Paukenschlag
am Donnerstag
No. 29 /2016
vom 21. Juli 2016


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


Ist denn jetzt
der Teufel los?
 
Einer der vier Astrologen, von denen ich weiß, dass sie bei mir mitlesen, hat mir in der letzten Woche diese Kurz-Analyse geschickt:
 

Wir haben schon seit Monaten ein Quadrat aus den Planeten Neptun und Saturn am Himmel. Leider bleibt diese Konstellation noch.

Neptun Square Saturn - eine Konkurssitation.


Neptun steht für das Prinzip des Daseins und Saturn für die Bestimmung des Daseins. Wenn diese Planeten in einem Winkel von 90 Grad stehen, ist es wie an einer Kreuzung von zwei Straßen ohne Ampeln.

In den Zyklen von Neptun und Saturn finden wir den Mauerfall November 1989, das Ende des Zweiten Weltkrieges April 1945, gestern beim Terror in Nizza dominant am MC der Stadt. (Medium Coeli, MC = Himmelsmitte)

Dies sind nur einige Beispiele zur Verdeutlichung. Es kann oder wird zu einem Zusammenbruch der Systeme kommen. Wer noch Vorsorge treffen kann, sollte es tun.
Es kann vermehrt zu Insolvenzen kommen. Da sind ja dann immer auch andere betroffen.
Meine letzten Taler brauche ich leider für Handwerker und Anwälte, sonst würde ich etwas Gold kaufen.
Wie weit Frau Merkel von Neptun - Saturn betroffen ist, kann man seriös nicht sagen. Ihre Geburtsdaten sind vermutlich getürkt. Es gibt ein paar Geburtszeiten im Netz. wenn diese in etwa stimmen, dann ist sie betroffen und damit auch die ganze Republik.

Mit paranoiden Ängsten sehe ich den Tagen im September und Oktober 2016 entgegen. Bis dahin sollte alles klar sein. Wie auch immer.

 
Man kann von diesen Aussagen und ihrem Zustandekommen halten, was immer man will, ernsthaft bestreiten,
.
dass derzeit an allen Fronten heftige Auseinandersetzungen stattfinden, dass die Kräfte, welche Ordnungen schaffen oder erhalten wollen, gegen nicht minder starke Kräfte antreten, deren Ziel es ist, alte Ordnungen, Regeln und Grenzen aufzulösen,
 
kann man nicht.

Ebenso werden aber Wunschträume und Strategien durchkreuzt, platzen Blasen, kurz:
 
Die Gleichungen gehen nicht mehr auf -
und neue Lösungswege sind noch nicht gefunden.
 
 
Es ist nahezu gleichgültig, wo man mit der Aufzählung der Erosions- und Auflösungsprozesse beginnt. Das Szenario ist bis zum Rand ausgemalt als hätte Hieronymus Bosch den Pinsel geführt.
 
In Italien sitzen renommierte Banken auf oberfaulen Krediten in Höhe von 360 Milliarden Euro. Die Partei von Beppe Grillo sitzt auf den Bürgermeistersesseln in Rom und Turin, und Signore Renzi sitzt auf glühenden Kohlen, weil ihm sämtliche Felle davonschwimmen. Er müsste theoretisch dafür sorgen, dass die strauchelnden Banken gerettet werden, und zwar nach den jüngsten Vereinbarungen der EU zuerst von den Eigentümern und Anlegern, bevor der Staat einspringt. Ließe er dies zu, könnte er vermutlich gleich abdanken. Also bittet er um Hilfe, um Bankenrettung nach guter alter Sitte. Der Steuerzahler springt in die Bresche, die Vermögen werden gerettet. Der europäische Einlagensicherungsfonds, der erst ab 2017 überhaupt in Kraft treten und erst 2024 über ein Kapital von gerade einmal 43 Milliarden Euro verfügen soll, steht diesen 360 Milliarden oberfauler Kredite und dem Refinanzierungsbedarf der italienischen Banken in pränataler Einfalt vollkommen machtlos gegenüber.
 
