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Paukenschlag
am Donnerstag
No. 7 /2015
vom 19. Februar 2015


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


 
Nulla crux, nulla corona

 

Kein Kreuz - und keine Krone, der Wahlspruch den Florian Geyer auf sein Schwert gravieren ließ, als er, einer der reichsten fränkischen Ritter, vor nunmehr 490 Jahren für sich die Entscheidung traf, sich an die Seite der aufständischen Bauern gegen die katholische Kirche und die weltlichen Fürsten zu wenden.

Geprägt auch von Luthers reformatorischen Ideen loderte damals die Flamme der Freiheit auf. Columbus hatte soeben den vermeintlichen Seeweg nach Indien gefunden und die Indianer entdeckt. Nach Gutenbergs Methode wurden mehr und mehr Bücher gedruckt, Peter Henlein machte es möglich, die Zeit - in Form einer Taschenuhr - stets mit sich zu führen, ganze 200 Jahre nachdem Robertus Anglicus in seinem Kommentars zu "De Sphaera des Johannes de Sacrobosco" den Entwicklungsstand der Uhrmacherkunst festgehalten hatte. Albrecht Dürer schuf seine Meisterwerke und beschäftigte sich, was weitgehend unbekannt ist, richtungsweisend mit Forschungen auf dem Gebiet der Geometrie.

Zugleich hatte der endgültige Niedergang der Hanse begonnen, die über 300 Jahre die Vormachtstellung über den Handel und die Seefahrt in Ost- und Nordsee innehatte.

 

Wenn Florian Geyer zu den Bauern sprach, übersetzte er seinen Wahlspruch ins Deutsche. Dann lautete er:

"Der Armen Freund, des Adels und der Pfaffen Feind".

Der Gedanke an Florian Geyer kam mir, als ich las, dass Alexis Tsipras, einerseits die so genannte "Hilfe" der EU weiterhin ablehnt, solange sie mit der Fortsetzung der gegen sein Land verhängten Repressionen verbunden ist, andererseits eine massive Steuer-Amnesie für die weniger gut betuchten seiner Landsleute beabsichtigt.

Der Gedanke an Florian Geyer kam mir auch, als ich von der Einnahme Dewalzewos durch die ukrainischen Milizen las. So, wie vor fast 500 Jahren sich die Bauern in unorganisierten Haufen gegen ihre Unterdrücker in Klerus und Adel erstmals erhoben - chancenlos - bis sich bei Florian Geyer etwas regte, das wir heute wohl "soziales Gewissen" nennen würden, ist es auch den Menschen im Donbass gelungen, eine dem Gegner ebenbürtige taktische und strategische Kriegsführung zu entwickeln. Den Ausschlag gab dann die Motivation, die Motivation für den Erhalt ihrer Heimat, ihrer Kultur, ihrer Traditionen, ihrer Sprache und ihrer Freiheit zu kämpfen, während auf der anderen Seite selbst Abschussprämien nicht verhindern konnten, dass sich einfache Soldaten und führende Offiziere in einem für sie sinnlosen Krieg aus dem Staub machten.
 
 
Es mag ein Überschwang an Optimismus sein, der mich bewegt, sowohl im Geschehen in der EU, als auch im Geschehen in der Ukraine jenen Funken zu erkennen, der eine Wende ankündigt.
 
Dass die Troika sich nicht mehr Troika nennt, sondern jetzt nur noch "die Institutionen", ist einer der billigsten Taschenspielertricks, die man sich vorstellen kann, in der absolut irrigen Hoffnung, Tsipras und Varoufakis würden ihre Wahlversprechen für ein derart elendiges Wortspiel verkaufen.
 
Dabei wird dem Trutzbund "Euro-Zone" soeben schlagartig klar, dass das, was in Deutschland, in Frankreich, in Spanien, Großbritannien bisher reibungslos funktionierte, nun auf einmal in Griechenland nicht mehr funktionieren wird. Da wird Schäuble und Merkel, Juncker und Hollande vorgeführt, dass ihr Verständnis von Demokratie, das sich auf den Punkt gebracht so zusammenfassen lässt: "Große Worte für das Volk, große Taten für das Geld", sein Mindesthalbarkeitsdatum bereits überschritten hat.
 
Meines Erachtens liegt die Angst der Eurogruppen-Platzhirsche keineswegs darin, dass man Forderungen gegen Griechenland in den Wind schreiben muss, die panische Angst kommt aus dem Wissen, dass Griechenland nach dem GREXIT ein Wirtschaftswunder erleben wird, und dass Tsipras wie ein erfahrener Stellwerksleiter eine Weiche nach der anderen umlegt, um dies zu ermöglichen.
 
