22.Januar 2016

15.30 Uhr Wachstum in der Geldfälscherbranche

Die Online-ZEIT widmet sich heute sehr ausführlich der Geldfälscherei. Es sei so viel Euro-Falschgeld im Umlauf wie noch nie. In Deutschland sei der "Falsche Fuffziger" nach wie vor höchst beliebt und die Bundesbank halte die Falschgeldschwemme für bedenklich.

Ganz automatisch waren meine Gedanken erst auf Jens Weidmann, Mario Draghi und das Billionenschrottanleihenankaufprogramm programmiert und ich wollte der ZEIT schon gratulieren, die Thematik endlich einmal so richtig beim Namen zu nennen, doch dann stolperte ich über die Abbildung von zwei Geldscheinen und ich musste grinsen.

Da wird doch tatsächlich immer noch ein riesiges Aufhebens um nachgemachte Geldscheine gemacht. Nur, weil im vorletzten Jahr Blüten mit einem aufgedruckten Wert von 3,3 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen wurden und im letzten Jahr sogar falsche Scheine mit aufgedrucktem Wert von 4,4 Millionen Euro.

Bei der ZEIT hieß das allerdings, es sei ein "Schaden" von 3,3 bzw. 4,4 Millionen Euro entstanden - und da hakt es bei mir dann aus.

Vermutlich verursachen die bizarren und dennoch unnützen Versuche, die Euro-Scheine fälschungssicher zu machen, Jahr für Jahr sehr viel höhere Kosten (Schaden!), außerdem verursachen Geldfälscher keinen Schaden. So lange ihr nachgemachtes Geld umläuft, handelt es sich, ganz im Gegenteil, um ein wachstumsförderndes Instrument. Von jedem Einkauf mit einem nachgemachten 50-Euro-Schein erhält Herr Schäuble 7,98 Euro Mehrwertsteuer für die Staatskasse. Wechselt diese "Blüte" siebenmal mehrwertsteuerpflichtig den Besitzer, hat er schon mehr Steuereinnahmen generiert, als der Fälscher als Wert aufgedruckt hat!

Ganz verrückt wird die Geschichte mit dem Falschgeld, wenn man sich vorstellt, der Falschmünzer ist zugleich noch Kunstfälscher, was ja eine naheliegende Kombination darstellt. Da geht er also in sein Kunstmalerfachgeschäft und kauft sich einen schönen feinen echten Marderhaarpinsel im Edelstahletui und bezahlt mit dem selbstgemachten Hunderter. Den bekommt dann die Aushilfsverkäuferin in ihre Lohntüte. Weil sie im Fasching toll aussehen will, trägt sie den Hunderter zu ihrem Frisör, der ihr dafür nicht nur die allergeilste Dauerwelle in die Haare legt, sondern ihr auch noch eine Form- und Stilberatung angedeihen lässt und ihr zeigt, wie man sich das Rouge an den richtigen Stellen in der richtigen Dosierung auf die Wangen legt, damit die Jungs den Eindruck bekommen: Die Braut ist heiß! O.k., ich schweife ab. Der Frisör geht mit dem Hunderter zur Trabrennbahn, setzt alles auf "Glanzäuglein" und verliert oder gewinnt. Das ist egal. Die Herren des Totalisators nehmen sich ein paar schöne Tausender Bares aus der Kasse, bevor sie mit dem Zählen und Verbuchen beginnen, und einer davon erwischt in seinem Bündel den falschen Hunderter. Weil er ein Kunstfreund ist, und es sich auch leisten kann, macht er noch einen Besuch bei einem befreundeten Galeristen, der ihm ein lange verschollenes Werk eine bekannten englischen Landschaftsmalers anbietet. Sie ahnen es, dieses Bild stammt aus der Werkstatt unseres Geld- und Kunstfälschers, und als sich kurz darauf Galerist und Fälscher treffen, wechseln ganz nebenbei fünf schöne Hunderter den Besitzer. Den einen, den seinen, erkennt der Fälscher sofort wieder, sagt aber nichts, sondern er steckt ihn ein.

Es wurde damit also ein wertvoller und für die weitere Arbeit sehr nützlicher Pinsel gekauft. Eine Verkäuferin wurde entlohnt und ein Frisör hat einen schönen Umsatz gemacht. Dass er das Geld dann verspielte, oder auch noch mehr dazugewonnen hat, spielt keine Rolle, wichtig ist, dass der Schein weiterwandern konnte und mit dazu beigetragen hat, einen bestens gefälschten Wandschmuck zu erstehen, so dass der Schein am Ende wieder bei seinem Hersteller angekommen ist.

