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27. April 2015
 
11.00 Uhr Ein Schluck Maibowle, vorweggenommen
 
Seit der Klimawandel tobt und der Salat und Bäume schon im April schießen bzw. ausschlagen, statt erst im Mai, wie vom volktstümlichen Lied- und Sprachschatz vorgesehen, ist die Welt auch sonst ziemlich aus dem Ruder.
 
Da sitze ich nun am Montagmorgen und frage mich, was denn wohl los ist. Nichts.
Die Bayern haben mal wieder vorzeitig, die Deutsche Bank verplant ihre exorbitanten Gewinne für weitere, drohende exorbitante Strafzahlungen und trennt sich von Filialen und Mitarbeitern, Piech ist nur noch Großaktionär, die Bundesregierung weiß schon seit Ewigkeiten von den Nebentätigkeiten des BND als Subunternehmer der NSA, Draghi spinnt weiter, und zwar staubtrockenes Anleihenstroh zu rostigem Tricksergold, Motorradfahrer dürfen nicht nach Berlin, hinter dem Hindukusch, dort wo Deutschland noch nicht verteidigt wird, bebt die Erde, der Leopard braucht Uranmunition, um überlegen gepanzerte russische Tanks knacken zu können, die Gewehre brauchen dickere Rohre, damit man etwas länger schießen kann, bevor sie heiß sind, dafür aber auch etwas länger warten muss, bis sie wieder abgekühlt sind, Tsipras telefoniert dramatisch mit Merkel, während anderen Euro-Finanzministern der Geduldsfaden reißt, die Türkei empört sich noch immer über den Völkermord und irgendwo, fernab, hat Herr Nowitzki wieder mal das Aus für die Mavericks verhindert. Das reißt niemanden vom Hocker, und so tendieren DAX und Dollar weiter seitwärts. Nichts Großes geschieht.
 
Es mag damit zusammenhängen, dass dieses "V-Wort", dem einst die "Dichter und Denker" untrennbar zugeordnet waren, wie das kleine "u" dem großen und dem kleinen "Q" nicht mehr existiert und durch das "B-Wort" ersetzt wurde.
 
Das spricht sich schon gar nicht mehr flüssig aus: "Die Bevölkerung der Dichter und Denker", und gibt auch gar keinen Sinn, weil zwischen Volk und Bevölkerung eben ein größerer semantischer Unterschied besteht als nur ein zahlenmäßiger.
 
Schon als ich Bücher noch passiv konsumierte, statt aktiv zu schreiben und zu verlegen, geriet ich bisweilen in Kontakt mit so genannter "avantgardistischer Lyrik". Vor dreißig, vierzig Jahren hatten diese Texte zwar zumeist schon keinen oberflächlich erkennbaren Sinn mehr, entpuppten sich aber bei näherem Hinsehen doch als kleine, mit den Mitteln der Sprache geschaffene Kunstwerke, die einem Meister des Glasperlenspiels aus Hesses feuilletonistischem Zeitalter zur Ehre gereicht hätten.
 
Nun sind die "Nachahmer" unterwegs und präsentieren ihre nicht nur sinnfreien sondern auch kunstlosen Werke, in der irrigen Annahme, Kunst brauche nicht mehr Gehalt, als das, was sie selbst in den Äußerlichkeiten der Werke zu erkennen vermögen.
 
Weil mich hin und wieder Manuskriptangebote von Lyrikern erreichern, zum Teil sogar mit großartigen Rezensionen versehen, möchte ich Sie - irgendwie - daran teilhaben lassen. Das geht natürlich nicht mit einem Originaltext, daher ist das Nachstehende auch vollkommen frei erfunden, dabei jedoch immer noch ganz nahe an der real existierenden Normalität.
 
 

Reimfreie Lyrik
oder
die Kunst im Darm

 

Vermutlich

Vermutlich hat alles begonnen.
Sonst wäre ja nichts.

