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7. Januar 2015
 
08.10 Uhr Die Maschine stoppt
 
Im Jahre 1909 veröffentlichte Edward Morgan Forster, gerade 30-jährig, seine dystopische Zukunftsvision "THE MACHINE STOPS". Ungefähr 70 Jahre später habe ich diese Geschichte, ebenfalls gerade 30-jährig, zum ersten Mal gelesen, ohne zu bemerken, dass der Text schon so früh entstanden war, allerdings kam mir die Vision aufgrund des inzwischen tatsächlich erfolgten Fortschritts der Technik längst nicht mehr so unrealistisch vor, wie den Menschen, die sie fünf Jahre vor Beginn des ersten Weltkriegs erstmals lasen.
 
In der Kurzfassungs schildert Forster eine in unterirdische Einzel-Wohnzellen zurückgezogende Gesellschaft, die von einer großen technischen Maschine wie von Zauberhand mit allem bedient wurden, was das Herz begehrt. Wir würden das heute als ein weit fortgeschrittenes "Internet der Dinge" bezeichnen, und die Fortentwicklung des 3-D-Druckers zum Allround-Materialsator erkennen. Dabei wurden diejenigen, die sich noch mit der Maschine auskannten, immer weniger, während die in ihren Waben verwöhnten immer dekadenter wurden, so dass es kam, wie es kommen musste, die Maschine wurde nicht mehr gewartet, repariert, erweitert - sondern geriet ins Stocken und stand eines Tages völlig still.
 
Eine Gefahr, in der auch unsere hochentwickelte Zivilisation schwebt. Nicht nur, weil ständig mit Viren, Trojanern und anderem Kroppzeug Angriffe auf die Integrität von Daten und Programmen verübt werden, nicht nur, weil die Hardware ausgesprochen anfällig für den EMP (elektromagnetischer Puls) ist, dessen Zerstörungskraft ja nicht nur durch die Explosion von Atomwaffen freigesetzt werden kann, sondern auch schon durch einen mächtigen Sonnensturm, nein, vor allem, weil die Fähigkeit der Menschheit, noch zu verstehen, was ihre Technik im Innersten zusammenhält, in Relation zur Komplexität und zur Quantität der Anwendungen immer weiter schrumpft.
 
Nun werden die ersten Symptome der unzureichenden Beherrschbarkeit sichtbar. Es ist nicht mehr als ein kleiner Pickel auf der ansonsten makellosen Oberfläche der Cyber-Welt, doch die Hilflosigkeit im Umgang damit, erscheint mir als symptomatisch für die weitere Entwicklung in der Zukunft.
 
Die deutsche Justiz muss Verdächtige laufen lassen, weil die kriminaltechnischen Institute mit der Flut von Beweismaterial, dass ihnen der technische Fortschritt beschert, nicht mehr fertig werden. Beschlagnahmte Rechner etc. müssen nach 9 Monaten zurückgegeben werden, doch diese Zeit reicht inzwischen nicht mehr aus, die Asservate zu untersuchen - zu lange ist die Schlange derjenigen Beweismittel, die davor in der Reihe stehen. Dabei sind es nicht nur Computer und Festplatten, Handys und USB-Sticks, die liegen bleiben, nein auch die Fülle von genetischen Spuren, die von den Ermittlern eingesammelt wird, kann nicht mehr bearbeitet werden, von den Datenmüllbergen aus der Vorratsdatenspeicherung ganz zu schweigen.
 
THE MACHINE STOPS.
 
Von den Staatsanwaltschaften hört man, dass - der Not gehorchend - nun nur noch die für besonders wichtig gehaltenen Beweismaterialien überhaupt zur kriminaltechnischen Untersuchung gelangen, und offenbar klemmt es dennoch allerorten.
 
Es ist mir in diesem Zusammenhang nicht wichtig, die Frage zu stellen, ob es aufgrund dieser Problematik zu mehr Fehlurteilen kommt oder ob mehr Schuldige freigelassen werden als früher, das ist der Nebeneffekt, der an dieser einen Stelle auftritt.
 
Die Frage, die ich stellen will, lautet: "Wo wird das nächste gleichartige Problem auftreten, und was wird noch alles folgen?"
 
Es gibt sicherlich Lebensbereiche, in denen die Aufgaben, die Hard- und Software übertragen wurden, trivial sind, nennenswerte Auswirkungen beim Versagen also ausbleiben werden. Wenn eine Supermarktkette die Kontrolle über ihre per Kundenkarte und Kassenerfassung erhobenen Kundendaten verliert, ist das kein Problem, das das Unternehmen oder seine Kunden ins Unglück stürzt.
 
