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14. Dezember 2017

15.30 Uhr Das Ende der Privaten Krankenversicherung?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet in ihrem Online-Angebot heute über die Entwicklung der Privaten Krankenkassen in Deutschland und bezieht sich dabei auf einen Bericht der Saarbrücker Zeitung, die wohl vermeldet hat, dass im Laufe der letzten fünf Jahre nur 520.000 Personen von der gesetzlichen Krankenversicherung in die Private Krankenversicherung übergewechselt seien, während 609.000 einst privat Versicherte den Rückzug in die gesetzliche Krankenversicherung angetreten hätten.

Das wird - so berichtet wieder die FAZ - von der LINKEn inzwischen als der Anfang vom Ende der PKV angesehen, während der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen dazu anmerkt, dass die Leistungen der Privaten oft hinter denen der gesetzlichen zurückblieben und vor allem Rentner über die hohen Prämien klagen.

So weit, so wenig gut.

Aber geht das überhaupt? Von der privaten KV in die gesetzliche KV zu wechseln?

In Ausnahmefällen. Nur in Ausnahmefällen.

Angestellte, deren Brutto-Einkommen wieder unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 56.250 Euro fällt, können zurück in die Gesetzliche. Selbstständige, die sich wieder in ein Angestelltenverhältnis begeben und dort - als Haupteinnahmequelle - weniger als 56.250 € verdienen, können auch wieder zurück. Auch wer sich arbeitslos meldet, darf wieder in die GKV eintreten.

So muss es also in den vergangen fünf Jahren in über 600.000 Fällen dazu gekommen sein, dass Menschen, die als Angestellte oder Selbstständige bis dahin gut verdienten, ihr Arbeitseinkommen verloren haben oder doch so viel weniger verdienten als vorher, dass sie damit unter die Bemessungsgrenze fielen.

Wie meint Angela Merkel immer: Deutschland geht es gut!

Doch es sollten noch ein paar Aussagen zur Privaten Krankenversicherung im Allgemeinen gemacht werden.

Die PKV wird von gewinnorientierten Unternehmen, zumeist in der Form der Aktiengesellschaft betrieben. Das heißt, neben dem Aufwand zur Erstattung von Krankheitskosten und dem Verwaltungsaufwand, einschließlich der Managergehälter, muss auch eine ordentliche Dividende für die Aktionäre übrig bleiben.

Um dies zu ermöglichen, ist es der PKV freigestellt, einen Antrag auf Versicherung abzulehnen, wenn die vom Antragsteller wahrheitsgemäß zu beantwortenden Gesundheitsfragen darauf hindeuten, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit hohe Leistungen fällig werden.

Zudem ist die PKV grundsätzlich eine Einzelpersonen-Versicherung. Die automatisch mitversicherten Familienangehörigen gibt es nicht. Ein Ehepartner, der nicht selbst gesetzlich krankenversichert ist, sowie Kinder privat Versicherter müssen mit jeweils eigenen Verträgen und eigenen Beiträgen zusätzlich versichert werden.

Zudem bietet die PKV - auch aus Gründen der Auswahl guter Risiken, also junger gesunder Menschen - Tarife an, deren Beiträge nach Eintrittsalter gestaffelt sind. Wer jung einsteigt, zahlt zunächst auch bei Chefarzt-Behandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus sehr wenig, wer schon älter ist, zahlt von Anfang an deutlich mehr.

Zudem ist es ein Privileg der PKV, immer wieder alte Tarife zu schließen und neue Tarife anzubieten. Das führt dann dazu, dass eine "Kohorte" (wie die Versicherungsmathematiker sagen) von Versicherten, die alle den Tarif ABC 123 abgeschlossen haben, eine Tarifgemeinschaft bilden, die mit der Zeit durch Ableben oder Rückwechsel in die GKV aus immer weniger Beitragszahlern besteht, deren Leistungsbedarf jedoch durch das zunehmende Alter der Versicherten Jahr für Jahr steigt. Folglich steigen auch die Beiträge für Versicherte in geschlossenen Tarifen überdurchschnittlich.