Kein Grund zum Lachen für die Deutschen. Wenn kommt, was unausweichlich scheint, nämlich eine neue europäische Bankenrettung per ESFS/ESM, wird Deutschland wieder den größten Brocken zu schultern haben.
Dies ist aber nur das kleinere der beiden finanziellen Damoklesschwerter, die über Deutschland schweben. Die Deutsche Bank wird derzeit als das größte systemische Risiko für das Weltfinanzsystem bezeichnet. Ein minimales Eigenkapital und gigantische Risiken aus Derivategeschäften sind wie ein offenes Pulverfass neben dem funkensprühenden Sonnwendfeuer.
 
Dieses Großrisiko würde nicht nur den Euro und das europäische Bankensystem auslöschen, es würde weite Teile der Welt mit in den Abgrund reißen. Too big to fail. Mario Draghi wird frisch emittierte Schuldscheine der Deutschen Bank in der Größenordnung von Billionen Euro aufkaufen und in den Keller legen müssen, wo schon Tonnen wertloser Papiere still vor sich hin schimmeln.
Dagegen nimmt sich die Tatsache, dass Volkswagen und Töchter von den Amis derzeit ausgenommen werden, wie die Weihnachtsgänse, eher lächerlich aus, doch während die US-Richter die Tributforderungen immer noch weiter in die Höhe treiben, droht VW doch die Puste auszugehen. Gelingt es nicht, Vereinbarungen über eine vernünftige Streckung der Straf- und Entschädigungszahlungen zu treffen, wird VW entweder den US-Markt und seine Dollarguthaben verlieren oder in einem ganz erheblichen Maße schrumpfen, wenn nicht gleich an die Chinesen verkaufen müssen.
 
In den USA kämpft ein Mann um das Präsidentenamt, und obwohl sich ihm nicht nur die Phalanx der so genannten "Demokraten" in den Weg stellt, um diesen für Hillary Clinton freizuhalten, sondern auch seine eigene, republikanische Partei an seiner Kandidatur zu zerbrechen droht, kommt er Schritt für Schritt vorwärts. Donald Trump ist für sehr viele Amerikaner das Sinnbild für das Ende der Herrschaft der alten, verfilzten Eliten, einer, dem man zutraut, so etwas wie einen neuen amerikanischen Traum wahrwerden zu lassen, durch Rückbesinnung auf die eigenen Stärken und Fähigkeiten, den Staat wieder zum Land der Freien und der unbegrenzten Möglichkeiten werden zu lassen.
 
Klar, dass ihm Nationalismus vorgeworfen wird, klar, dass man ihn in die Nähe des Faschismus rückt, klar, dass man gerne vom "Verrückten" spricht. Ich neige dazu, ihm das zuzutrauen, was Kohl seinerzeit versprochen hat, nämlich eine "geistig moralische Wende". Sage allerdings einschränkend dazu: falls er lange genug lebt, um seine Vorstellungen umsetzen zu können.
 
 
In der Türkei ist ein Mann Präsident, der derzeit alles unternimmt, um innerhalb kürzester Zeit eine diktatorische Herrschaft zu errichten. Die Zahl der Betroffenen seiner Säuberungsmaßnahmen ist inzwischen auf über 50.000 gestiegen. Unterstellt man, dass dies nur die "Rädelsführer" der Opposition sind, während jene, die eher schweigend innerlich protestieren, noch ungeschoren bleiben, so ist zu erwarten, dass nun auch die Türkei nach deutschem Vorbild so etwas wie die Amadeu Antonio Stiftung installiert und - ebenfalls nach deutschem Vorbild - jeden zur Denunziation aufruft, der irgendwo einen politisch nicht korrekten Satz von Nachbarn, Arbeitskollegen oder den eigenen Verwandten aufschnappt. Dies wiederum lässt erwarten, dass Massen von Türken und beileibe nicht nur kurdischen Türken, versuchen werden, das Land zu verlassen - spätestens wenn die Todesstrafe wieder salonfähig geworden ist und die ersten hundert Köpfe gerollt sein werden. Ob der Ausnahmezustand zum Dauerzustand über viele Jahre werden wird, ist schwer zu sagen.
 