Meines Erachtens liegt auch die Angst der EU und der USA keineswegs darin, dass mit der Abspaltung der Ostukraine ein wichtiger geostrategischer Verlust zu verkraften wäre. Die panische Angst ist damit begründet, dass die Westukraine, will man sie nicht verhungern und erfrieren lassen, ein noch größeres Fass mit noch weniger Boden sein wird als Griechenland, während die Ostukraine die besten Chancen hat, mit Unterstützung aus Moskau sich wie ein Phönix aus der Asche zu erheben.
 
Die Angst besteht darin, dass es einen neuen Wettstreit der Systeme geben könnte, bei dem ein erst am Anfang stehendes, neues Bündnis sich schnell entwickelnder Staaten mit großem Aufholbedarf - und daher großem Potential - die Gefahr mit sich bringt, dass es die Blicke jener Menschen auf sich zieht, die sich in den USA mit Foodstamps am Leben halten; dass die für minderwertig gehaltenen Insassen der modernen französichen Ghettos in den Vororten von Paris erkennen, dass sie belogen und betrogen werden; dass die auf ein Minimum an Überlebensrationen gesetzten Hartz-IV-Empfänger in Deutschland begreifen könnten, dass sie den Gürtel nicht enger schnallen mussten, damit es einst ihnen und ihren Kindern und Enkeln besser gehen wird, sondern nur für die gegenwärtige Bereicherung der Exportindustrie, ihrer Anteilseigner und ihrer korrumpierbaren Helfer.
 
Man hat zwar längst EU-eigene Truppen zur Aufstandsbekämpfung aufgebaut, man hat längst die Gesetze der EU so gestaltet, dass der Einsatz tödlicher Waffen gegenüber aufständischen Bürgern legal ist, man hat - für nicht näher beschriebene, bedrohliche Ereignisse - auch den Einsatz der Bundeswehr im Inneren wieder gestattet und sich damit von jenen Erkenntnissen weit entfernt, die eine Wiederholung des Nazi-Terrors unmöglich machen sollten, weil - siehe oben - das gedankliche Rüstzeug der führenden Politiker kaum noch ausreicht, um Demagogie von Demokratie unterscheiden zu können.
 
Doch wer wird - wenn es soweit kommen sollte - den Einsatzbefehl geben?
 
Wird man sich erlauben, statt wie Honnecker und Mielke, die man die Galionsfiguren eines Unrechtsstaates nennt, aufzugeben, wenn erkennbar ist, dass das Volk nicht mehr folgen will? Oder wird man darauf setzen, dass man die Menschen bei Bedarf jederzeit niederkartätschen kann, wenn sie aufhören, im Internet Petitionen zu zeichnen und stattdessen auf die Straße gehen, wie 1905 in Petersburg?
 
Zur Finanzierung des Krieges gegen Japan hatte man den Arbeitern die Löhne gesenkt und ließ sie unter unmenschlichen Bedingungen schuften (kommt Ihnen bekannt vor?).
Als sie dann am 22. Januar 1905 zum Palast des Zaren zogen, mit den Worten: „Wir sind zu Ihnen gekommen, Hoheit, um Gerechtigkeit und Schutz zu suchen“, ließ der Zar seine Truppen in die Menge schießen. Am Ende lagen über 1.000 Tote auf dem Platz.
 
Poroschenko hat diese Lösung versucht - und ist damit gescheitert.
 
Dabei ist es kurzsichtig, nur auf Poroschenko zu schauen. Auch er ist nur eine Marionette, die ohne Unterstützung durch EU und USA niemals zum Präsidenten der Ukraine geworden wäre.
 
Es muss klar werden, dass die Kräfte, die in der Ukraine einen Krieg gegen das Volk der Ukraine angezettelt haben, die gleichen Kräfte sind, die auch den Wirtschafts- und Währungskrieg gegen Griechenland - und etliche weitere Euro-Staaten und deren Bevölkerung - angezettelt haben.
 
Es muss klar werden, dass es die so genannte "Westliche Wertegemeinschaft" ist, die in Angst um das eigene Überleben immer wilder um sich schlägt.
 
Es werden Kriege geführt, um die Lüge aufrecht zu erhalten, die da lautet: Nur freie, unregulierte Märkte ermöglichen dauerhaften Frieden und Wohlstand für alle.
 
Freie und unregulierte Märkte, Freihandelszonen unter Aushebelung mühsam errungener Schutzrechte, private Schiedsgerichte, denen Staaten sich zu beugen haben, das ist die vertraglich zugesicherte und gesetzlich legitimierte Renaissance des Faustrechts, begründet mit dem Heilsversprechen, Armut auf Erden bringt Reichtum im Paradies.
 
Das ist Anarchie von oben.
Neofeudalismus, der seiner Vollendung entgegenstrebt.
 
Brecht meinte: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren".
 
Hilf, Floran Geyer, hilf!
 
 
Nulla crux! Nulla corona!
 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 Anker Julie