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30. Dezember 2016

14.00 Uhr Das Einzige, was Draghi noch übrig bleibt

Die EZB, zuständig für die Stabilität der Währung "Euro" (was immer Stabilität in diesem Zusammenhang bedeuten mag), steht an einer wichtigen Wegmarke. In den USA werden wieder leichte Zinsschritte nach oben unternommen, der Außenwert des Euro geht daher in einen flachen Gleitflug über, der DAX schwebt über den Wolken der 10.000er Marke und wird mit jeder Monatstranche von 60 Milliarden Luftnummern immer noch leichter, so dass die Finanzszene vor lauter Liquidität schon die Lenzpumpen auf Hochtouren laufen lassen muss. Die Blase wirft Junge im Karnickeltempo - und der Zauberlehrling kann den passenden Spruch einfach nicht erinnern.

Das einzige, was Draghi noch übrig bleibt, ist, in einer fulminanten Mega-Anstrengung überhaupt alle noch außerhalb der EZB existierenden Anleihen von Staaten der Euro-Gemeinschaft aufzukaufen - und das um jeden geforderten Preis - um dann sämtliche Papiere vor dem EZB-Turm in Frankfurt zu einem riesigen Stapel aufzuschichten und sie in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni als das größte Sonnwendfeuer der Welt in Flammen aufgehen zu lassen. Nero hätte seine helle Freude daran - und so, wie seinerzeit Rom in neuer Schönheit aus der Asche wieder erstanden ist, könnten auch die Länder der Euro-Zone in neuer Schönheit aufblühen.

Bitte überlegen Sie ernsthaft, welche Folgen ein solcher radikaler Akt hätte? Sie meinen, Sie haben zu wenig Ahnung, kennen sich zu wenig aus, könnten das nicht beurteilen?

Das ist ja lächerlich. Sie verstehen das, wenn Sie verstanden haben, was die EZB bisher gemacht hat.

Bisher hat die EZB jedem Gläubiger, der nicht mehr so recht daran glauben wollte, dass die Staatsanleihen, die er im Depot hat, am Ende wirklich zurückgezahlt werden könnten, die Papiere gegen eine Euro-Gutschrift abgenommen. Dabei kann die EZB jedermann jederzeit so viele Euros gutschreiben, wie immer sie will. Es gibt da keine Obergrenze. Es kann gar keine Grenze geben, weil dieses Euros nicht aus einem vorher erworbenen Bestand stammen, sondern schlicht und einfach durch die schreibende Hand eines Buchhalters aus dem Nichts entstehen. Es wäre theoretisch kein Problem, mehr Euros gutzuschreiben als es Atome im gesamten Universum gibt - praktisch scheitert es daran, die notwendigen Ziffern in einem Computerprogramm ordnungsgemäß zu verwalten.

Egal wie viel Geld die EZB auf diese Weise schafft, es ist in der Welt - und es wird nie und nimmer auch nur zu einem wahrnehmbaren Bruchteil in die Hände der Anleiheschuldner geraten, die es brauchen könnten, um bei Fälligkeit ihre Staatsanleihen ohne Neuverschuldung zu bedienen.

Die Anleihen liegen also - wie die festen Bestandteile häuslichen Abwassers sich am Grund der Sickergrube absetzen - als (pekunia non olet) nicht stinkende Masse in den Kellergewölben der EZB und nehmen dort nur Platz weg.

Sie tatsächlich in einem Freudenfeuer zu verbrennen, würde zunächst einmal überhaupt nichts verändern. Es ist egal, ob es diese Staatsanleihen gibt oder nicht. Die EZB verliert damit kein Vermögen, sondern nur eine Illusion.

Sämtliche Euro Staaten könnten künftig darauf verzichten, alte Staatsanleihen durch die Ausgabe neuer Staatsanleihen abzulösen, und könnten sich ihre Neuverschuldung von Null an neu aufbauen, bis in vierzig oder fünfzig Jahren wieder einmal alles zu spät ist.

Die Troika könnte aus Griechenland abrücken, die Italiener könnten ihre Banken ohne schlechtes Gewissen im Handstreich retten, es gäbe überhaupt nur positive Effekte.

Der negative Effekt, dass die EZB nämlich schon viel zu viel Geld in Umlauf gebracht hat, das durch nichts, auch nicht durch zukünftige Wachstumserwartungen gedeckt ist und sich daher von der Inflation bei der Anlagegütern (Börsenkurse, Immobilienpreise, etc.) zwingend zur Inflation der Realwirtschaft durchfressen wird, wie Salzsäure durch den Kupferkessel, der ist schon da und nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Er wird uns eine Währungsreform bescheren und danach vielleicht wieder einen Aufschwung.

Es gibt also keinen Grund, den möglichen positiven Effekt, der mit der Anhäufung von Schuldpapieren in einer Hand, die mit sprichwörtlich heißer Luft bezahlt worden sind, möglich gemacht wurde, nicht jetzt, und möglichst bald, durch den radikalsten Schuldenschnitt der Geschichte auszulösen.

Es beschleicht mich sogar hin und wieder der leise Verdacht, das könnte überhaupt die einzige Absicht hinter dem ganzen Theater sein...


 

 

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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