Dabei ist das auch außerhalb der Türkei inzwischen eine der leichtesten Übungen. In Frankreich wird der Ausnahmezustand, die Ausschaltung weiter Teile des Rechts- und Grundrechtestaates, ja auch immer wieder um ein halbes Jahr verlängert, ohne dass damit wirkliche Erfolge im Krieg Hollandes gegen den Terrorismus sichtbar würden.
 
Der Lkw als Mordwerkzeug, bisher unvorstellbar? Lächerlich.
 
In jedem größeren Unternehmen gibt es detaillierte Überlegungen zur Gefahrenabwehr. Bis vor ungefähr 25 Jahren ging es dabei in erster Linie um die Abwehr von Einbruch und Diebstahl, sowie um den Brandschutz. Doch dabei ist man nicht stehen geblieben. Die Abwehr terroristischer Angriffe gehört inzwischen zum Standard-Repertoire. Massive Poller aus Granit oder Beton sind nicht nur Zierrat vor den Eingangsbereichen, sollen nicht nur verhindern, dass Freiflächen als Parkplätze missbraucht werden. Sie sind ein erstes Bollwerk gegen Angriffe mit Fahrzeugen.
Das Verschwinden der einst offen zugänglichen Ansaugöffnungen der großen Klima-Anlagen hinter meterhohen Streckmetallzäunen, die wiederum von Buschwerk getarnt für den Unwissenden unsichtbar geworden sind, tief darunter die lange Reihe von Giftgas-Sensoren - das alles (und noch sehr viel mehr) gehört zum Stand der Kunst.
Attacken, wie in Nizza oder jetzt in einem Abteil der Deutschen Bahn, sind Horrorszenarien in den Köpfen der Verantwortlichen, weil sie eben nicht verhindert werden können.
 
Es gäbe zwar einen Weg, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens massiv zu verringern, doch dieser Weg verlangt, dass Bevölkerung, Regierung und Wirtschaft miteinander an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen. Weil aber Gewinne nur auf Kosten der Bevölkerung zu erzielen sind, und die Staatsmacht auf die Konzerne angewiesen ist und nicht mehr gegen sie regieren kann, ist jeder Unzufriedene automatisch auch als ein potentieller Attentäter einzuordnen. Daher gibt es die langen Listen aus denen uns immer wieder vorgelesen wird, der Täter war der Polizei und den Diensten bekannt, bzw. nach denen in der Türkei derzeit die Verhaftungswelle läuft.
 
Der Versuch, Regierung und Bevölkerung wieder zu einen, hat in Großbritannien zum Austritt aus der EU geführt. Bis zuletzt wurden die übelsten Horrorszenarien an die Wand gemalt, um die Briten vom EXIT abzuhalten, doch das alles konnte sie nicht schrecken. Sie sahen, wie in Schillers Glocke ganz klar "… der Schrecken aller Schrecken, das ist der Mensch, in seinem Wahn".
 
Der Versuch, aus dem ursprünglichen Kartell der nationalen Wirtschaften (EWG) einen neuen, supernationalistischen Metastaat zu schaffen, der mit den USA auf gleicher Augenhöhe weltweit die Politik bestimmen sollte, während seine Bürger vollständig entmündigt in totaler Überwachung stehen, ist ein solcher Wahn. Doch erst als dieser Wahn dadurch gekrönt werden sollte, dass Millionen von Flüchtlingen und Migranten angelockt wurden, um - neben allen offiziellen und zum Teil auch richtigen Begründungen - aus noch einigermaßen homogenen und kraftvollen Gesellschaften leicht regierbare Mischkulturen ohne gemeinsamen Werte-Kern zu schaffen, entwickelten sich Widerstandsströmungen, die immer noch erstarken und mit jeder von Ausländern oder Migranten verübten Straftat ihre Daseinsberechtigung neu begründen.
 
