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5. Dezember 2016

09.00 Uhr Europäischer Schicksalssonntag überstanden

Es war, als stünde die Entschärfung eines Blindgängers an, als die Österreicher zur Wahl und die Italiener zur Volksabstimmung schritten. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt und jegliche noch vorhandene Restvernunft aus der EU evakuiert. Bloß nicht zulassen, dass irgendjemand daherkommt, und anfängt die Demokratie zu erklären! Bloß nicht zulassen, dass sich die Erkenntnis ausbreitet, dass ein Volk in Wahlen oder Abstimmungen durchaus auch das Recht habe, nicht nur Figuren auszutauschen, sondern auch die Richtung zu wechseln.

Schreckliche Szenarien wurden an alle verfügbaren Wände gemalt: Ganz Österreich könnte im Schmäh versinken, Italien würde auf Jahrhunderte unregierbar, der Euro stürze im freien Fall durch die Negativzinsmauer direkt in die Müllverbrennungsanlage und - nachdem der Steuermann Schulz das Schiff verlassen habe, fehle dem Kapitän Juncker die Kraft, die Yorricke Europa noch länger über Wasser zu halten, sollte Hofer gewinnen und Renzi verlieren.

Die Magier der Angst haben ihre wabernden Sudkessel mit flammenden Verdächtigungen befeuert, weil ihr Menschenbild besagt, dass Angst und Zwang, Warnung und Drohung immer noch die besten Mittel sind, um das Volk nach Belieben dahin zu manövrieren, wo es von größtem Nutzen ist, ohne Schaden anrichten zu können.

Nun hat sich der Nebel gelichtet.

Österreich hat einen neuen Bundespräsidenten. Ein Mann, dem eine gewisse Ähnlichkeit mit Kaiser Franz Josef I. im gesamten Habitus nicht abgesprochen werden kann. Vielleicht war es genau das, was die entscheidenden Stimmen gebracht hat, das Vertrauen in eine letzte Inkarnation der Monarchie, das bei Wikipedia als "Historische Einschätzung" zum Wirken des Kaisers dann so beschrieben wird:

Eingezwängt zwischen der raschen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Westeuropas, seiner ererbten Auffassung von gottgegebenen monarchischen Rechten und Pflichten, beschworenen Verfassungsregeln, den sehr unterschiedlichen Interessen der vielen Nationalitäten und der beiden Reichshälften und der Treue zum Bundesgenossen Deutsches Reich, stand er zuletzt nur noch dafür, was man Fortwursteln nannte. Viele Beobachter waren der Auffassung, „solange er lebt“[25] werde sich in Österreich-Ungarn aus Loyalität zum alten Monarchen nichts Wesentliches ändern, danach müsse man aber mit allem rechnen.

Italien hat dem Wunsch Renzis nachgegeben, sich aus der Verantwortung entlassen zu dürfen, als ihm die Verwässerung der demokratischen Spielregeln durch die angestrebte Verfassungsänderung mit deutlicher Mehrheit verweigert wurde. Es wird also wohl in der mit Regierungswechseln reich gesegneten italienischen Nachkriegszeit bald wieder einen neuen Regierungschef geben, was aber an der Lage des Landes und seiner Banken ebensowenig ändern wird, wie sie durch die angestrebte Verfassungsänderung zu ändern gewesen wäre.

Es ist mit der Demokratie wie mit einer Versitzgrube, je mehr Kammern, desto sauberer ist das, was dabei herauskommt.

Nein, die Welt wird nicht untergehen. Renzi ist zur Episode geworden und die Episode Van der Bellen in Österreich kann nach dem dritten Anlauf endlich beginnen. Merkel wird hier ein paar Tränen der Trauer, dort ein paar Tränen der Freude vergießen und ungeachtet aller Veränderungen ihren verschlungenen Weg weiter verfolgen.

Und sollte am Ende Beppe Grillo neuer Regierungschef in Italien werden, braucht sie ihm nur die Folterinstrumente zu zeigen, unter denen bereits Alexis Tsipras in Griechenland seinen Idealen abgeschworen hat - und alles ist wieder gut.


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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