Paukenschlag
am Donnerstag
No. 19 /2015
vom 14. Mai 2015


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


BREXIT

In Großbritannien wurde letzte Woche gewählt. Die Demoskopen irrten sich gewaltig, denn ihre Vorhersagen ließen glauben, es gäbe ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Cameron müsste sich einen Koalitionspartner suchen, politisches Agieren werde sehr viel schwieriger und komplizierter.

Der Ausgang der Wahl ließ diese Spekulationen platzen, Cameron sitzt weiter fest im Sattel und wird tun, was er für den Fall seiner Wiederwahl angekündigt hat, nämlich das Volk über den Verbleib in der EU abstimmen lassen.

Es drängt sich wieder einmal der Verdacht auf, dass die veröffentlichten Ergebnisse der Meinungs- und Wahlforscher nicht den tatsächlich gewonnen Erkenntnissen entsprachen, sondern von interessierter EU-Seite gekauft worden waren, um jenen Teil der Briten zu verunsichern, die zwar aus der EU raus wollen, aber nicht unbedingt eine weitere Amtszeit Camerons anstreben.

Könnte man diese Wähler mit negativen Aussagen über die Chancen Camerons verunsichern, so vermutlich das Kalkül, ließe sich womöglich die Einlösung des Versprechens, eine Volksabstimmung abzuhalten, durch einen solchen demoskopischen Betrug doch noch verhindern - und das sogar so, dass Cameron dabei weder das Gesicht, noch das Leben verlieren müsste. Denn dass Cameron auf eine schwierige Zeit zugeht und mit aller Macht daran gearbeitet werden wird, ihn doch noch zu einem Rückzieher zu zwingen, ist so gut wie sicher.

Die Wahl ist ausgegangen, wie sie ausgegangen ist, und Cameron hat unmittelbar nach seinem Sieg zwei hochinteressante Aussagen gemacht:

1. Es gibt kein zweites Referendum der Schotten.

2. Die Volksabstimmung kommt schon 2016.

Der scheinbare Widerspruch, hier das Verbot einer Abstimmung, da die Ankündigung, die Abstimmung vorziehen zu wollen, löst sich schnell auf.

Wurde Cameron auch immer unterstellt, er habe das Versprechen, das Volk über den Verbleib in der EU abstimmen zu lassen, gegen seine eigenen Intentionen abgegeben, aus machtpolitischem Kalkül, und nur um als "glühender Europäer" die Wahlen zu gewinnen, so kann nun davon ausgegangen werden, dass sich seine Einstellung, sollte sie denn jemals wirklich pro-europäisch gewesen sein, inzwischen verändert hat.

Nun sieht er sich offenbar als jene Lichtgestalt, die Großbritannien aus den Fesseln der EU befreit und zu neuer Macht und Größe führen wird, mit einem sicheren Platz in den Geschichtsbüchern, der womöglich Churchill und Maggie Thatcher noch in den Schatten stellen wird.

Doch um die angestrebte Größe zu erreichen, kann er es nicht zulassen, dass sich sein Reich von innen her auflöst. Jeder Quadratkilometer und jeder Einwohner ist wieder wichtig geworden, wenn es etwas werden soll, mit jener wirtschaftlich und militärisch abgesicherten "splendid isolation", die von den Inselbewohnern so geschätzt wird.

Was also hat sich verändert?

Es hat sich so viel, so grundlegend verändert, dass von Großbritannien eine gewaltige Veränderung der Machtverhältnisse auf der ganzen Welt ausgehen könnte und wohl auch ausgehen wird.

In England wurde eine unvorstellbar große Öllagerstätte entdeckt.

Etwa 100 Milliarden Barrel sollen in der Gegend um den Flughafen London-Gatwick darauf warten, ans Licht geholt zu werden. Das entspricht ungefähr den gesamten bestätigten Reserven Kuwaits und stellt, selbst bei dem derzeit niedrigen Preis für Rohöl, ein Vermögen in der Größenordnung von 5 bis 6 Billionen US$ dar.

Die britischen Ölfelder in der Nordsee sind weitgehend ausgebeutet, da kommt dieses neue - und weitaus größere - Ölfeld gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Die Bedeutung dieser Entdeckung kann gar nicht überschätzt werden.

Werden diese Lagerstätten erschlossen, ist die EU auf lange Zeit in der Lage, ihren Bedarf an fossilen Brennstoffen aus eigenen Quellen zu decken. Die Abhängigkeit von russischem Gas und Erdöl löst sich in Wohlgefallen auf. Die Pipeline-Pläne Moskaus, über die Türkei und Griechenland Öl und Gas nach Zentraleuropa zu transportieren, verlieren an Brisanz und stehen in Gefahr, sich als von vornherein unwirtschaftlich herauszustellen.

Die jetzt abwiegelnd aufgestellten Behauptungen, vermultlich ließen sich nur 5 bis 15 Prozent der Lagerstätten konventionell ausbeuten, für den Rest müsse auf die Fracking-Technologie zurückgegriffen werden, sind reine Augenwischerei um die Aufregung ein bisschen zu dämpfen.

Selbst wenn es stimmen sollte, und tatsächlich nur 5 bis 15 Prozent mit normaler Fördertechnik ausgebeutet werden können, handelt es sich dabei immer noch um 5 bis 15 Milliarden Barrel. Im letzten Jahr sprudelten aus den britischen Nordseequellen gerade einmal 283 Millionen Barrel. Das neu erkundete Feld würde also, selbst bei minimaler Ausbeutungsrate das Nordsee-Öl für 17 bis 50 Jahre ersetzen.

Dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, die Lagerstätte tatsächlich anzustechen. Es genügt vollkommen, mit dem jederzeitigen Beginn der Förderung großer Ölmengen "drohen" zu können, um den Ölmarkt in Bewegung und die Preise niedrig zu halten.

Es ist ein neuer Joker im Spiel, der die US-Fracking-Industrie ebenso ausstechen kann, wie die russischen Öl- und Gaslieferanten und letztlich auch die Golfstaaten.

Damit klug umzugehen, ist jedoch nicht möglich, wenn dieser Schatz, kaum gefunden, schon wieder in Brüssel abgeliefert werden müsste.

Natürlich blieben den Briten die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, abzüglich der zwangsläufig folgenden Beitragserhöhung für die EU, doch das Geld ist ja nur der weniger bedeutsame Aspekt. Viel wichtiger wird es sein, wie dieses Öl als strategische Waffe eingesetzt wird, und dies einer Kommission oder einem Rat zu überlassen, das wäre ein größerer Fehler als das Britische Pfund für den Euro zu opfern - und schon in diese Falle sind die Briten nicht getappt. Im Gegenteil, sie haben sie gemeinsam mit den Franzosen aufgestellt, um Deutschland darin zu fangen, was gelungen ist.

Der Spruch "Niemand profitiert vom Euro mehr als Deutschland" gilt ja nur so lange, bis die Rechnung vorgelegt wird.

  • Export ist schön.
  • Export gegen Kredit jedoch nur so lange, wie die Hoffnung besteht, dass die Kredite eines Tages auch eingelöst werden.
  • Export gegen platzende Kredite, für die sich der Exporteur in seltener Blödheit auch noch verbürgt hat, ist gar nicht mehr schön.
Cameron wird zunächst einmal die Frage zu beantworten haben, wie er sich nun gegenüber den USA positioniert. Deren Interesse, Europa klein zu halten und vor allem die Annäherung an Russland aufzuhalten bzw. zurückzudrehen, ist offensichtlich.
 
Dass die Briten sich stets als Waffenbrüder der USA gesehen und ihre Eroberungsfeldzüge gemeinsam unternommen haben, dass es zwischen der Wall Street und der City of London enge Verbindungen gibt, die das gemeinsame Ziel einer neuen Weltordnung verfolgen, ist offenkundig. Es steht also zu erwarten, dass die strategischen Partnerschaft zwischen USA und Großbritannien mit dem neuen Ölschatz gestärkt wird, wobei die Briten ein größeres Gewicht bekommen.
 
GB muss also raus aus der EU.
 
Das hat weltpolitisch den Vorteil für die verstärkte Koalition, dass deswegen der Bestand des Euros nicht gefährdet wird, wie es beim Austritt Griechenlands mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten wäre. USA und GB steht also weiterhin eine Staatengemeinschaft gegenüber, die sich mit der gemeinsamen Währung selbst ruiniert und zerfleischt.
 
Diese Staatengemeinschaft wird zudem in eine neue Rohstoff-Abhängigkeit getrieben, denn USA/GB sind in der Lage, durch die Preisgestaltung für Rohöl russische Lieferungen an die EU jederzeit zum Verlustgeschäft zu machen, ohne dafür mehr tun zu müssen, als den Hahn ein bisschen weiter aufzudrehen. Putin wird also von sich aus auf Lieferungen Richtung EU verzichten und sein Augenmerk voll und ganz auf die Versorgung Chinas richten.
 
Vollkommen unklar ist bei dieser Verschiebung der geostrategischen Gewichte die künftige Rolle der Golf-Region. Schon die US-Fracking-Initiative hat ihre Bedeutung für den Ölpreis reduziert. Saudis und die Emirate können den Preis zwar immer noch leicht senken, aber ihre Möglichkeiten, ihn in die Höhe zu treiben, sind stark beschränkt worden.
 
Das könnte dazu führen, dass die bisherige US-Partnerschaft Risse bekommt. Eine Entwicklung, die die USA aber nicht zulassen dürfen, denn Russland/China würden sofort nachstoßen, sollte sich da eine Lücke auftun und damit umgekehrt die Balance verschieben.
 
Es wird daher hochinteressant, wie sich die Beziehungen der Türkei zur EU einerseits und zu Russland andererseits entwickeln werden. Erdogan ist in der scheinbar glücklichen Situation, von beiden Seiten umworben zu werden, eine Situation, die jedoch dummerweise auch das Potential eines Krieges in sich trägt, sollte er dabei übermütig werden.
 
Es stehen uns interessante Zeiten bevor.
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wie weit sich die Diktatur auch in Europa schon ausgebreitet hat, weil sich jeglicher Widerstand in Einzelanstrengungen neutralisiert, beschreibt Florian Stumfall in seinem Buch:

"Das EU-Diktat - vom Untergang der Freiheit in Europa"


Wie weit wir alle miteinander in der irrigen Überzeugung gefangen sind, es gäbe noch nennenswerte bürgerliche Freiheiten, und wie tief wir den Kopf in den Sand stecken, um die Wahrheit nicht sehen zu müssen, darüber klärt Herbert Ludwig auf, in seinem Buch:

"Macht macht Untertan
Methoden der Unterdrückung in der Demokratie"


Wie Geld funktioniert, wo es herkommt - wo es bleibt, und warum Geld die Umverteilung von unten nach oben unterstützt und begünstigt, warum es vollkommen unmöglich ist, jemals alle Schulden zu tilgen, ja noch nicht einmal die Staatsschulden alleine, das erfahren Sie in meinem Buch:
 
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre
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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 Anker Julie