Die Unternehmen der PKV sind zwar verpflichtet, solchen Versicherten den Wechsel in einen anderen Tarif zu eröffnen, machen von entsprechenden Angeboten an ihre teuer Versicherten aber ausgesprochen zurückhaltend Gebrauch. Häufig wird zunächst nur der gesetzlich vorgeschriebene Minimal-Tarif angeboten, der ungefähr die Leistungen der GKV abdeckt, aber - weil sich auch dort dann zwangsläufig die Rentner sammeln - bei den Beiträgen kaum finanzielle Entlastung bietet.

Es ist also keineswegs so, dass die PKV mit den Beiträgen ihrer Versicherten zu deren Gunsten besser wirtschaftet als die GKV. Sie wirtschaftet anders, ermöglicht dabei jungen, gesunden Menschen eine erstklassige medizinische Versorgung zu einem - im Vergleich zur GKV - lächerlich niedrigen Beitrag, weil diese statistisch betrachtet und tatsächlich ebenfalls - diese teuren Leistungen nur in ganz geringem Umfang in Anspruch nehmen.

Mit zunehmendem Alter und zunehmendem Bedarf an medizinischen Leistungen wird die PKV schnell teuer, was durch hohe Selbstbehalte, durch Abwählen von Leistungen zwar nach und nach kompensiert werden kann, aber dennoch vergleichsweise teuer bleibt - und auch teuer bleiben kann, weil der Versicherte normalerweise keine Chance hat in die GKV zurückzukehren (Ausnahmen siehe oben).

Die Zwei-Klassen-Medizin, die sich dank der PKV etabliert hat, bringt auf der anderen Seite aber auch eine Entlastung der Versicherten der GKV mit sich, weil niedergelassene Allgemein- und Fachärzte und auch die Kliniken den Privatversicherten deutlich höhere Honorare in Rechnung stellen dürfen - und dies auch, soweit mir bekannt, ausnahmslos tun.

Daher unternehmen niedergelassene Ärzte viel, um einmal gewonnene Privatpatienten auch zu halten. So manche Arztpraxis könnte ohne ihre Privatpatienten wirtschaftlich gar nicht überleben, was dann dazu führt, dass der Onkel Dr. für den Privatpatienten sehr viel Zeit hat, auch für ein "privates" Schwätzchen, dass der Privatpatient sehr schnell einen Termin be- und dann auch dran- kommt, dass dem Privatpatienten der medizinische Fortschritt angeboten wird, der dem gesetzlich Versicherten aufgrund der Honorierungspraxis der GKV noch lange verwehrt bleibt, usw.

Dies ist aber nur ein Scheinargument pro PKV. Wäre die GKV eine Pflichtversicherung für alle, ohne Ausnahmen, und stünden ihr damit auch die Beitragseinnahmen der jetzt privat Versicherten zur Verfügung. könnten die Beiträge gesenkt, die Leistungen verbessert und sogar die Arzthonorare so weit erhöht werden, dass auch kein Allgemeinarzt mehr auf Privatpatienten angewiesen wäre.

Wer darüber hinaus eine noch bessere medizinische Versorgung wünscht, könnte sich sicherlich auch bei einer allgemeinen Versicherungspflicht per Zusatzversicherung noch ein Leistungsversprechen privater Versicherungsunternehmen einkaufen.

Vermutlich wird es zu einer solchen Entwicklung aber nicht kommen. So wie die Schere bei den Einkommen immer weiter auseinander geht und inzwischen auch ehemals Gutverdienende das Pech haben können, zu Hunderttausenden als "Ausnahmen" in die GKV der Leistungsbeschränkung und Zusatzbeiträge und Rezeptgebühren zurückkehren zu dürfen, so werden auch immer weniger privat Versicherte in immer weniger, weil fusionierten, privaten Krankenversicherungen die medizinische Oberklasse besetzen und sich einfach mehr "Gesundheit" und damit längeres Leben erkaufen können.

Es ist alles eine Frage des Preises.


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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