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25. April 2015
 
11.30 Uhr Ab wann und was überhaupt ist Völkermord?
 
Ein Begriff sorgt für Aufregung. Hundert Jahre lang blieb der Begriff - ungeachtet der Realität - tief im Keller unter anderen Leichen begraben. Nun holt man ihn aus der Versenkung und begeht feierliches Gedenken, in tiefer Betroffenheit und voller Empörung, dass doch gesagt werden können darf, was gesagt werden muss. Kurz: Man schreibt aus gegebenem Anlass wieder mal die Geschichte um.
 
Verwunderlich ist dabei die Wahl des Begriffes.
Ein Völkermord setzt die Existenz eines Volkes voraus - und vor allem die Einstellung, ein "Volk" als solches habe einen Wert, sei etwas Schützenswertes. Gehört diese Einstellung nun plötzlich wieder zum Fundus der Political Correctness?
 
Machen Sie den Selbstversuch:
 
Stellen Sie sich auf den Balkon, oder noch besser auf den Marktplatz, stellen Sie ein Plakat vor sich auf, auf dem steht: "Ich bin von ganzem Herzen ein Deutscher". und rufen Sie alle fünf Minuten einmal laut: Das deutsche Volk ist ein gutes Volk!"
 
Sollten Sie tatsächlich den Mut zu solchem Handeln aufbringen, und sich öffentlich in dieser Weise bekennen - was meinen Sie, was geschehen wird? Ich halte es für am wahrscheinlichsten, dass man Sie in Gewahrsam nimmt und auf Ihren Geisteszustand untersuchen lässt, je nach Bundesland und Wohnort könnten Sie jedoch vorher auch von den Freunden nationaler Begeisterung zum Ehrenmitglied ernannt oder - mit gleicher Begeisterung - von türkischen Jugendlichen verprügelt werden.
 
Nein. Versuchen Sie es nicht.
 
"Volk" ist in Deutschland zum "Bäh-Wort" erklärt worden, das selbst höchsten Würdenträgern nur an hohen Feiertagen zum sparsamen Gebrauch freigegeben ist.
Ansonsten haben wir kein Volk, sondern eine Bevölkerung zu haben, oder uns einfach nur, mit allem was zwei Beine hat und sich da aufhält, wo die auf dem Grundgesetz aufbauenden Gesetze Anwendung finden, als ein buntes, vielfältiges, bereichertes "Wir" zu empfinden. Eine indifferente Masse, in der es keine Unterschiede mehr gibt, weil Unterscheidungen und Differenzierungen als Ausgrenzung und Diskriminierung angesehen werden und im Zweifelsfall als Rassismus und (ja, sonderbar!) "Volks-"verhetzung verfolgt werden.
 
Würde die einzellige Amöbe nicht zwischen hell und dunkel unterscheiden, um sich auf das energiespendende Licht zuzubewegen, also den Schatten und das tiefe Wasser meiden, dann gäbe es vermutlich schon lange keine mehr. Wenn Denken ein Vorgang ist, der zu Entscheidungen führt, dann ist die Fähigkeit zur Unterscheidung die Voraussetzung für das Denken.
 
Wo die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen ebenso verboten ist, wie die Unterscheidung zwischen den Angehörigen unterschiedlichen Religionen, wo Arme und Reiche unterschiedslos in einen Topf geworfen werden, der dann "Durchschnitt" genannt wird, wo schon Hautfarben nicht mehr benannt werden dürfen - da darf auch schon längst nicht mehr zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Völker unterschieden werden, weil es gar keine unterschiedlichen Völker geben kann, nur noch die graubunte Masse Mensch.
 
Entschuldigen Sie bitte, meine Umerziehung ist noch nicht abgeschlossen. Mein Denken ist noch nicht im Nirwana des ewig Gleichen, alles Durchdringenden, Unaussprechlichen und Wertfreien angekommen. Von daher belästige ich Sie mit einigen Unterscheidungen, die wiederum auf Vergleichen beruhen, wiewohl man mir oft genug gesagt hat, dass es Dinge gibt, die man vergleichen darf (zum Beispiel den Winter 2011 mit dem Winter 2014) und solche, die man nicht vergleichen darf.
 