Wenn allerdings die Datenmengen aus der Totalüberwachung der Bürger ein kritisches Maß übersteigen, das bei der notwendigen Sorgfalt der Auswertung von Kommunikation, Bewegungsprofilen und auffälligem Verhalten vor den allgegenwärtigen Video-Kameras mit den installierten Kapazitäten nicht mehr zeitnah bewältigt werden kann, dann droht Ungemach. Man wird die Datenkrake nicht abschalten, man wird lediglich die Sorgfalt bei der Auswertung zurückfahren. Die Zahl der Kriterien für den Polizei-Einsatz und die vorläufige Festnahme wird reduziert und die Ansprüche an die Qualität der Erkenntnis sinken. Anfangs wird man noch versuchen, mit Personalaufbau in den Revieren und Kommissariaten gegenzusteuern, doch irgendwann wird es auch da heißen, wir arbeiten nur noch das ab, was wir schaffen, und am Ende kann die Videokamera am U-Bahnhof festhalten, wie unter Beobachtung stehende Terrorverdächtige tatsächlich einen Sprengsatz im Papierkorb versenken - und kein Streifenwagen wird sich in Bewegung setzen, weil der Vorgang ganz einfach wegen Überlast automatisch gelöscht wurde.
 
Nicht anders sieht es mit den vernetzten Waffensystemen aus, die allmählich beginnen, den Menschen die Entscheidungen im taktischen Bereich abzunehmen, die ihre Einsätze untereinander koordinieren - und die ganze Logistik-Kette bis zur Munitionsfabrik gleich mit. Ein Irrtum in der automatischen Auswertung der Bilder einer Aufklärungsdrohne kann - ohne menschliches Zutun*) - einen schweren Angiriff mit Marschflugkörpern oder gar Langstreckenraketen auslösen, die, irgendwo auf der Welt gestartet, ein Ziel suchen, das keines ist, während Hard- und Software der Gegenseite den Gegenschlag auslösen, ebenso vollautomatisch, weil der Krieg für den Menschen viel zu schnell geworden ist, als dass er ihm noch folgen könnte. Seine Rolle reduziert sich auf die des potentiellen Opfers.
 
*) Natürlich versichert man uns, dass alle Waffen unter menschlicher Kontrolle stehen, doch versichere ich Ihnen, der Soldat, der versucht, den Vorschlägen und Wünschen des SYSTEMS seine eigene Lagebeurteilung entgegenzustellen, der wird auf seinem Posten nicht alt. Der verhindert ja den Sieg! Das hat uns der US-Film Crimson Tide (In tödlicher Gefahr) von 1995 schon superdeutlich vor Augen geführt. Das Happy-End, das dabei konstruiert wurde, bedarf aber eines Soldaten mit der Charakterstärke des von Denzel Washington dargestellen Lieutenant Commander Ron Hunter, der als Erster Offizier auf einem atomwaffentragenden U-Boot durch offene Meuterei den atomaren Erstschlag verhindert. Solche Soldaten kommen allerdings vermutlich nur in Hollywood zum Einsatz.
 
 
Verhängisvoll ist inzwischen auch die Schnittstelle zwischen den Fachleuten für irgendein Spezialgebiet und den Programmierern, die deren Vorstellungen in Software umsetzen.
Natürlich wird Software getestet, bevor sie zum Einsatz kommt, doch in aller Regel beschränkt man sich darauf, festzustellen, ob unter normalen Bedingungen auch die erwarteten Ergebnisse erzeugt werden. Was der Rechner tut oder lässt, wenn irgendein Parameter den für wahrscheinlich gehaltenen Rahmen verlässt, kann letztlich nicht mehr getestet werden. Dafür ist die Aufgabe, die man der Maschine überlässt, viel zu komplex. Mit etwas Glück, stoppt die Maschine einfach, und mit noch mehr Glück, ist ihr Funktionieren in diesem Augenblick nicht von entscheidender Bedeutung. Dann fährt man die Kiste wieder hoch, und hofft, dass sich der Fehler nicht so schnell wiederholen werde. Noch schwieriger wird es, wenn dann der Fehler erkannt ist, und seine Behebung in Angriff genommen werden soll. Nicht selten erfordert das weit mehr Eingriffe an den unterschiedlichsten Stellen des Systems (vor allem dann, wenn es schon mehrmal repariert wurde) von denen jeder ein noch schlimmeres Versagen hervorrufen kann.
 
