10. Februar 2016

10.30 Uhr It's Rotkäppchentime

Das ist keine Schaumweinwerbung!

Rotkäppchen war ein ganz liebes Kind. So lieb, dass niemand genau sagen kann, ob es nun einfach nur kindlich naiv oder unverbesserlich vertrauensselig war. Der Verdacht liegt nahe, dass Rotkäppchens Unbedarftheit auf einen Erziehungsfehler zurückzuführen war. Von einem Vater ist im Märchen weit und breit keine Rede und von der Mutter wissen wir, dass sie ihr kleines süßes Mädchen den weiten Weg durch den Wald zur Großmutter schickte, ohne an die Gefahren, die dort drohten, auch nur zu denken. Im Gegenteil: Rotkäppchen wurden Verhaltensregeln mitgegeben, die nur darauf abzielten, dass das Kind in ängstlicher Sorge um die ihm anvertraute Weinflasche und den Kuchen seinen Weg machen sollte, von den vielen Tieren, die im Walde lebten, war nicht die Rede.

So kam es, dass das Rotkäppchen tatsächlich dem Wolf begegnete, der das naive Kind nur zu fragen brauchte, was immer er wissen wollte, und daraufhin bereitwillig und wahrheitsgemäß die Antworten erhielt, die er brauchte, um seinen finsteren Plan zu schmieden und auszuführen. Am Ende schickte der Wolf das Mädchen sogar noch tief in den Wald hinein - zum Blumenpflücken - damit er genügend Zeit hatte, die alte kranke Großmutter zu fressen, ihre Kleider anzuziehen und sich als Großmutter verkleidet ins Bett zu legen.

Natürlich gibt es unter den Tieren des Waldes auch niedliche und friedliche. Sie sind sogar in der Überzahl: Die putzigen Eichhörnchen, die flinken Hasen, die emsigen Kaninchen, die Rehe und stolzen Hirsche, vor denen muss sich niemand fürchten. Es wäre daher auch völlig falsch, das ganze Tierreich unter Generalverdacht zu stellen. Ist es aber nicht ebenso falsch, die wirklich gefährlichen Arten von den ungefährlichen vorsichtshalber gar nicht erst zu unterscheiden? Ist es nicht unglaublich naiv, die Tür zum Hühnerstall auszuhängen und zu Brennholz zu verarbeiten, nur weil man weder dem Kaninchen, noch dem Fuchs in diskriminierender Weise unterstellen will, sie könnten auf die Idee kommen, die Hühner zu fressen?

Als Denken noch erlaubt war, also vor der Herrschaft der politisch korrekten Wahrheit und der politisch korrekten Worte und Sätze, hatten sich Wissenschaftler darauf verständigt, dass die alten, lange Zeit mündlich überlieferten Märchen, archaische Weisheiten in so verständlicher Form überlieferten, dass Kinder später, ohne dabei überhaupt an das Märchen zu denken, in abstrakt vergleichbaren Situationen vorsichtig waren, statt vertrauensselig zu sein. Dass sie eben nicht die Tür zum Hühnerstall aushängen und verbrennen, und sollten sie es doch leichtsinnigerweise getan haben, dann doch wenigstens, wenn der Nachbar darauf hinweist, dass dies töricht sei, es kämen sicher nicht nur Kaninchen, sondern ganz bestimmt auch der Fuchs, eiligst eine neue Tür zu zimmern beginnen und sich schämen, einen solchen Fehler gemacht zu haben.

Heute stellen sich die vereinigten Rotkäppchen hin und halten dem klugen Nachbarn vor, er "hat jedes Maß verloren", oder, noch schlimmer, "seine Äußerungen sind wirr und in hohem Maße irritierend", und, noch einen obendrauf: "Entweder zieht er damit historische Verbindungen, die unerhört sind. Oder er hat schlicht kein Geschichtsbewusstsein."

Als Denken noch erlaubt war, ja als sogar Erinnern und Wissen noch erlaubt waren, hätte niemand ernsthaft bezweifelt, dass im Wald sehr unterschiedliche Tiere leben. Niemand hätte ernsthaft in Frage gestellt, dass man, wenn man einen Wald gerodet hat und den armen heimatlosen Tieren eine Zuflucht gewähren will, schon aufpassen sollte, dass man ins Hühnergehege nur die Hasen und Rehe, die Eichhörnchen und Kaninchen einlassen sollte, dass man also an der Tür aufpassen muss, dass sich da nicht als Großmütter verkleidete Wölfe, sich vegetarisch gebende Füchse oder gar lustig tanzende Bären in ein für sie hergerichtetes Schlaraffenland begeben.

Was fordert Horst Seehofer denn?

Er fordert, dass sich die Regierung an die Gesetze und Regeln hält, die aufgestellt wurden, als Denken noch erlaubt war. Er fordert, dass die Regierung auf die Stimmen jener hochrangigen Juristen hört, die trotz umfassender Denkverbote unter Gefahr für Ruf und Reputation unbeirrt weiterdenken. Nichts anderes.

Außerdem hat er offenbar festgestellt, dass weder die Fläche seines Hühnergeheges noch die Futtervorräte ausreichen, um auch noch die Tiere aus allen anderen, noch intakten Wäldern aufnehmen zu können. Also kommt er, weil auch er noch immer nicht das Denken aufgegeben hat, zu dem Schluss, dass Deutschland nicht das Sozialamt der Welt sein kann.

Und folgerichtig kommt er zu dem weiteren Schluss, dass er, so bitter das ist, gegebenenfalls gegen die Regierung, welcher ja auch Minister aus seiner eigenen Partei angehören, gerichtlich vorgehen muss.

Das wird zwangsläufig auch zum Ende des gemeinsamen Geheges von CDU und CSU führen, es sei denn, die Tür wird einvernehmlich wieder eingehängt. Doch dann werden die Rotkäppchen weinen und wehklagen, und der Tag ist wohl nicht mehr fern, an dem ein Rotkäppchen stolz verkünden wird (per Smartphone aus dem Bauch des Wolfs heraus): "Was bin ich glücklich, dass ich, durch mein politisch vorbildlich korrektes Verhalten, das Überleben des Wolfes in artgerechter Weise sicherstellen konnte".

 

 

 

 


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 




 

 

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