i


19. Dezember 2017

13.00 Uhr Lügengeschichten

Bei dem folgenden Text, liebe Aufpasser für ein falschnachrichten- und hasssprechfreies Internet, handelt es sich weder um eine Nachricht, noch um einen Sprech, sondern um Satire.

Falls Sie das Wort "Satire" nicht kennen sollten, hier eine wertneutrale Worterklärung:

Satire ist, wenn durch Übertreibung, Untertreibung oder Wahrheit eine Geschichte in Worten oder Bildern oder Worten mit Bildern oder Bildern mit Worten so erzählt wird, dass das Lächerliche von Handlungen, Absichten oder Denkmustern herausgestellt wird, wobei die Täter, bzw. die Träger von Absichten und Inhaber von Denkmustern zum größten Teil Führungsfiguren und Eliten sind, während einfache Bürger seltener das Ziel von Satire sind.

Satire soll per Aha-Effekt und Humor als eine unangreifbare Bastion der Meinungsfreiheit erscheinen, weil der Satiriker, eben weil er über- oder untertreibt oder schlicht die Wahrheit zum Besten gibt, sich stets darauf berufen kann, er habe "Es" ja gar nicht so gemeint und dies durch Über- oder Untertreibung oder durch die schlichte Darstellung der Wahrheit, die es so, nach den Regeln der political correctness ja gar nicht gibt, was er wisse und respektiere, so deutlich gemacht, dass er es auch bei übelster Unterstellung so nun wirklich nicht gemeint haben könne. Im Gegenteil, gerade durch die gelegentliche Nutzung der Wahrheit im satirischen Kontext, würde er ja die Glaubhaftigkeit eben dieser Wahrheit im Sinne der political correctness in Zweifel ziehen, was doch nicht unerwünscht sein kann.

Dennoch hat Satire eine starke Anfälligkeit für das so genannte "Verbotensein", was daraus entsteht, dass angenommen wird, das Volk könnte die Pointen missverstehen, Übertreibung oder Untertreibung oder gar die Wahrheit für bare Münze nehmen und so aufgestachelt oder gar verhetzt werden, was wiederum dazu führt, dass der Satiriker gar nicht mehr als solcher angesehen werden kann und darf, sondern als ein Verbreiter eben jener bösen Falschmeldungen und Hasspredigten, die es zu ertappen und unschädlich zu machen gilt.

So ist Satire nur dann Satire, wenn das Volk in der Lage ist, Über- und Untertreibungen zu erkennen und gegebenenfalls auch eine Wahrheit als so wenig political correct zu erkennen, dass es davon Abstand nimmt und statt sich Gedanken zu machen einfach nur das tut, was der Satiriker will, nämlich lachen und dann unverändert weitermachen.

Dies setzt jedoch ein Volk voraus, das noch über das verfügt, was gemeinhin "gesunder Menschenverstand" genannt wird.

Ist die Satire jedoch an ein Volk adressiert, das alles, was der Satiriker vorträgt, ebenso glaubt, wie die Nachrichten aus dem Mund der ARD-Tagesschau- oder ZDF-heute-Moderatoren, dann kann sich der Satiriker nicht mehr auf die Freiheit der Satire berufen, dann ist das, was er verbreitet, als Nachricht einzustufen, an welche nun einmal strengere Maßstäbe in Bezug auf Gehalt und Tendenz anzulegen sind.

Da jenes Volk, welchem jenes Gebäude gewidmet ist, in welchem der deutsche Bundestag seine Sitzungen abhält, nicht als ein kritisches, sondern als ein gläubiges Volk eingestuft werden muss, bleibt festzuhalten, dass - solange dieser Zustand fortbesteht - Satire in diesem unseren Lande, selbst wenn so genannte "Satiriker" ihre Machwerke als "Satire" bezeichnen, schlicht nicht Satire sein kann, sondern als "fake news" oder "hate speech" einzustufen ist.

Soweit und soviel über den Ernst der Lage, von welcher schon Konrad Adenauer zu sagen wusste, sie sei nicht hoffnungslos. Nun endlich zur angekündigten Satire:

Heute ist Montag, der 19. Dezember 2016. Weihnachten steht - der Redewendung nach - vor der Tür. In den USA geben die Wahlmänner ihre Stimmen ab und könnten in letzter Sekunde noch verhindern, dass Donald Trump US-Präsident wird.

Ansonsten ist weiterhin Advent. Die Zeit der Vorbereitung.