1989 hatte Leonid Toptunow beim Durchführen eines Experiments am Kugelhaufenreaktor in Tschernobyl, mit dem nachgewiesen werden sollte, dass der Reaktor auch bei Stromausfall im Kraftwerk noch hinreichend mit Kühlwasser versorgt werden kann, ein Problem verursacht, das normalerweise hätte beherrscht werden können - doch die Veränderungen, die zur Vorbereitung des Testbetriebs getroffen waren, verhinderten das zuverlässig. Seitdem müssen bayerische Jäger das Fleisch der meisten erlegten Wildschweine in der Sondermülldeponie abliefern.
 
Ich bin nun weißgott kein Maschinenstürmer, doch wir bewegen uns auf einem schmalen Grat. Immer mehr Menschen sind nur noch dazu da, den Maschinen zu dienen, immer weniger Menschen steuern sie, und noch viel weniger sind in der Lage, die Funktionen der Steuerung noch zu begreifen, geschweige denn, die Maschinen tatsächlich zu beherrschen.
 
Die Welt ist voller Zauberlehrlinge, denen es durchaus gelingt, toten Maschinen ein Eigenleben einzuhauchen. Die ersten ersticken inzwischen am selbsterzeugten Output, andere, besonders die kriegerischen, sind noch dabei, sich vollends zu verselbständigen.
 
Der nächste GAU kommt bestimmt. Ob es der Computerhandel an den Börsen ist, der uns eine Wirtschaftskrise beschert, ob irgendwo noch ein sicher geglaubter Reaktor durchgeht, ob sich ein großes Chemie-Areal in Rauch und Asche auflöst und Luft und Böden im Umkreis vieler Kilometer auf Jahrzehnte verseucht, das ist das Geheimnis des Roulettespiels, um dessen Tisch wir uns in der Hoffnung auf große Gewinne geschart haben.
 
Die nächsten großen Katastrophen, die die Menschheit anrichtet, werden auf technisches Versagen zurückgeführt werden müssen. Auch wenn es menschliches Versagen war, das die Risiken unter- und den Nutzen überbewertet hat.
 
 
 

 
 
 
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Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 

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Über egon-w-kreutzer.de

Seit über 10 Jahren bin ich mit einer eigenen Homepage online und kommentiere das aktuelle Zeitgeschehen, stets verbunden mit dem Versuch, dabei aus den frühesten Anzeichen "sonderbarer" Veränderungen meine Schlüsse für die zukünftige Entwicklung zu ziehen.

Leider habe ich dabei in vielen Fällen mit äußerst negativen Prognosen Recht behalten.

Vor den Folgen der Agenda 2010 und der Hartz-Gesetze habe ich schon gewarnt, bevor sie offiziell verkündet wurden.

Das Kommen der Finanzkrise habe ich lange vor dem Krachen von Lehman-Brothers angekündigt, nämlich schon als in Deutschland die kleine IKB in Schwierigkeiten geriet.

Und derzeit richte ich mein Augenmerk über das aktuelle Geplänkel um die Ukraine recht weit in die Zukunft und warne vor der großen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China, die gerade in Nigeria durch die USA wieder angeschoben wird.

Neben den ständigen Veröffentlichungen im Internet bin ich auch als Buchautor nicht mehr ganz unbekannt. Mit vier Bänden "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre" habe ich einen Grundstein für ein alternatives Wirtschafts- und Geldverständnis gelegt. Ganz neu (2013 und 2014 erschienen) habe ich mich mit "Das Euro-Schlachtfest" und "Wo bleibt die Revolution" zu Wort gemeldet.

Aus den Paukenschlägen der vergangenen Jahre sind zwei Sammelbände entstanden, in denen die wichtigsten und "schönsten" Aufsätze zusammengefasst sind.

Daneben habe ich weiteren Autorinnen und Autoren die Chance gegeben, ihre wichtigen Texte, die von den etablierten Verlagen nicht angenommen wurden, bei mir zu veröffenltichen. Dazu gehören insbesondere Samirah Kenawi (Falschgeld), Florian Stumfall (Das EU-Diktat), Freimut Kahrs (Lebenslüge Freiheit) und Karl Waldecker (GLOCALIS).

Seit kurzem habe ich mich entschlossen, auch einen regelmäßigen Informationsdienst "ewk - Zur Lage" herauszubringen, der über ein Förderabonnement, aber auch in Einzelausgaben kostenpflichtig bezogen werden kann.

Ich freue mich, wenn Ihnen meine Aufsätze und meine Bücher gefallen - und ganz besonders, wenn
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Ihr Egon W. Kreutzer

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