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28. September 2016

11.00Uhr Wachsende makroökonomische Verwirrung

Mario Draghi will heute im Bundestag zu seiner Geldpolitik Rede und Antwort stehen und den Versuch unternehmen, die Abgeordneten vom Sinn der Politik des lockeren Geldes und der negativen Zinsen zu überzeugen. Da auch er auf fraktionszwangsgepolte, ideologisch ausgerichtete Mehrheitsbeschaffer trifft, dürfte sein Auftritt nichts ändern.
 
Interessant ist, dass im Umfeld dieser Veranstaltung nun einerseits die Abgeordneten zu hartnäckig kritischen Fragen aufgefordert werden, während ihnen andererseits anempfohlen wird, glücklich zu sein, dass es Draghi und seine Währungspolitik gibt, sei sie doch zumindest eine teilweise Kompensation für die Verwerfungen, die von den dauerhaft hohen deutschen Exportüberschüssen ausgingen. Die Argumentation, die unter anderem auch André Tautenhahn (Tau-Blog) vertritt, kann - boshaft verkürzt - so dargestellt werden:
 
Weil Exportüberschüsse schlecht sind, sind QE-Programme und Negativzinsen gut.

So einfach, meine ich, kann man es sich nicht machen. Dieser Zusammenhang ist konstruiert und hält einer gewissenhaften Untersuchung nicht stand.

Vielleicht ist es daher sinnvoll, sowohl bei den "Exportüberschüssen" als auch bei "Draghis Politik" jeweils die beiden Seiten der Medaille zu betrachten:

Exportüberschüsse sind für die Exportnation gut. Es werden Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen, es werden Netto-Devisenzuflüsse generiert, das (Wachstum des) BIP wird gestützt - und es werden nicht zuletzt in der Exportwirtschaft Gewinne erzielt, welche die Anleger und Investoren bei Laune halten.

Exportüberschüsse sind für die Handelspartner der Exportnation schlecht, weil deren Auslandsverschuldung dadurch wächst, weil durch die Substitution inländischer Produkte durch Importwaren Arbeitsplätze verloren gehen, weil das BIP unter Druck gerät und weil die Ertragskraft der Binnenwirtschaft sinkt.

Aus Sicht der Exportnation Deutschland ist also, solange man das Problem der wachsenden Verschuldung des Auslands nicht ernst nimmt, der hohe, dauerhafte Exportüberschuss gut.

Der massenhafte Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen durch die Zentralbank ist gut für die Investment-Banken und den gesamten Finanzsektor, weil aus Schulden, bei deren Entstehung schon einmal Geld entstanden ist, noch einmal Geld geschöpft wird. Aus den ursprünglich an die Schuldner (Staaten und Unternehmen) geflossenen 80 Milliarden Euro, die ja immer noch nicht getilgt sind (!), werden so Monat für Monat noch einmal 80 Milliarden frische Liquidität, die den Banken (und über die Banken deren Anlegern) zur Verfügung gestellt wird. Da die EZB jedoch zugleich auf die auf Zentralbankkonten gehaltene Liquidität Strafzinsen erhebt, fließt diese Liquidität in zwei Kanäle ab: In die Tilgung von Schulden, die Banken und Anleger im Währungsinland und im Währungsausland zu bedienen haben, und in ausländische Sach- und Geldanlagen, denn nur so können die Mittel von den Zentralbankkonten der EZB abfließen. Je größer der Liquiditätsabfluss Richtung Ausland, desto sicherer die künftigen Exporte. Das ist ein 'wunderbarer' Kreislauf, mit dem die EZB dafür sorgt, dass die im Euro-Raum ansässigen internationalen Anleger und Konzerne in aller Welt Sachwerte aufkaufen können, während das Geld danach über den Export wieder zurückfließt.

Der massenhafte Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen durch die Zentralbank ist schlecht für die so genannten Sparer, einschließlich der Pensionsfonds und Lebensversicherungen, die auf eine ordentliche Verzinsung ihrer "sicheren" Anlagen angewiesen sind, diese aber nicht mehr erzielen können. Ebenso schlecht ist diese Politik für jene Banken, die überwiegend das Kreditgeschäft betreiben und die fehlenden Zinsüberschüsse nicht durch Überschüsse im Investmentbanking ausgleichen können.

Die massive Ausweitung der gesamten Geldmenge führt mit der Zeit zwangsläufig zum Verfall des Kurses der Währung an den Devisenmärkten. Dies wiederum stärkt den Export und festigt damit die Rolle des Exportweltmeisters. Da nicht nur die EU, sondern auch Japan und die USA die gleiche Geldpolitik betreiben, ergibt sich ein Abwertungswettlauf, der nicht angehalten werden kann, solange der Fetisch "Export" jegliches Handeln bestimmt.

Damit sollte die Annahme, dass QE und Negativzins den negativen Folgen des Exportüberschusses für unsere Handelspartner entgegenwirken, widerlegt sein.