Das Problem der Rest-EU mit dem BREXIT wird allerdings nicht auf dieser soziologisch-psychologischen Ebene gesehen, sondern weiterhin nur in einer technokratisch-materialistischen Betrachtung. Während eine Seite argumentiert, die EU müsste nun die volle Härte eines kaum verhohlenen Wirtschaftskrieges gegen Großbritannien zeigen, um anderen Wackelkandidaten die Folgen eines Austritts drastisch vor Augen zu führen, hat die andere Seite nur im Sinn, die wirtschaftlichen Verflechtungen, den Freihandel, möglichst vollkommen unangetastet zu lassen, auch außenpolitisch noch nach Kräften zu kooperieren und es damit bewenden zu lassen, dass die Insulaner in allen "inneren Angelegenheiten" ihre Suppe wieder nach altem englischen Rezept anrühren.
 
Die Aufzählung der spektakulären Ereignisse ist längst nicht vollständig. Die Weltwirtschaft lahmt insgesamt, die Leitwährungen werden nur künstlich durch gigantische Frischgeldspritzen aus dem Nichts am Leben gehalten. Der Ölpreis kriecht weiter unterhalb der Grasnarbe dahin. Die Saudis werden durch Veröffentlichung geheimer Akten ein Stück näher an die Mittäterschaft von 9/11 herangerückt. In Syrien tobt ein Krieg, bei dem die Zahl der Fronten und Kombattanten gar nicht mehr ermittelt werden kann. Mitten drin eine islamistische Bewegung, die von heute auf morgen aufhören würde, zu existieren, würde der Nachschub abgeschnitten. Ich weiß nichts davon, dass der IS über eine Fabrik verfügt, aus Toyota-Pickups rollen, nichts von IS-Waffen- und Munitionsproduzenten, ja ich habe sogar erhebliche Zweifel, ob IS überhaupt über die Infrastruktur verfügt, um die Kämpfer und ihre Befehlshaber im Umgang mit komplizierten Systemen auszubilden und ihnen taktische und strategische Grundsätze zu vermitteln. Wenn alle, die vorgeben, den IS zu bekämpfen, ein Embargo beschließen würden, der Islamische Staat wäre nur noch eine Randnotiz der Zeitgeschichte.
 
An der russischen Westgrenze ist der Belagerungsring durch NATO-Truppen und US-Raketenabwehrsysteme so gut wie geschlossen und die Belagerer, die sich entgegen aller Vereinbarungen waffenstarrend bis an die Grenze herangeschoben haben, hören nicht auf, mit der Angriffslust der Verteidiger zu argumentieren.
 
Ein neuer Freund schrieb mit gestern: "… das verschaffte mir die bis dahin fehlende Zeit, um die Hintergründe der immer deutlicher zutage tretenden Misstände zu erforschen. Themen, wie betrügerisches Finanzsystem (zinseszins-basiertes Schuldgeld), Ressourcenkriege, Politikerlügen, Mediengleichschaltung und dergleichen habe ich ohne zu zögern aufgearbeitet und kann mich heute als ernüchtert, aber angstfrei bezeichnen."
 
Angst, erläutere ich dazu noch, entsteht immer aus der Ungewissheit. Viele haben sogar Angst, sich Gewissheit zu verschaffen und wollen sich daher mit den riskanten Themen unserer Zeit gar nicht beschäftigen. Richtig ist allerdings, dass erst, wenn man sich Gewissheit verschafft hat, die Angst überwunden werden kann.
 
Der alte Spruch "Gefahr erkannt - Gefahr gebannt" stellt diesen Prozess zwar sehr vereinfacht vor, doch ist er im Kern wahr.
Wer den Kopf in den Sand steckt, macht sich selbst zum wehrlosen Ziel.
 
Oder, um es mit Brecht zu sagen:
 
Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
 
 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

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 Anker Julie