Hätte er sich den Pinsel nicht kaufen können, dann hätte vielleicht der Künstlerbedarfshändler seine Verkäuferin am Monatsende vertrösten - und dann entlassen müssen, vielleicht. Nur vielleicht. Die hätte sich dann die Augen ausgeweint, statt zum Faschingsball zu gehen und selbstverständlich wäre sie auch nicht mit einem 100-Euro-Etat beim Frisör aufgetaucht. Der hätte sich, beim Blick in die halbleere Kasse den Besuch der Rennbahn vielleicht verkniffen. Der Galerist säße womöglich immer noch auf dem wunderschönen Landschaftsgemälde - und der Fälscher hätte immer noch kein Geld.

Wo bitte, ist der "Schaden"?

Ach so, Sie meinen, solche Geschichten könne man zwar schön erfinden, doch dass sie tatsächlich stattfinden, sei ziemlich unwahrscheinlich. Das stimmt. Es ändert aber nichts.

Es ändert so lange nichts, bis jemand erkennt, dass er einen gefälschten Schein in der Kasse hat und den zur Bank oder zur Polizei trägt. Dann wird der Schein ersatzlos eingezogen und entweder vernichtet oder zu Schulungs- und Anschauungszwecken in den Giftschrank gelegt. Der ehrliche Finder ist das bis dahin gut funktionierende Geld los.

Was lehrt uns diese Lobrede auf das Falschgeld?

Nun, da ist zunächst einmal die Erkenntnis, dass Falschgeld die gleichen Fähigkeiten besitzt wie das "echte" Geld, solange es nicht in die Nähe einer Bank, einer Polizeistation oder einer superkritischen Supermarktkassiererin gerät.

In beiden Fällen handelt es sich nur um bunt bedrucktes Altpapier und sonst nichts.
Laufend verschwinden Tonnen von schönen echten Geldscheinen in den Krematorien der Zentralbanken, ohne dass dadurch ein Schaden entstünde, und laufend verlassen Tonnen von nagelneuen, frisch gedruckten Geldscheinen die Gelddruckereien, ohne dass sich deswegen der Materialwert des Papiers wesentlich verändert hätte.

Geld ist Geld, wenn derjenige, der es erhält, daran glaubt, dass es Geld ist und solange er wieder einen findet, der ebenfalls daran glaubt.

Nun heißt es, Falschgeld sei deshalb so verderblich, weil es die Inflation anheizt.
(Je mehr Geld bei gleichem Warenangebot im Umlauf ist, desto teurer werden die Waren - und die Löhne, es wird ja sogar vor Lohnerhöhungen gewarnt, weil damit die Geldmenge wächst (?) und Inflation angeheizt wird.)

Wenn also in einem Währungsraum, dessen Zentralbank mit aller Gewalt und mit dem Einsatz von monatlich über 60 Milliarden frisch gedruckten Geldes darauf aus ist, die Inflation anzuheizen, dann sollte man sich bei den Geldfälschern bedanken, dass sie Mario Draghi solidarisch mithelfen, dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen.

Wenn man allerdings die Relation zwischen 4,4 Millionen und gut einer Billion betrachtet, wenn man bedenkt, dass die EZB rund zweihunderttausendmal so viel Geld in den Pott wirft, wie die entdeckten Blüten wert waren, und dennoch keinen Erfolg hat, dann bräuchten wir vermutlich eher viel mehr Geldfälscher - und es ist zu vermuten, dass deren Wirken eher zum Erfolg führen könnte.

Denn: Wer Falschgeld hat, weiß, dass er es verliert, wenn er es in die Nähe der Banken bringt. Was schon ein bisschen dafür sorgt, dass es länger in Umlauf bleibt, mehr Transaktionen ermöglicht, ja sogar Wachstum hervorbringen kann und damit auch die unvermeidliche Inflation.

Draghi wirft sein nachgedrucktes Geld den Banken in den Rachen. In der Realwirtschaft kommt davon so gut wie nichts an. Die nächste Blase auf den Finanzmärkten wartet nur darauf, es zu vernichten. Und dass die EZB dafür Anleihen gekauft hat, wird Draghi am Zahltag auch nicht glücklich machen, wenn die Emittenten dieser Anleihen sich wegen neuerlich notwendiger Ausgaben für die Rettung ihrer Banken für zahlungsunfähig erklären.