Im Gegenteil: Die Währungspolitik der EZB mag zwar dafür sorgen, dass Schuldnerstaaten innerhalb des Euro-Raumes ihren Verpflichtungen leichter nachkommen können, doch letztlich wird auch dadurch die Rollenverteilung in Netto-Exporteure und Netto-Importeure nur weiter verschärft.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, der mit den EZB-Billionen aus dem Nichts aufrechterhalten wird, müssten die Gewerkschaften in Deutschland aus ihrem marktkonformen Tiefschlaf erwachen und angemessene Lohnsteigerungen und Arbeitszeitverkürzungen erkämpfen, die dafür sorgen, dass die Importe wachsen, während die Exporte schrumpfen, bis die deutsche Handelsbilanz wieder ausgeglichen ist.

So lange dies nicht geschieht, wird die EZB weiter jährlich eine Billion (und mehr) durch nichts gedeckter Liquidität in die Welt setzen müssen, um (primär) die deutschen Exportwirtschaft zu stützen. Denn: Die EZB-Billion wird durch Negativ-Zinsen gezwungen, in großem Umfang den Währungsraum zu verlassen. Investoren können so im Ausland Unternehmensanteile, Edelmetalle und vor allem Grund und Boden erwerben. Die im Ausland ausgegebene Liquidität fließt dann in Zins- und Tilgungsleistungen und vor allem als Bezahlung der Importe aus Deutschland wieder in den Währungsraum zurück, wo - im Grunde von den gleichen Investoren, die bereits die Sachwerte im Ausland erwerben konnten, noch einmal Gewinne abgeschöpft werden.

Was wäre, wenn die EZB die Zinsen wieder auf ein normales Niveau anheben würde?

Die dann befürchtete Tragödie wäre ebenfalls ein Weg zur Überwindung der massiven Ungleichgewichte im Welthandel.

Denn, höhere Zinsen würden die Gewinne der Exportwirtschaft belasten und unter Umständen zu Wettbewerbsnachteilen auf den Weltmärkten führen. Lohnerhöhungen wären schwerer zur erkämpfen, doch durch die steigende Verzinszung von Geldanlagen für die Altersversorgung könnte auch der Konsum angeregt werden. Die wachsenden Zinslasten der öffentlichen Haushalte könnten durch Steuererhöhungen auf höchste Einkommen und die Wiederinkraftsetzung der Vermögenssteuer ausgeglichen werden, was natürlich die Attraktivität des Standorts für Investoren mindern würde - doch wäre genau auf diese Weise der Weg zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz zu erschließen.

 

 


 

 

 

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Über Geld spricht man nicht. Das hat man.
 
?

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Er hat seine Erkenntnisse in dem Buch
 
"Warum eigentlich genug Geld für alle da ist",
 
das bei Carl Hanser, München erschienen ist, zusammengefasst.

Niemand, der über notwendige Veränderungen des Geldwesens schreibt, kann es sich ersparen, zunächst einmal das herrschende Geldsystem zu beschreiben und seine Schwächen und Konstruktionsfehler herauszuarbeiten.
 
Mekiffer hat dabei vor allem den vom Geld ausgehenden Wettbewerbsdruck und Wachstumszwang betont und aus immer neuen Blickwinkeln die Frage gestellt:
 
Müssen wir wirklich unsere Umwelt ruinieren, unsere Lebenszeit vergeuden, die letzten Reserven verschwenden, müssen wir wirklich zulassen, vom Zinseszinswachstum erdrückt zu werden, wenn wir ein gutes Leben in Wohlstand führen wollen?

Seine Antwort ist nein.
 
Die Begründung für dieses Nein ist, und das weiß der Autor auch selbst, eine Utopie. Er stellt die Welt des Geldes, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Geld soll nicht länger knapp sein, sondern als „Freigeld“ erschaffen werden, also ohne Schuld, ohne Tilgungsverpflichtung. Geld soll ohne Zinslast auf zwei Wegen in die Realwirtschaft fließen: Einerseits soll damit ein großzügig bemessenes bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt werden, andererseits möge der Staat seine Ausgaben durch „Freigeldschöpfung“ bezahlen.

Geldflut!? Inflation!?
 
Keineswegs. Die Nutzung der natürlichen Ressourcen soll Geld kosten, womit die Liquidität ebenso wieder abgeschöpft werden kann, wie über bewusst in Rechnung gestellte Negativzinsen auf Guthaben.
Insgesamt richtet Mekiffer seine Vorschläge an eine Gesellschaft, die nach dem Schock der nächsten, verheerenden Finanzkrise begriffen haben wird, dass Kooperation sinnvoller ist als Wettbewerb und fließendes Geld mehr Segen bringt als gehortetes.
 
Sehr viel Zeit haben wir bis dahin wohl nicht mehr.

Mit einer ganzen Reihe von Anregungen, wie heute schon jeder für sich, und jeder auf seine Weise, ein Stück persönlicher Freiheit von Wettbewerbsdruck und Wachstumszwang zurückgewinnen kann, beschließt Stefan Mekiffer dieses lesenswerte und anregende Buch.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Stefan Mekiffer zeigt Alternativen auf: Er präsentiert ein organisches Geldsystem, das ohne künstlichen Mangel und zwanghaftes Wachstum auskommt, und zeigt neue Denkmuster, die statt Krise und Kollaps eine Metamorphose der Wirtschaft versprechen. Eine augenöffnende Lektüre.
 
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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2016-04/who-weltbank-weltwirtschaft-depression-angst-kosten




 

 

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