Unsinngerweise haben die Vereinten Nationen in der UN-Konvention gegen Völkermord den Fehler gemacht, die Unterscheidung zwischen Völkermord und Nicht-Völkermord festzuschreiben. Diese Unterscheidung ist, wie vieles andere auch, was die UN so von sich gegeben hat (es ist trotzdem gut, dass es den Versuch gegeben hat, ein Parlament aller Nationen in die Welt zu setzen) ziemlich erbärmlich, ja im Grunde lächerlich.
 
Ich gebe es sehr drastisch in meinen Worten wieder:
 
Maßgeblich für den Tatbeststand des Völkermords ist ausschließlich die "Absicht", eine bestimmte nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe "ganz" oder (!) "teilweise" zu zerstören. Es kommt nicht darauf an, ob der Absicht die Tat folgte, schon gar nicht, ob sie vollendet wird, wobei die "Vollendung einer teilweisen" Zerstörung schon schwierig genug festzustellen ist.
 
Ohne Absicht
kann man eine solche Gruppe ganz zerstören, oder teilweise soweit, wie es ohne Absicht eben schon mal geschehen kann.
 
Mit Absicht
hingegen könnte schon eine einzige Abtreibung den Tatbestand des Völkermords erfüllen.
 
Selbstverständlich ist, dass die Absicht vor einer Verurteilung nachgewiesen werden muss. Dazu braucht es ein Gericht, dass aufgrund der vorliegenden "Beweise" oder "Geständnisse" die Absicht feststellt.
 
Wenn also nun auf dem Begriff Völkermord herumgeritten wird, dann geht es im Grunde nur darum, ob das Osmanische Reich die Absicht hatte, die Armenier ganz oder teilweise zu vernichten, oder ob die weitgehende Ausrottung der Armenier nur irgendwelchen Sachzwängen folgte, die zwar dieses Ergebnis hervorbrachten, ohne dass es jedoch eine darauf gerichtete Absicht gegeben habe.
 
In einer Welt, in der nicht die Fakten zählen, sondern die Motive, die noch dazu in der Regel nicht von den Tätern offenbart, sondern von einer "Siegermacht" unterstellt werden, ist der Begriff "Völkermord" zur Klassifizierung eines Verbrechens so untauglich wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf einem Plastiksack mit Quarzsand.
 
Der Türkei heute mit der Völkermordkeule genüsslich eins überzuziehen hat mit den Armeniern überhaupt nichts zu tun. So grausam der Untergang dieses Volkes auch gewesen sein mag, er ist keineswegs beispiellos in der Geschichte der Menschheit, die ja nicht erst mit der Gründung der UN begonnen hat - und es existieren reichlich Staaten und Staatsführer auf dieser Welt, die - mit oder ohne echter oder unterstellter Absicht - nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppen ganz oder teilweise vernichteten und noch vernichten.
 
Der Türkei heute mit der Völkermordkeule aufs Haupt zu dreschen, hat sehr viel mit Erdogan zu tun, es hat sehr viel mit Russland und Putin zu tun, es hat sogar mit Tsipras und Varoufakis zu tun, denn dort, am östlichen Ende des Mittelmeers, formiert sich eine neue Achse des Bösen. Dort soll künftig russisches Gas verteilt werden, dort wird es womöglich sogar russische Flottenstützpunkte geben, dort ist es eine Nation satt, sich weiter in der Hoffnung auf einen EU-Beitritt wiegen zu lassen, obwohl abzusehen ist, dass es den nie geben wird, und eine andere Nation ist es satt, sich von der EU in den Abgrund stoßen zu lassen - und beide haben ihre Fühler Richtung Moskau ausgestreckt.
 
Was ist da wohlfeiler, als einen hundert Jahre zurückliegenden Massenmord neu aufzupolieren und ihn der Türkei ans Revers zu kleben, gerade so, als seien die heute dort Regierenden für das verantwortlich, was ihre Vorgänger vor hundert Jahren getan haben.
 