(L. Lyrrix)

 

"Dieser beeindruckende Zweizeiler",

so der zu Tränen des Glücks gerührte Rezensent,

"bringt mit insgesamt acht Worten nicht nur das Geheimnis der Schöpfung auf jenen Punkt, von dem aus Archimedes die Welt aus den Angeln heben wollte, er bestätigt zugleich auch jenen berühmten Also- bzw. Ergo-Satz Descartes, vom denkenden "Bin" und dem untrennbar damit verbundenen seienden "Denk", der uns aus dem Gefängnis des deterministischen Realismus entlässt, in eine Welt, in der die - den Anschein in Vermutungen zur Logik verdichtende und zugleich transzendierende - kontemplative Beschaulichkeit ihr wohltuendes Regiment führt."

Hätte der Rezensent geahnt, dass die beiden Sätze sowohl weit nach Mitternacht als auch weit nach dem fünften Bier, mühsam lallend artikuliert wurden, bevor der Hervorbringende endgültig sein Haupt in die Bierlache tauchte und leise röchelnd den Prozess der Selbstausnüchterung in Gang setzte, er hätte vermutlich nicht versäumt seine Laudatio noch mit einigen Worten zu Ehren Bacchus' auszuschmücken.

Vermutlich hat alles mit einem im Delirium durchs Atelier schwankenden Kunstmaler begonnen, der von jenem Augenblick an nichts mehr schuf, sondern nur noch "schöpfelte", in dem er staunend erkannte, dass die Farbe auch ohne sein willentliches Zutun ganz von alleine vom Pinsel auf die Leinwand tröpfelte.

Es brauchte nun nur noch die Eloquenz des ewig klammen Galeristen des Wegs zu kommen, um in den kunstverschleierten Gehirnen und Wohnstuben der Avantgarde der Neu- und Altbereicherten auszumisten und umzurüsten. Rubensschinken raus, Klecksopathisches rein. Farbe ist Farbe. Kontrapunkt ist Kontrapunkt. Kunst ist, Kunst muss sein - und muss so sein. Sonst wäre ja nichts - Kunst.

Als dann der Spenglerlehrling schuldbewusst zur Traufe blickte, wo die von ihm montierte Regenrinne statt eine Gerade mit Gefälle zu bilden, eine obszön anmutende Rundung aufwies, klopfte ihm der alte Zunftmeister lobend auf die Schulter. "Sehr gut, mein Junge! Du hast Talent! Das bringt fünf Prozent extra! Als ich in die Lehre ging, waren solche Formen noch als Pfusch verpönt und völlig verkannt. Heute, mein Lieber, nennt man das Kunst am Bau und die ist als solche anerkannt, selbst bei öffentlichen Auftraggebern."

Wie der Funke von den Farbtubendompteuren auf die Wortschraubartisten übersprang ist nicht überliefert. Es geht aber die Saga, dass ein Werbetexter, im dumpfen Brüten über eine möglichst zugkräftige Verbindung von "keimfrei" und "Sagrotan" an jenem bereits flüchtig erwähnten Stammtisch auch die Formel "nur reimfrei ist es wohlgetan" absonderte, die wiederum im Ohrenschmalz eines ewig verkannten Lyrikers am Nebentisch einen fruchtbaren Nährboden fand.

Seither ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Nach der Totalentfernung jeglicher Reime folgten in schneller Folge die Verkürzung einst ellenlanger, so genannter Gedichte, auf einen so genannten Vers mit zwei, maximal drei Zeilen und als dies vollbracht war, entledigte man sich auch noch der letzten Restriktion und verzichtete vollends auf das die Freiheit der Lyrik seit Jahrtausenden einschränkende Versmaß.

Weil. Hat. Begonnen.

Nichts.

Während also in den Höhen der Vergeistigten das Nichts mit rasender Eile um sich greift, als sei Michael Ende nicht Schriftsteller sondern Prophet gewesen, wächst eine noch schwache und ungeschickt agierende, aber doch mit Macht zum Lichte drängende Gegenbewegung heran. Volkes Sehnsucht nach dem Wohlklang des Reimes bricht sich Bahn. Man muss nur hinhören können.

Seit der Spenglerlehrling zweimal wöchentlich vom Datendrang befallen wird und sich mit der Auszubildenden Fleisch- und Wurstwarenfachverkäuferin Annelina Wochenende für Wochenende aufs Heftigste und Innigste datet, ruft diese, noch voller Seligkeit, schon am tristen Montagmorgen der ersten Kundschaft - voller Charme - die frohe Kunde ins noch faltenzerknitterte Gesicht:

"Nur bei Meister Willi Harm,
gibt's statt Wurst, jetzt "Kunst im Darm."
 