Herr Steinmeier bereitet seinen Umzug ins Schloss Bellevue vor, Herr Schulz bereitet seinen Umzug ins Auswärtige Amt vor, Herr Draghi bereitet den Ankauf weiterer Anleihen vor, Herr Gabriel bereitet seine Partei auf den Bundestagswahlkampf vor, Herr Gauck bereitet seine letzte Weihnachtsansprache vor, UN-Inspektoren bereiten sich auf ihre Reise nach Aleppo vor, weitere UN-Inspektoren bereiten sich nicht auf eine Reise nach Mossul vor, Herr Putin bereitet den dritten Weltkrieg vor, das EU-Parlament bereitet die nächsten Sanktionen gegen Russland vor, der FC Bayern bereitet sich auf die Begegnung mit RB Leipzig vor, der HSV bereitet sich auf den Abstieg vor, Herr Scholz bereitet die feierliche Eröffnung der Elbphilharmonie vor, niemand bereitet die Einweihung des Hauptstadtflughafens vor, der gleiche Niemand bereitet die Einweihung des Stuttgarter Tiefbahnhofs vor, Frau von der Leyen bereitet die Übernahme weiterer Verantwortung mit Hilfe der Bundeswehr vor, Hollande bereitet die nächste Verlängerung des Ausnahmezustands vor, Rajoy bereitet die Niederschlagung weiterer Demonstrationen vor, Polen bereitet die nächste Verfassungsänderung vor, Erdogan bereitet die nächste Verhaftungswelle vor, Böhmermann bereitet sich auf die Karriere als Nachrichtensprecher nach dem Satireverbot vor, die Chinesen bereiten den Aufkauf von Volkswagen vor, die Arktis bereitet sich auf die Eisfreiheit vor, Frau Nahles bereitet die Weihnachtsgans vor...

Nur Angela Merkel braucht nichts mehr vorzubereiten. Wenn es nach ihr ginge, könnte heute schon Weihnachten oder Silvester oder 21. Sonntag nach Trinitatis sein, die Fortführung der Kanzlerschaft ist ihr schon heute sicher und gerade ihr Nicht-Vorbereitet-Sein im Herbst 2015 hat viel dazu beigetragen, wie auch ihr Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu können, noch einmal dazu beigetragen hat.

Zur Weihnacht und für das kommende Jahr sollten wir versuchen, es ihr nachzutun. Nicht vorbereitet sein - und dann zerknirscht die Zeit zurückdrehen wollen, um besser vorbereitet gewesen haben können zu sein (oder so), das rührt erst die Freunde zu Tränen und lässt dann die Kritiker verstummen.

Bestellt keinen Tisch vor, für das Mittagessen am 1. Weihnachtsfeiertag, kommt mit der ganzen Verwandtschaft ins Zielrestaurant, quetscht euch durch die vollbesetzten Tische bis ins hinterste Eck, und lasst euch dann vom Kellner mit dem Hinweis darauf, dass auch dieser letzte freie Tisch reserviert sei, wieder hinauskomplimentieren - und stellt euch dann hin, vor die versammelte Verwandtschaft, und erklärt denen mit Tränen in den Augen: "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich ..."

Kann es berührendere weihnachtliche Momente geben, als einen solchen Augenblick der Demut und der Reue?

Wenn dann im nächsten Jahr die Feiertage weniger und die Arbeitstage wieder mehr werden, stellt einfach den Wecker nicht. Kommt kurz nach der Mittagspause ins Geschäft und erklärt eurem Chef: "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich jetzt sofort meinen Wecker stellen, für heute früh um sechs ..."

Der Chef wird sich freuen, über eure Ehrlichkeit und Offenheit, er wird euch persönlich an euren Arbeitsplatz geleiten und euch schriftlich die Arbeitsplatzgarantie für die nächsten vier Jahre geben.

So, liebe Aufpasser für ein falschnachrichten- und hasssprechfreies Internet, nur wenn ihr gut vorbereitet seid, werden ihr entscheiden können, um was es sich bei diesem Tageskommentar vom 19. Dezember 2016 handelt.

Habe ich übertrieben? Habe ich untertrieben? Habe ich die Wahrheit gesagt? Wird das Volk die Wahrheit für Satire halten, die Untertreibung für Übertreibung und die Übertreibung erkennen, oder wird alles als Wahrheit angenommen werden? Und für diesen letzten, schlimmsten Fall, wäre diese Wahrheit noch political correct, oder eben doch nicht?

Nun, auch hier ist es vermutlich die beste Strategie, auf Nachfrage des H. Maas einfach zuzugeben, dass ihr darauf einfach nicht vorbereitet wart, und dass ihr, wenn ihr die Zeit zurückdrehen könntet, einen Systemwiederherstellungszeitpunkt deutlich vor dem 9. November 1989 wählen würdet.

Tränen der Rührung sind euch sicher!


Anregungen für Weihnachtsgeschenke

aus dem EWK-Verlag finden Sie hier:

Weihnachtsbasar

 

 

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -