathaus auch innen ausgebaut hatten, bemerkten sie, als die Tage kälter wurden, dass sie vergessen hatten einen Ofen zu setzen.

Zuletzt, nachdem sie die Sache lange hin und her erwogen und alle Plätze besehen und bedacht hatten, riet endlich einer, man sollte den Ofen vors Fenster hinaussetzen und ihn lassen zur Stube hineingucken, mit dem Zusatz, dass zu den Zeiten, wenn es not sein würde, er bei der Abzählung der Stimmen auch könnte mitgezählt werden. Denn rede er auch nichts zur Sache, so sei er doch auch nicht dagegeben.

Schade, eigentlich wollte ich nicht mehr auf Martin Schulz und die SPD und die kleine GroKo zurückkommen. Nun ist es doch passiert.

 

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

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