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17. November 2016

08.00 Uhr Angela im Gänseblümchenmodus

Ich möcht ja - von Herzen - mit Schmerzen - ein wenig - gar nicht - ich möcht ja - von Herzen - mit Schmerzen ...

Wird Angela Merkel zur vierten Amtszeit noch einmal antreten? Herr Röttgen hat ja die Tage einen Versuchsballon steigen lassen (dürfen, müssen, sollen?), und war sich ganz sicher...

Die Aufmerksamkeit, die dieser Ansage zuteil wurde, war jedoch so gering, dass sich daran kein Licht der Erkenntnis entzünden konnte.

"Was heißzt dasz jetst?", mag sich Angela mit nervösem Lispeln gefragt haben. "Ist keine Aufregung ein Zeichen von Zustimmung, von Resignation oder von Wurstigkeit? Kann das Totschweigen gar ein infames Komplott der Medien sein, um mir die Entscheidung zu erschweren?"

Harry Potter Fans wissen, hier hilft nur ein Blick in die Glaskugel von Prof. Sibyll Trelawney, hoch oben, im Wahrsageturm. Schlimmstenfalls erscheint der Grimm ...

Doch nachdem sich die Schleier lüften, die Kugel aufklart, erscheinen Bilder wie aus der früheren Marlboro-Werbung. Weites, weites Land - fern am Horizont im Westen geht die Sonne Obamas unter. Soll man nicht auch aufhören, wenn es am schönsten ist?

Es wird kurz schwarz, und dann ein Blick auf die Schlösser der Loire, auf die Gestade der Normandie, auf den Élysée-Palast, wo Francois Hollande in höchster Not die Fliege macht und in der Versenkung verschwindet, um bald darauf bei Madame Tussaud wieder aufzutauchen.

Und wieder wird es schwarz vor Augen, die Kugel verfinstert sich, um schemenhaft ein Antlitz zu zeigen. Es kommt ihr sonderbar bekannt vor. Ein Wiedergänger? War das nicht der - der von der EU, der mit dem Juncker tanzt? Der, der jetzt nicht Außenminister werden, sondern sich für das Amt des Bundeskanzlers bewerben will? Doch! Auch das ist nicht der Grimm, bloß der Schulz. SPD. Verlierer. Weg, weg mit diesem Bild!

Die Kugel verfärbt sich blutrot, changiert ins bräunliche, der freche Kurz aus Österreich dreht eine Nase aus der Kugel heraus, hinter ihm stehen Strache und Hofer, wie einst Harry Potters Eltern im Spiegel Nerhegeb auftauchten. Wandelnde Gestalten, sie ziehen vorüber, vereinen sich in Ungarn mit Orban, Renzi grüßt von den Zinnen der Engelsburg, Erdogan geht auf dem Dach des Topkapi-Palastes spazieren - und alle murmeln finstere Flüche.

"Die alle hassen mein Deutschland. Ist es noch mein Deutschland? War es je mein Deutschland?", so fährt es ihr durch den Kopf und es wird ihr schon wieder schwarz vor Augen.

Eine Karte Europas erscheint - doch dort, wo sich einst Englands blühende Landschaften ausdehnten, ist nur noch ein weißer Fleck. Die Briten sind schon weg - doch ein Blick nach Osten zeigt: Russland ist noch da. Putin diniert im Kreml, Trump neben sich am Tisch, und die Sanktions-Bann-Bullen gehen in Flammen auf. Noch eine Blamage.

"Soll ich vielleicht daraus schließen: Viel Feind, viel Ehr? Feind ja, das ist klar zu sehen. Ehr eher nicht. Nicht in den nächsten vier Jahren."

"Warum also", fragt sie sich nun, den Blick starr in die Glaskugel gerichtet, "wenn kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist? Wegen der Rente? Wegen der NSA? Wegen der Schwarzen Null? Wegen der CDU? Wegen der europäischen Armee?
Juncker will ein kreditfinanziertes Investitionsprogramm. Soll ich wieder die sparsame schwäbische Hausfrau geben? Nee, nee - alles keine Argumente!"

Da wird die Kugel vollends leer. Eine bedrückende, gähnende, lautlose Leere. Und in diese Leere und Stille hinein dröhnt die Frage der inneren Stimme, schneidend wie ein Schwert:

"... und nur, weil keiner sonst da ist, der es machen könnte, soll ich schon wieder?"

Entsetzt wendet sie sich ab. Und spricht, die Treppe vom Turmzimmer hinuntereilend laut zu sich selbst: "Ach was! Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Da findet sich schon einer. Oder eine."

Und dann lässt sie sie alle hämisch grinsend in stiller Freude an ihrem geistigen Auge vorbeiziehen.

"Seehofer, Bouffier, Kramp-Karrenbauer, Tillich, Haseloff, lauter amtierene Ministerpräsidenten, die machen das aus dem Effeff, ha ha! Und dann Schäuble, de Maiziere, von der Leyen, Schmidt, Müller, Gröhe, Dobrindt, Altmaier, Wanka, lauter Unionsminister, die dürfen ruhig auch mal aus der Deckung und sich beweisen. Und, ja, der Nachwuchs, Röttgen, zum Beispiel, oder die 23 Bundesvorsitzenden der Jungen Union - da ist doch jede Menge Potential - und wenn es gar nicht anders geht, dann ist da ja auch noch die Seniorenriege mit Günther Oettinger, Heiner Geißler und Edmund Stoiber prominent besetzt. Man wird schon nicht den Mehdorn als Krisenkanzler holen müssen..."

Erleichtert kommt sie auf den Boden der Realität zurück. Ihr Entschluss steht fest:

"Soll'n sie sich einen davon ausgucken. Gegen die alle bin ich doch die reinste Lichtfigur. Die Finger werden sie sich nach mir abschlecken, wenn ich mich nicht mehr vor den Karren spannen lasse. Das ist doch auch ein schönes Gefühl. Das ist vielleicht sogar mein größter Triumph seit 2014 - und sehr viel schöner als dann 2019 doch noch von bayerischen Heckenschützen abgeschossen zu werden. Nee. Das tu ich mir nicht an."

Norbert Röttgen naht fragenden Blickes, doch bevor er etwas sagen kann, raunt sie ihm im Vorübergehen - so wie man im Schach einen Bauern schlagen kann - zu: "Sorry, Norbert. Danke, für den Versuch, aber du hast dich da zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ich geh' in Rente. Nicht erst mit 67, sondern schon mit 63."

 

Alle glauben, sie wird es noch einmal tun.

Quasi gewohheitsmäßig. Gewohnheitsmäßiges Glauben, oder gewohnheitsmäßiges Weiterregieren. Das ist hier die Frage.

Gibt es denn irgendeinen Grund, warum sie es tatsächlich noch einmal tun sollte? Noch einmal vier Jahre Stress. Noch einmal vier Jahre vergebliches Ankämpfen gegen den Zerfall der EU? Wo doch alle Vertrauten die internationale Bühne verlassen und nirgends mehr ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist?

Nein. Ich tendiere dazu, in Kürze von Angela Merkel zu hören, dass sie nicht noch einmal als Bundeskanzler zur Verfügung stehen wird. Für eine Wette reicht's allerdings nicht...

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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