 
Unglücklicherweise ist die "Unkunst" des plumpen Nachahmens nicht nur nur im Bereich der Kunstschaffenden zu finden. Schauen Sie sich um. Hören Sie einen Politiker reden. Inhalts- und sinnfrei, reimfrei - und unter Verzicht auf jegliches Versmaß, schauen sie den Bankern bei der Arbeit zu, für jede angestochens Blase setzen sie unbeirrt drei neue in die Welt, wertleer und sinnfrei, unter Verzicht auf jegliches Maß. Und wo Neues keimt, wird es, wie zu allen Zeiten, erst bekämpft, wie Unkraut - und dann sinnfrei und unverstanden nachgeahmt und aufgeblasen, bis zur Unkenntlichkeit.
 
Wie schön, aus der alten Kiste wieder einmal etwas vorziehen zu können, das, wenn auch schon längst abgegriffen von den schmutzigen Fingern der Zeit, immer noch den Glanz des Originellen in sich trägt:
 
          Joachim Ringelnatz
           
          Bumerang
           
          War einmal ein Bumerang;
          War ein Weniges zu lang.
          Bumerang flog ein Stück,
          Aber kam nicht mehr zurück.
          Publikum – noch stundenlang –
          Wartete auf Bumerang.
 

 

 

 
 

Herbert Ludwig nennt seinen Internet-Auftritt so.
 
Fassadenkratzer.
 
 
Und dieser Name ist Programm. Sein Anspruch ist es, zu den verursachenden Kräften der Zeitereignisse vorzudringen. Dazu ist es unerlässlich, an den Fassaden zu kratzen, um das ans Licht zu bringen, was für gewöhnlich hinter der Oberfläche verborgen bleibt oder einfach in der Fülle der Informationen untergeht.
 
1939 in Marburg an der Lahn geboren, war er, nach Studium und praktischer Ausbildung zum Rechtspfleger mehrere Jahre an verschiedenen Amtsgerichten in Nordhessen tätig. Er studierte dann Pädagogik, Philosophie, Geschichte und Deutsch an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen, sowie Waldorfpädagogik am Waldorflehrer-Seminar in Stuttgart und unterrichtete 27 Jahre an einer süddeutschen Waldorfschule.
 
Sein großes Thema ist die Entwicklung des Menschen zur Freiheit - und davon ausgehend die Untersuchung der inneren und äußeren Bedingungen, die diese Entwicklung fördern oder behindern. Als aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens erkennt er Chancen und Gefahren und nimmt regelmäßig Stellung zu grundsätzlichen Fragen der sozialen Gestaltung des geistig-kulturellen, staatlichen und wirtschaftlichen Lebens.
 
Ich habe mich sehr gefreut, als Herbert Ludwig mir anbot, eine Sammlung von Aufsätzen aus den letzten beiden Jahren im EWK-Verlag in Buchform zu veröffentlichen.
 
Die gezielte Auswahl für diese Veröffentlichung und die dabei geschaffene thematische Ordnung machen den Leser dabei umfasender und tiefgründiger mit den Themen und Problemen vertraut, als dies mit einzelnen Aufsätzen erreicht werden kann. Der innere Zusammenhang tritt hervor und verstärkt die Eindringlichkeit, mit der die gesellschaftliche Problematik und die notwendigen freiheitlichen Entwicklungsrichtungen beschrieben sind.
 
Sein Buch trägt den Titel:
      Macht macht untertan


      Methoden der Unterdrückung
      in der Demokratie
 
 
In unserm Online-Shop finden Sie ausführlichere Informationen und eine Vorschau auf den Inhalt.


 

Allmählich spricht es sich herum:


Sogar im SWR fand das Buch über
den Stuttgarter Grubenbahnhof
inzwischen lobende Erwähnung.

Der Autor hat einige Stimmen zu seinem jüngst im EWK-Verlag erschienenen Buch auf seiner Homepage veröffentlicht.

Schauen Sie doch mal selbst bei
Manfred J. Schmitz vorbei.

Bestellen können Sie
"Dr. Feist im Fegefeuer" direkt online.

Und natürlich gilt das auch für Schmitz's
ersten Roman "Wer weiß schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist ..."


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 



 

 

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