Damit sind wir bei der nächsten Übereinstimmung zwischen der EZB und den Fälschern.

Beide können nicht pleite gehen. Beide können immer so lange frisches Geld in die Welt setzen, wie sie es für erforderlich halten. Beide sind in der Lage, eine Währung vollständig an die Wand zu fahren. Die Geldfälscher allerdings nur theoretisch.

Beide können wegen Überschreitung ihrer Kompetenzen verklagt werden. Die EZB allerdings nur theoretisch.

Aber, liebe Leute, glaubt der ZEIT und den anderen Wahrheitsmedien ruhig, wenn sie in den nächsten Tagen erklären, dass mit der Abschaffung des Bargelds auch das Problem der Geldfälscherei gelöst sei. Sie wollen euch nur schützen. Und fangt bloß nicht vorzeitig an euch zu fragen, was der Staat alles mit euch anstellen wird, wenn ihr nur noch kontrolliert per Überweisung bezahlen könnt. Da könnt ihr immer noch mit Jammern und Wehklagen anfangen, wenn es so weit ist. Dann könnt ihr auch sicher sein, dass alles nichts nützt und dass "die da oben" sowieso machen, was sie wollen.

 

Das Buch "Falschgeld, die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" von Samirah Kenawi ist gerade noch im Angebot. Nur 7,95 Euro statt regulär 18,80 Euro.

Die immer drängender werdende Frage "Wo bleibt die Revolution - die Sollbruchstelle der Macht" ist bei mir ein Buchtitel geworden. War ein paar Wochen lang ausverkauft und ist jetzt wieder auf Lager.

Und Andreas Reinhardt hat seine Version der Revolution in Romanform gegossen und dabei die Idee des Tyrannenmordes in das Deutschland der Gegenwart übertragen. Wo die parlamentarische Opposition nur noch wirkungslose Staffage ist, wo die Stimmung in der Bevölkerung aufs Äußerste gereizt ist, wo Geheimdienste und Polizei unkontrollierbar geworden sind, wo der Bürger sich als Melkkuh wahrnimmt und von den Medien alles erwartet, nur nicht die Wahrheit, manifestiert sich mehr und mehr die Vorstellung, dem Trauerspiel ein gewaltsames Ende zu bereiten.

In seinem Roman "Operation reiner Tisch" macht er die Zwangsläufigkeit dieser Entwicklung deutlich und überträgt die Skrupellosigkeit, mit der Großmächte sich auch heute noch vor den Augen der Welt missliebiger Staatsführer entledigen, auf einen Kreis von Verschwörern um den Vorsitzenden der fiktiven Partei "Freiheit, Werte, Deutschland (FWD)", die ihren Plan, den amtierenden Bundekanzler zu ermorden, konsequent vorwärtstreiben.
 
Zwei einsame Gegenspieler kommen dieser Verschwörung näher. Ihre Motive unterscheiden sich. Da sind die persönlichen Rachegelüste der Melanie Holländer auf der einen Seite und bei dem schon längst in Resignation verfallenen Journalisten Jonathan Ehrlicher das vage Gefühl, wenigstens einmal im Leben etwas richtig machen zu müssen. Dass sich ihre Wege kreuzen ist unvermeidlich, doch es fällt ihnen schwer, gegenseitiges Vertrauen zu entwicklen.
 
Wird das Attentat gelingen?
Kann es noch vereitelt werden?
 
Die Antwort darauf gibt der Autor auf den letzten Seiten dieses Polit-Thrillers.
 
Ob damit alles beim Alten bleibt, ob alles besser wird - oder noch schlimmer, lässt er offen. Doch Sie werden sich Ihre Meinung dazu bilden. Ganz bestimmt.
 
 
 
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Ab 18. Januar wieder lieferbar:

Über Ursachen, Auslöser und Verlauf von Veränderungsprozessen. Vom Kompromiss bis zur Revolution.

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Priester Messident
in tiefer Sorge um Bruder Joachim - Hier -


 

Allmählich spricht es sich herum:


Sogar im SWR fand das Buch über
den Stuttgarter Grubenbahnhof
inzwischen lobende Erwähnung.

Der Autor hat einige Stimmen zu seinem jüngst im EWK-Verlag erschienenen Buch auf seiner Homepage veröffentlicht.

Schauen Sie doch mal selbst bei
Manfred J. Schmitz vorbei.

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"Dr. Feist im Fegefeuer" direkt online.

Und natürlich gilt das auch für Schmitz's
ersten Roman "Wer weiß schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist ..."

 


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 




 

 

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