Da zieht man dann schon mal den Begriff "Volk" aus der Mottenkiste, damit man einen Völkermord anklagen kann, aus dem sich - gerade in einem Land, in dem es an Spannungen zwischen den Menschen ohne Migrationshintergrund und den Menschen mit Migrationshintergrund türkischen Ursprungs nicht fehlt, die Grundlage zu schaffen, für ein neues, stabiles Feindbild.
 
Wenn es tatsächlich um den Mord an mehr als einer Million Armeniern ginge, man könnte und müsste mit einem solchen Gedenken ganz anders umgehen.
 
So, wie es Herr Gauck, der Präsident der deutschen Bevölkerung und der deutsche Bundestag darauf angelegt haben, vor allem trauerndem Gedenken vor allem "den Begriff" zu verwenden, kann es nur als ein Giftpfeil in Richtung Ankara aufgefasst werden.
 
Die Wahrheitspresse freut sich über ein gefundenes Fressen. Rühmliche Ausnahme: ZEIT-online. Dort erfährt der geschätzte Leser, wie in der Türkei mit dem Gedenktag umgegangen wurde. Immer noch mit ein paar unvermeidlichen, womöglich dem Erhalt der Presselizenz geschuldeten Seitenhieben, doch immerhin geht es dort nicht ausschließlich darum, ob man die Türken von nun an als Völkermörder bezeichnen müsse oder nicht.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Herbert Ludwig nennt seinen Internet-Auftritt so.
 
Fassadenkratzer.
 
 
Und dieser Name ist Programm. Sein Anspruch ist es, zu den verursachenden Kräften der Zeitereignisse vorzudringen. Dazu ist es unerlässlich, an den Fassaden zu kratzen, um das ans Licht zu bringen, was für gewöhnlich hinter der Oberfläche verborgen bleibt oder einfach in der Fülle der Informationen untergeht.
 
1939 in Marburg an der Lahn geboren, war er, nach Studium und praktischer Ausbildung zum Rechtspfleger mehrere Jahre an verschiedenen Amtsgerichten in Nordhessen tätig. Er studierte dann Pädagogik, Philosophie, Geschichte und Deutsch an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen, sowie Waldorfpädagogik am Waldorflehrer-Seminar in Stuttgart und unterrichtete 27 Jahre an einer süddeutschen Waldorfschule.
 
Sein großes Thema ist die Entwicklung des Menschen zur Freiheit - und davon ausgehend die Untersuchung der inneren und äußeren Bedingungen, die diese Entwicklung fördern oder behindern. Als aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens erkennt er Chancen und Gefahren und nimmt regelmäßig Stellung zu grundsätzlichen Fragen der sozialen Gestaltung des geistig-kulturellen, staatlichen und wirtschaftlichen Lebens.
 
Ich habe mich sehr gefreut, als Herbert Ludwig mir anbot, eine Sammlung von Aufsätzen aus den letzten beiden Jahren im EWK-Verlag in Buchform zu veröffentlichen.
 
Die gezielte Auswahl für diese Veröffentlichung und die dabei geschaffene thematische Ordnung machen den Leser dabei umfasender und tiefgründiger mit den Themen und Problemen vertraut, als dies mit einzelnen Aufsätzen erreicht werden kann. Der innere Zusammenhang tritt hervor und verstärkt die Eindringlichkeit, mit der die gesellschaftliche Problematik und die notwendigen freiheitlichen Entwicklungsrichtungen beschrieben sind.
 
Sein Buch trägt den Titel:
      Macht macht untertan


      Methoden der Unterdrückung
      in der Demokratie
 
 
In unserm Online-Shop finden Sie ausführlichere Informationen und eine Vorschau auf den Inhalt.


 

Allmählich spricht es sich herum:


Sogar im SWR fand das Buch über
den Stuttgarter Grubenbahnhof
inzwischen lobende Erwähnung.

Der Autor hat einige Stimmen zu seinem jüngst im EWK-Verlag erschienenen Buch auf seiner Homepage veröffentlicht.

Schauen Sie doch mal selbst bei
Manfred J. Schmitz vorbei.

Bestellen können Sie
"Dr. Feist im Fegefeuer" direkt online.

Und natürlich gilt das auch für Schmitz's
ersten Roman "Wer weiß schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist ..."


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 



 

 

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